Vorwort
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Juhu, da bin ich
wieder! Ich hoffe, ihr habt mich gebührend vermisst. Naja, genau genommen war
ich nie so richtig weg – und im Geiste bin ich ja sowieso immer im Stadtrat
zugegen (ich bin quasi das Schreckgespenst), aber das andere Stadtratsprotokoll
ist wieder da, nachdem ich zweimal einfach ausgelassen habe (mal schauen, ob
ich es noch kann, so schnell schreiben bin ich mir nicht mehr gewöhnt). Zur
Feier des Tages habe ich mich unterwegs fast überfahren lassen (ABER ICH HATTE
VORTRITT!!!), aber jetzt bin ich da, schwitzend, aber motiviert. Let’s go!
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Und heute ist eine
besondere Stadtratssitzung (also, sowieso immer, wenn ich dabei bin, haha),
aber es ist auch die allerletzte Stadtratssitzung mit Stapi Reto Müller (SP),
der in höhere Gefilde aufsteigt und Regierungsrat wird. Tschüss Reto, wir
werden dich vermissen. Und du uns auch. Du willst es nur nicht zugeben, aber
was ist schon kantonale Politik gegen die Tragödien und Komödien, die wir hier
in der Lokalpolitik bieten? Der Kanton Bern ist «GZSZ» Niveau, wir dagegen sind
«Krieg und Frieden».
Teil 1: Eisige Eiszeit
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Und wir schlittern
(oder je nach Eiskunstkünsten gleiten wir vielleicht auch), direkt ins erste
Traktandum und wie meine elegante und sprachlich gewandte Einleitung bereits
verrät, geht es um die Eishalle (das hatten wir zugegebenermassen schon lange
nicht mehr). Die Eishalle in Schoren ist ja – nun ja – vielleicht nicht mehr so
ganz taufrisch und muss saniert und erweitert werden. Und weil das nicht gratis
ist (was ist heute schon gratis, ausser Schweiss und Tränen?), braucht es dafür
einen Kredit dafür. Beziehungsweise einen weiteren Kredit, weil, eine gewisse
Summe wurde schon für die ganze Planungsphase aufgebracht. Bei der Finanzierung
der Halle werden sich auch die dort ansässigen Clubs finanziell beteiligen,
aber wenn ich das richtig verstanden habe (ihr wisst, mein Zahlenhirn ist
ungefähr so ausgeprägt wie eine Erdnuss und fährt immer automatisch runter,
wenn ich zu viele Ziffern sehe), sind diese Beiträge noch nicht fix. Beim
Kredit, der heute gesprochen wird (oder wahrscheinlich gesprochen wird) geht es
um 600'000.
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Die FDP/JLL/L49
Fraktion (ernsthaft: Sucht euch eine kürzere Bezeichnung, ich breche mir da ja
noch die Finger ab), zeigt sich positiv, mahnt aber, wie dringend
Kostengenauigkeit und Transparenz bei der weiteren Entwicklung des Vorprojekts
Eishalle ist. Die SVP, in Gestalt von Youngster Jan Herzig, lobt auch das
Vorgehen, das Volk diesmal früher einzubinden, als es beispielsweise bei den
Kindergärten der Fall war (das Kindergarten – Trauma) und so zu verhindern,
dass man erst teuer projektiert, bevor ein Entscheid gefallen ist.
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Sandro Baumgartner
(SP) begrüsst ein «aufgemotztes» Stadion, mahnt aber, dass die
Investitionskosten dieses eisigen Traums hoch sein werden. Deshalb brauche es
klare Richtlinien, Baumgarner, Sparpotential müsse ausgeschöpft werden und es
muss unterschieden werden zwischen Nötigem und Wünschbaren. «Im Vordergrund
muss die Bevölkerung von Langenthal stehen», so Baumgartner. Und: «Schulen und
Hobbysportler:innen dürfen nicht an den Rand gedrängt werden.»
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Je länger wir vom Eis
reden, desto mehr schmerzt mein Steissbein, in Erinnerung, an all die
spektakulären Stürze, die ich auf dem Eis hingelegt habe. Meine Spezialität
hierbei sind «Der sterbende Schwan» und «der besoffene Pinguin.» Katharina Witt auf Wish bestellt.
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Eine gewisse
Bescheidenheit sei wichtig, streicht auch Daniel Huber (SVP) hervor und fügt
aber sogleich hinzu, dass dem auch Rechnung getragen wird, dadurch, dass man
zurück zum alten Standort geht (wir erinnern uns, ursprünglich war ein neuer
Eistempel im Hard geplant, das kam nach einigen Hin und Her aber nicht
zustande) und auch bei der Zuschauerzahl bäckt man deutlich kleinere Brötchen.
In dasselbe Horn bläst (oder sagt man stösst…egal, nennen wir es künstlerische
Freiheit) Fabian Fankhauser (GLP), der von einem realistischeren Projekt
spricht. Aber auch von seiner Seite wird gewarnt. Transparenz sei wichtig und
es sei gefährlich, an anderen Orten zugunsten des Stadions einzusparen, so
Fankhauser.
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Der Kredit wird
einstimmig (bei einer Enthaltung) bewilligt. Da steht einer neuen Eiszeit ja
nichts im Wege – halb erwarte ich ja, dass die Versammelten SCL-Funktionäre
aufstehen, rausstürmen und dabei «Let it go» schmettern. Machen sie leider
nicht. Warum teilt niemand meinen Sinn für Dramatik, ich kann so nicht arbeiten
«seufz».
Teil 2: Bäumige Autos
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Dann geht es um ein
städtisches Fahrzeug, das das Zeitliche gesegnet hat (RIP an dieser Stelle) und
jetzt ersetzt werden muss. Sandro Baumgartner (SP) freut sich erstmal darüber,
dass die Mitarbeitenden vom Werkhof jetzt wieder ein anständiges «Werkzeug»
haben (immerhin müssen sie nicht mit dem Rossgespann ausfahren, da sind wir ja
schon mal glücklich), Fabian Fankhauser (GLP) freut sich darüber, dass hiermit
der Beweis erbracht wird, dass E – Fahrzeuge zwar in der Anschaffung teurer,
dann aber eigentlich kostengünstiger sind, wie die Berechnung TCO (Total Cost
of Ownership, wie ich gelernt habe) und die SVP – Fraktion freut sich…nicht,
weil sie lieber Diesel hätten und dieses neumodische Zeug zu teuer finden.
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Nein, sie haben nicht
neumodisches Zeug gesagt. Sie machen sich einfach Sorgen, dass man zu viel Geld
ausgibt und man ja schliesslich Rücksicht auf die Finanzen von Langenthal muss
und man das gegenüber der steuerzahlenden Bevölkerung nicht vertreten könne –
letztere Aussage stammt von Robert Haas (SVP). Michael Schenk, ebenfalls SVP, ist
für ökologisches Handeln, meint aber, dass es gerade bei dieser Art vom
Fahrzeug keinen Sinn mache. Stattdessen könne man ja ein paar Bäume pflanzen,
schlägt er vor. Da wäre ich grundsätzlich auch dafür. Ich hätte gern ein paar
Bananenbäume.
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«Es wird nichts schön
gerechnet», stellt Michael Schär (FDP) klar, «und wenn ihr jetzt ein Diesel –
Fahrzeug anschafft, werdet ihr den Steuerzahlenden Mehrkosten aufbürden.» Zudem
setze sein Unternehmen seit Jahren auf Elektroautos und die seien sehr
gefordert und würden einwandfrei funktionieren. Er beruhigt auch die SVP –
Fraktion bezüglich Winterdienst. «Der Schnee wird geräumt», versichert er. Und
glücklicherweise haben wir – im Gegensatz zu Bern – ja keine Trams, die bei der
ersten Schneeflocke stecken bleiben.
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Die SVP stellt einen Rückweisungsantrag,
weil aber die anderen Parteien nicht mitziehen, wird der abgelehnt und wir
haben jetzt ein neues schickes Elektro – Fahrzeug. Hurra. Aber können wir noch
einmal über die Bananenbäume reden?
Teil 3: Die Rache des Mülls, Part 1
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Weil wir uns eh
gerade gönnen, investieren wir gleich noch in ein neues Feuerwehrfahrzeug, denn
das jetzige Einsatzleitfahrzeug ist in die Jahre gekommen und inzwischen 17
Jahre alt («17 Jahr, blondes Haar, so stehst du vor mir…») Wusstet ihr übrigens,
dass Dalmatiner früher als Feuerwehrhunde eingesetzt wurden? Diese
ausserordentlich schnellen Hunde begleiteten die Löschwagen (damals noch von
Pferde gezogen) und bellten den Weg frei, ausserdem hatten sie eine beruhigende
Wirkung auf die schnell scheuenden Pferde. Und nein, das hat absolut nichts mit
diesem Geschäft zu tun, aber ich möchte nicht mehr über Fahrzeuge reden,
sondern über kuschelige Hunde.
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Die Fraktion äussern
sich grundsätzlich positiv zu der Anschaffung. Die GLP bemängelt zwar, dass es
bei der Auslese der Fahrzeuge offenbar nicht wirklich Auswahl gegeben hat und
dass hier wieder auf Diesel gesetzt wird (also, quasi der umgekehrte Fall von
vorhin), streicht aber die bedeutungsvolle und wichtige Aufgabe der Feuerwehr
hervor. «Wichtig ist, dass sie gut ausgerüstet sind», fasst Murielle Schärer
ihr Votum zusammen. Den Lobeshymnen schliesst sich Sandro Baumgartner (SP) an,
der sogar von der «besten Feuerwehr» redet. Applaus für die Freiwillige
Feuerwehr! Ernsthaft, Respekt für alle, die das machen. Ich könnte ja nicht mal
den Schlauch heben. Aber wenn ihr euch ein paar Dalmatiner zulegt, melde ich
mich freiwillig als Hundeführerin (also, damit meine ich, dass ich sie
streicheln komme).
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Das Highlight des
Abends: Die Revision des Abfallreglements, der einzige Grund, wieso ich heute
überhaupt hergekommen sind, denn ich brauche meine monatlichen Reglemente, um
glücklich zu sein. Der Grund für diese Revision ist übrigens, dass diese
«Spezialfinanzierung» ins Minus gekippt ist, weshalb diese Gebühren jetzt
erhöht werden (kann eigentlich irgendwas nicht teurer werden? Irgendwas?).
Ausserdem passt man das Reglement so an, dass die Einführung von Gebührensäcken
möglich ist (statt den Gebührenmarken, weil, so der verantwortliche Gemeinderat,
es für die Mitarbeitenden der Müllentsorgung mühsam ist, diese angeklebten
Marken zu finden und sie offenbar auch öfters mal vergessen werden).
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Wollt ihr eine
lustige Müllgeschichte von mir hören? Ach, egal, ich erzähl sie euch sowieso,
das ist gerade nicht so spannend: Als ich frisch in meine eigene erste Wohnung
gezogen bin, hatte ich erschreckend wenig Ahnung von korrekter Entsorgung (ja,
ich bin die verwöhnte jüngste Prinzessin der Familie – ich gebe es ja zu) und
ich war unsicher, wie ich jetzt den Karton korrekt rausstelle. Mein Vater hat
mir dann gesagt, dass ich den einfach irgendwie ineinander stopfen und raus tun
kann, was ich dann auch getan habe. Ein paar Wochen später flatterte ein Flyer
in meinen Briefkasten, wo ich aufgefordert wurde, meinen Karton zukünftig zu
bündeln und ich hatte den Schock meines Lebens, weil ich dachte, die Stadt
hätte irgendwie meinen Karton getrackt und MIR PERSÖNLICH diesen Flyer
geschickt hatte, weil ich den Karton so scheisse rausgestellt habe. Ich habe
mich so geschämt, bis mir eine Freundin erklärt hat, dass alle Haushalte diesen
Flyer bekommen haben – und natürlich niemand meinen Karton zurückverfolgt hat
(ich schwöre, ich sah mich schon auf dem Polizeiposten).
Teil 4: Die Rache des Mülls, Part 2
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Im Grossen und Ganzen
wird das Abfallreglement vom Stadtrat positiv aufgenommen, es wird einfach noch
über Einzelheiten diskutiert, wie etwa die Definition von Siedlungsabfällen
(oder eben nicht Siedlungsabfällen) oder über die Streichung eines Artikels, der
die Grundgebühren für Kleinstunternehmen reduzieren will. Dieser Antrag kommt
aus den Reihen der SVP, die diese Regelung unnötig und administrativ zu aufwendig
finden, gerade für die Verwaltung, die diese Gesuche prüfen müsse. Dem
widerspricht Patrick Jordi (FDP), der als selbstständiger Journalist unter
diese Regelung fällt. «Gerade als Start – up muss man jeden Franken umdrehen
und eine solche Reduzierung hilft sehr, Kosten zu senken.»
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Er stehe immer noch
auf der Seite der SP, erklärt Dan Weber, aber eben auch auf der Seite der
Vernunft. Er wundert sich darüber, dass ausgerechnet die sonst so
gewerbefreundliche SVP einen solchen Antrag stellt und streicht auch noch mal
hervor, dass der Gemeinderat damit der Empfehlung des Preisüberwacher folgt.
«Lasst das Kleingewerbe in Langenthal nicht hängen», so sein Schlusswort.
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Robert Kummer (FDP) graut
dagegen vor diesem «Schildbürgerstreich» und vor dem Aufwand, den
beispielsweise das Führen einer Excel – Tabelle in der Verwaltung verursachen
würde (Pompeii ist ja bekanntlich auch untergegangen, weil sie einfach zu viele
Excel – Tabellen ausfüllen mussten und daher die Vulkansicherheit
vernachlässigt haben), was Murielle Schärer (GLP) zu dem Ausspruch bringt:
«Verwaltungsaufwand ist die falsche Argumentation.» Der Antrag wird abgelehnt,
der Artikel bleibt drin. Freude herrscht bei den Kleinstunternehmen.
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Ich möchte hier
festhalten, wie Stadtratspräsident Diego Clavadetscher (FDP) förmlich durch das
Reglement rast und dabei das Parlament, das sich ein solches Tempo offenbar
nicht gewöhnt ist, durcheinanderbringt, die zwischendurch nicht mehr wissen, ob
sie ihre Anträge jetzt zu Artikel 15, Artikel 15b oder Artikel 15c einbringen
oder doch lieber einfach mal kurz vortanzen sollen.
Teil 5: Mach’s gut und danke für
den Fisch.
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Die Stadträt: innen
haben dank einer überparteilichen Motion jetzt eine persönliche städtische
Mailadresse (kann man dann auch so lustige nehmen, wie zum Beispiel
«Einhornprinzessin1993» oder «Wednesdayandsalem4eva»?). Dabei wird noch ein
bisschen über die technischen Fragen diskutiert, aber grundsätzlich ist man der
Meinung, dass die Motion vom Gemeinderat umgesetzt wurde und deshalb
abgeschrieben werden kann. Dasselbe gilt auch für die Einführung von Smartvote,
die früher noch für Diskussionen gesorgt hat, jetzt aber ebenfalls
abgeschrieben wird und eingeführt wird.
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Die Stadtratssitzung
endet mit der Verabschiedung von Reto Müller, der von Gemeinderatskollege und
Vize – Stapi Michael Schär geehrt wird. «Deine Fähigkeit zuzuhören und zu
erklären, haben uns geprägt», so Schär, und ohnehin sage man ja, haben Lehrer
(Reto Müller war/ist Lehrer) einen Hang zur Politik, weil sie es gewöhnt sind,
Ordnung in einen unruhigen Haufen zu bringen. «Du warst nie ein Technokrat – du
warst immer Reto, mit dem man auch ungezwungen ein Bier trinken konnte.»
Michael Schär wendet sich aber auch an Reto Müllers Familie, die ihn «oft mit
der Stadt geteilt haben.» Er beendet seine emotionale Worte mit: «Wir verlieren
einen Stadtpräsidenten – wir gewinnen einen Regierungsrat.» (Wir können hier
aber schon mal festhalten, dass der Vizestapi auch sehr gute Reden halten kann.
Just saying).
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Reto Müller
verabschiedet sich auch noch selbst vom Rat, spricht über die lange Zeit, die
er im Stadtrat verbracht hat – als Stadtrat, als Gemeinderat und zuletzt als
Stapi. «Ein Privileg», wie Müller betont, «mitgestalten und mitdenken, immer
grösser als man selbst.» Er blickt aber auch auf schwierige Zeiten zurück. Auf
Corona, auf budgetlose Zeiten, auf Projekte, die gescheitert sind. Dabei bringt
er auch seine Gefühle zum Ausdruck, dass er manchmal schon den Eindruck hatte, dass
ein linker Stapi vielleicht doch nicht allzu viel Erfolg haben dürfe. Aber man
habe auch immer wieder zusammen Erfolg gehabt. «Ich habe immer versucht zu
erklären und zu kitten – als Vermittler zwischen den verschiedenen Stellen.» Wichtig
sei, auch nicht in einem Echo zu regieren, sondern gute Ideen zuzulassen und
dafür auch eigene Ideen zurückzustellen. «Langenthal braucht mehr Mut und
Entscheide von euch allen», so sein Appell, denn nichts altere schneller als
aufgeschobene Entscheidungen. «Eine Stadt ist kein Museum.» Er geht auch noch
auf Feedback aus der Bevölkerung ein, die ihm gesagt habe: «Der Stadtrat ist
kompliziert geworden.». Politisiert nicht am Volk vorbei, so seine letzte Bitte
ans Parlament und: «Bleibt nahbar.» Grossen Dank richtet er an seine Familie,
die ihn oft im Hintergrund getragen habe. Und sein einziger Wunsch: «Steht euch
nicht selbst im Weg – nicht der Partei zuliebe, nicht der nächsten Wahl
zuliebe. Langenthal ist grösser als jede:r von uns.»
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Und mit Standing
Ovation und einer Überlebenskiste aus dem Stadtrat endet die Ära Müller in
Langenthal.
(Okay, ausser es kommt noch ein Müller und bei dem Namen ist es nicht so
unwahrscheinlich, aber der Abschluss war zu gut).
Best of Stadtrat
«20 Minuten Monolog werde ich
jetzt halten». Ein leicht irrer lachender Sandro Baumgartner (SP) auf den Weg
zum Rednerpult. Vielleicht sollten wir im Saal öfters lüften
«Er hat vorhergesagt, dass dieses
Fahrzeug bis an sein Lebensende unterwegs ist – naja von dem gehen wir auch
aus, es ist einfach die Frage, wie lange das ist…» Der wortaffine Pascal
Dietrich (Liste49). Auch wir leben schliesslich, bis wir tot sind.
«Wir hoffen, dass auch das Beste
ausgewählt wurde – okay, gut, es war das einzige Angebot…» Aber das eine war
das das beste! Wieder Sandro Baumgartner
«Bäume pflanzen finde ich eine
gute Idee.» Daniel Huber (SVP) und die Entdeckung der Baumschule.
«Du chasch mer gern säge, wie
du’s wosch.»
«Also, i fänds schön, we mer bim Atrag würd rede.»
«Ja, de chum i denn.» Was für ein gesitteter und höflicher Austausch zwischen
den beiden Frakktionsgspännli Patrick Jordi (FDP) – der zu früh zum Rednerpult
geeilt ist – und Diego Clavadetscher, der ihn sehr sanft darauf hinweist, seine
Ordnung doch bitte nicht durcheinanderzubringen.»
«Patrick Dietrich.» Spontane
Fusion zweier Stadträte von Diego Clavadetscher.
«Das ist nicht abgesprochen mit
dem Gemeinderat, das hätte ich nicht sagen dürfen.» Michael Schär (FDP) in
seiner rebellischen Phase.
«Chüder cha au sehr emotional
si…» Wieder Michael Schär, Regisseur des Blockbuster «Die Leiden des jungen
Chüders.
«Wir haben Schinkengipfeli, die
kalt werden.» Diego Clavadetscher erklärt sein rassiges Tempo.
«Die Motion hatte mehr Bürgernähe
zum Ziel – nicht das digitale Wohlbefinden der Stadtratsmitglieder.» Dan Weber
(SP) mit einer kleinen Spitze in Richtung Bürgerliche.
«Lieber Apéro als ein Schlussumzug.»
Reto Müller (SP) und seine Prioritäten.