Montag, 31. März 2025

Das andere Stadtratsprotokoll - die Lalalala - Edition: Der (Fast) Liveticker zur Stadtratssitzung vom 31.03.2025


 Beipackzettel

·        Ich bin wieder da – und das kann nur eines bedeuten, es gibt wieder eine Stadtratssitzung zu verbloggen. Mit dem Frühling kommen die Pollen – und die Stadträt:innen und beide sorgen für tränende Augen und Hustenreiz. Spass. Natürlich nicht. Der Stadtrat bringt natürlich gute Laune, wenn die Augen tränen dann höchstens vor Lachen und gehustet wird nur am Rednerpult, wenn sich eine:r an seinem eigenen Redeschwall verschluckt.

·        Und ich muss noch was auflösen: Ich habe meinen Kuchen bekommen. Treue Leser:innen können sich vielleicht erinnern, dass ich ursprünglich mit dem damaligen Stadtrat und jetzigem Stadtratspräsidenten Fabian Fankhauser (GLP) um den Ausgang der Gemeinderatswahlen gewettet habe (seine Vermutung basierte auf Daten, meine auf Tarotkarten, wir lagen beide falsch, aber ich ein bisschen weniger), der damalige und jetzige Stapi dann reingegrätscht ist und uns beiden Kuchen am Wahltag versprochen hat. Den wir aber nicht bekommen haben, deshalb habe ich mich gezwungen gefühlt, den verehrten Stadtpräsidenten immer wieder GANZ subtil auf dieses Versäumnis und den ausstehenden Kuchen aufmerksam zu machen (falls ihr euch also gefragt habt, warum ich immer von Kuchen gefaselt habe: Das war der Grund). Jedenfalls haben der Stadtratspräsident und ich den Kuchen inzwischen vom Stadtpräsidenten bekommen. Will man etwas von Politiker:innen muss man ihnen einfach lange genug damit in den Ohren liegen.

·        Es gibt noch mehr Frohes zu erkunden: Wir haben eine neue Stadtratssekretärin! Barbara Labbé übernimmt diese Funktion im Mandat und ist gespannt darauf, wie es hier bei uns läuft. Herzlich willkommen, Frau Labé – hier läuft es anders. Es läuft nicht schlecht, aber anders. Wir sind nämlich besonders.

 

Teil 1: “Like a bridge over troubled water…”

·        Und es wäre keine Stadtratssitzung, wenn wir nicht gleich mit ein paar Juristereien beginnen würden und zwar geht es um eine Nachtraktandierung,  die es so eigentlich noch nie gegeben hat (jedenfalls nicht, seit ich dabei bin – und vorher war die Erde ja schliesslich wüst und leer). Das heisst eigentlich nur, dass das Stadtratsbüro ein neues Traktandum aufnehmen möchte, das aber nur mit der Zustimmung des Stadtrats tun kann, weil der Aktenversand ja nicht rechtzeitig erfolgen konnte.

·        Bei dem Traktandum handelt es sich ebenfalls um ein Novum, und zwar beantragt die GPK, eine Diskussion im Stadtrat über irgendwas, was sie in der GPK besprochen hat. Damit – so der Sprecher des Stadtratsbüros, Diego Clavadetscher (FDP), nicht enorm viel Zeit in ein Projekt investiert wird, dass vielleicht auf gar keine Zustimmung trifft. Soll es ja schon gegeben haben…

·        Nachdem dieses neue Traktandum brav abgeknickt wurde, kommen wir zu einem sehr appetitlichen Thema: Abwasser. Oder wie es im Fachjargon heisst: Schmutz – und Sauberwasserleitung (wow, das klingt wirklich gleich viel positiver). Eine sich im eher schlechten Zustand befindende Leitung muss saniert werden, weil die Stadt diese dringend benötigt, um neue Haushalte mit Wasser zu versorgen. Und eine andere Leitung ist leider gerade nicht verfügbar. Immer diese besetzten Leistungen.

·        Das Problem an dieser Leitung ist: Sie ist privat. Deshalb sah die GPK das Geschäft nicht ganz unkritisch, denn gehört diese Leitung jetzt der Stadt oder gehört sie ihr nicht. Die Eigentumsübertragung ist noch nicht erfolgt (bitte seid beeindruckt von meinen geschliffenen Formulierungen) und eine Leitung für sehr viel Geld sanieren, wenn sie einem nicht gehört, ist natürlich eher unsexy. Deshalb beantragt die GPK eine Ergänzung des Beschlusses. Genau wie die SVP, die quasi eine Ergänzung der Ergänzung fordert, nämlich dass das Eigentum offiziell übertragen werden muss, bevor Geldmittel gesprochen werden. Damit wir ganz sicher sind, dass die Besitzer:innen sich nicht doch plötzlich an die Leitung ketten und schreien: «Das ist unsere Leitung – Hände weg!!!»

·        Schon glaubte man, dass ungewohnte Einigkeit wie ein frischer Frühlingswind durch diese Stadtratshallen weht – doch da regt sich Widerstand in Person von Robert Kummer (FDP), der noch ein paar andere Punkte reinbringt: Nämlich, dass bis zum heutigen Tag die jetzigen Eigentümer:innen für den Unterhalt der Leitung zuständig gewesen wären, diese aber heute im schlechten Zustand und nicht zugänglich sind. Die Privateigentümer:innen hätten  diese Pflichten also folglich jahrelang vernachlässigt und es könne nicht sein, so Kummer, dass die öffentliche Hand ohne rechtliche Grundlage jetzt einfach so viel Geld spreche. Deshalb stellt er einen Rückweisungsantrag, zugunsten der städtischen Finanzen, wie er hinzufügt.  Badam!

 

·        Pascal Dietrich (parteilos) reagiert auf Robert Kummers Votum und führt, ähnlich wie seine grüne Kollegin Fanny Zürn ins Feld, dass die Privateigentümer:innen all die Jahre ihre Abwassergebührten entrichtet haben und zusätzlich die Anschlussgebühren stemmten. Dietrich regt sich eher darüber auf, dass man vom Kanton aus weitere teure bauliche Wasserschutzmassnahmen ergreifen muss, wegen einem «Rinnsal» wie er es ausdrückt. Aber man müsse eben in den sauren Apfel beissen. Und hoffen, dass er nicht vergiftet wird. (Schneewittchen lässt grüssen).

 

·        Gemeinderat Michael Schär (FDP) ergreift noch einmal das Wort. Wichtig, so Schär, sei ihm die Gleichbehandlung der Gebührenzahlenden. Und die Stadt habe eine Erschliessungspflicht, das heisst, sie können nicht einfach sagen: «Nö, sorry, wir haben gerade keine Leitung, hier habt ihr als Trost einen Lolli.» (Der letzte Satz stammt von mir. Ich versuche mich hier gerade selbst zu unterhalten). Und in den besagten Bauparzellen gibt es halt keine andere Leitung als eben die nicht mehr ganz so flotte im Privateigentum.

 

·        Robert Kummer macht noch einmal auf das Sparpotenzial aufmerksam – in dem Fall wäre es eben juristisch korrekt, die Kosten nicht zu übernehmen. «Schliesslich», so Robert Kummer, «wird sich in diesem Rat oft genug beklagt, dass wir aus rechtlicher Sicht keinen finanziellen Spielraum haben. Jetzt hätten wir ihn.» Aber man könne das Geld auch mit vollen Händen ausgeben, so Robert Kummers dramatisches Schlusswort. Wow. Wer hätte gedacht, dass man bei einem Abwasserthema dermassen Feuer fangen kann. Allerdings löscht Wasser bekanntlich Feuer – und so wird Kummers Rückweisungsantrag zurückgewiesen und die Finanzierung der Sanierung (das reimt sich! Schillers Geist ist in mich gefahren!)

 

 

Teil 2: Provisorische Provisorien

·        Verlassen wir den dunklen Untergrund der Stadt und wenden uns Themen im Tageslicht zu. Wobei das Thema wahrscheinlich nicht minder emotional wird wie das Abwasserzeug, denn es geht um Kindergärten *hier bitte gruseliges Geräusch denken* und in Langenthal gibt es kaum etwas, was für so viele Wutanfälle in der Politik sorgt wie Kindergärten, denn wir erinnern uns daran: Die geplanten Kindergärten – Neubauten und die damit einhergehende Zentralisierung, die vom Gemeinde – und Stadtrat gewünscht wurde, wurde vom Stimmvolk an der Urne brutal versenkt. Nur sind die Kinder halt eben immer noch da. Beziehungsweise es hat mehr Kinder gegeben (nicht von mir, ich bin schon lange zum Schluss gekommen, dass ich, um die Infrastruktur von Langenthal zu schonen, auf eine Fortpflanzung verzichte. Bin ich nicht eine Heldin? Okay, vielleicht liegt es an meinen nur kümmerlich vorhandenen Mutterinstinkten…) und die müssen ja jetzt irgendwo in den Kindergarten, weil wir können die ja nicht einfach im Wald aussetzen und darauf warten, dass sie anhand von Brotkrumen wieder nachhause finden. Deshalb muss man jetzt auf das neue Schuljahr hin Provisorien erreichten.

·        Pascal Dietrich, bekannt als wackerer Streiter für Quartier – Kindergärten, regt noch kurz an, dass man ja die Waldhofschule auch als Kindergarteninfrastruktur nutzen könnte, was Stadtpräsident Reto Müller (SP) zu der etwas spitzen Bemerkung verleitet, dass man dann ja wieder zentralisieren müsse, denn der Waldhofbau sei schliesslich riesig. Ansonsten zeigt sich der Stadtrat überraschend einig und stimmt den Provisorien zu. Huch. Das ging schnell. Dafür war ich jetzt gar nicht bereit. Will niemand mehr was sagen? Niemand??? Hallo?

 

Teil 3: Fragen über Fragen

·        Parlamentarische Fragestunde, yay! Ich glaube ja, dieses Traktandum wäre wesentlich lustiger, wenn wir es «Gemeinderat roasten» nennen würden, wobei der Stadtrat macht das ja ohne direkte Aufforderung schon oft genug.  Und ich habe SCHON wieder Hunger! Wieso habe ich immer Hunger hier? Ich habe extra vorher noch, was gegessen und alles was ich aktuell denken kann, ist: PIZZA, PIZZA, PIZZA!!!

·        Falls ihr euch übrigens fragt, wo das sogenannte Stadtmarketingkonzept bleibt, das so oft angekündigt worden ist: Das kommt nicht. Weil, wir machen schon sowieso viel und wichtig sei es, die Sachen auch mal umzusetzen, so Reto Müller auf die Frage von Saima Sägesser (SP) Was ist denn aus dem alten Credo «Wir - müssen - alles - manisch – aufschreiben - und - ins - kleinste Detail - planen, bevor - wir – irgendetwas -  machen – weil – sonst – geht - alles - den – Bach - runter» geworden? Wurde das gleich mit dem Stadtmarketingkonzept geschreddert, oder was?

·        Kann es sein, dass die Badi auch immer auseinanderfällt? Das Klettergerüst musste abgebaut werden, weil es nicht mehr den Sicherheitsstandard entsprach und ein Ersatz zu teuer war. Naja. Immerhin können die Kinder immer noch «nicht auf Lava» treten auf den Badipflastersteinen spielen (denn die fühlen sich bekanntlich tatsächlich wie Lava an).

·        Martin Lerch (SVP) freut sich, dass er gleich vier Fragen beantworten darf. Das nenne ich mal eine vorbildliche Einstellung, ich bin nämlich nicht ganz sicher, ob alle Gemeinderät:innen so euphorisch sind, wenn sie Fragen beantworten «dürfen». Er darf dann auch gleich Auskunft geben über die Revision des Ortspolizeireglement, die bis jetzt nicht erfolgt ist. Martin Lerch verspricht dem Fragesteller, dass er sich dem Annehmen wird, denn er sei nicht dafür bekannt Probleme aufzuschieben, sondern sie zu lösen. Oh, oh. An diesen Spruch werde ich Martin Lerch gerne in Zukunft erinnern (ich kann sehr penetrant sein. Ich sage nur: Kuchen)

 

 

Teil 4: Und zum Abschied leise Servus

 

 

·        Die GPK stand vor einer schwierigen Situation. Sie haben Barbara Labbé im Mandat angestellt, hatten aber nicht die Befugnis, das Geld für dieses Mandatverhältnis zu sprechen. Sie mussten das dem Gemeinderat beantragen, der jedoch auf der Grossratssessionen zweimal nicht getagt hat, worauf sich diese Entscheidung verschob. Deshalb hat sich auch die Kommunikation und der daran gebundene Aktenversand verzögert. Jetzt ist es aber so, dass in der Geschäftsordnung festgelegt ist, dass Stadtratssekretär:innen Angestellte der Stadt sein müssen – ein Mandat ist da schlichtweg nicht vorgesehen. Die GPK musste eigenständig agieren und sie wollten dem Rat die Möglichkeit geben sich zu äussern, ob er bereit ist die Geschäftsordnung zu ändern und ob nur dieser Punkt geändert werden soll oder aber gleich noch andere Artikel überprüft werden sollen (weil, schliesslich hatte der aktuelle Stadtrat noch nicht das Vergnügen ein Reglement zu revidieren, haha)

·        Der Stadtrat stimmt dem Vorgehen der GPK zu, gibt ihm also grünes Licht. Die Abstimmung ist aber nicht bindend, sondern dient eher als Thermometer. Darf ich ein bisschen enttäuscht sein? Ich dachte, da käme jetzt irgendeine riesige Sache und die GPK hätte sich irgendwie so richtig gefetzt und braucht jetzt den Stadtrat als Schlichter UND DANN GEHT ES WIEDER NUR UM EIN REGLEMENT? Ich bin hier für das Drama, Leute, nicht für trockene Politarbeit, denkt doch auch mal ein bisschen an mich.

 

 

·        Dann heisst es Abschied nehmen vom Urgestein Daniel Steiner (der Wortwitz war nicht beabsichtigt). Der langjährige Stadtschreiber nimmt seinen Hut und zieht sich in seinen wohlverdienten Ruhestand zurück. In seiner Abschiedsrede erinnert er sich an seinen ersten Tag, der offenbar darin bestand, dass er dem damaligen Gemeinderat dabei zuhören musste, wie sie sich gegenseitig alles Schlimme an den Kopf werden und auch die erste Stadtratssitzung war offenbar eine traumatische Erfahrung, denn sie dauerte bis 12 Uhr nachts (manche Dinge ändern sich nie) und als endlich zuhause im Bett lag, hat er sich überlegt, ob er am nächsten Morgen überhaupt noch hingehen soll. Trotz dieses turbulenten Starts unterstreicht er in seinen Abschiedsworten immer wieder, wie dankbar er für die Zeit auf der Stadtverwaltung ist. Er sei immer jemand gewesen, der mitgestalten und unterstützen wollte und habe in Langenthal die Stelle gefunden, die er immer hatte haben wollen, betont er. Und er drückt seinen Respekt für die Anwesenden aus. «Ohne Menschen ist ein politisches System – egal wie gut es ist - nur ein toter Buchstabe». Und: «Ich habe eine grosse Hochachtung vor euch Milizlern, denn ich wurde für meine Arbeit gezahlt – ihr nicht.» Seine Rolle habe er so verstanden, dass er für alle da ist. Nicht nur für die einen oder anderen. Sein Ziel, so Steiner, sei es zudem immer gewesen, dass die Politik sich politisch entfalten kann und sich nicht um Sachfragen kümmern muss. Nicht immer der einfachste sei er gewesen, er habe auch oft in der Kritik gestanden, schlussendlich, habe das Positive immer überwogen. «Ich habe viel dafür gemacht – aber ich habe auch viel dafür bekommen.» Und mit dieser spür – und sichtbaren Dankbarkeit verabschiedet sich das juristische Gewissen der Stadtverwaltung. Alles Gute! (Und falls das Gewissen wissen will, wie es ohne ihn im Stadtrat weitergeht, kann er ja das Lama lesen. Ich bin politisch nicht immer gleich neutral, dafür unterhaltsam. Manchmal.)

 

 

 

Best of

«Die GPK musste sich gleich zu Anfang der Legislatur in den Untergrund eingraben. « Pascal Dietrich (parteilos) und die Geheime Parteikommission der Kleinmaulwürfe.

«Obwohl es um Fäkalien geht, möchte ich hier Goethe zitieren: Ach, zwei Seelen wohnen in meiner Brust…» Goethe geht immer. Wieder Pascal Dietrich.

«Wir sehen, ob unser Finanzminister auskunftsfreudiger ist.» Stadtratspräsident Fabian Fankhauser (GLP) kündet Gemeinderat Patrick Freudiger (SVP) mit einem gewagten Wortwitz an.

«Das sind von Amtes wegen gute Beispiele, sonst wären sie nicht gesprochen worden. Ich hoffe, ich bin auskunftsfreudig genug gewesen.» Patrick Freudiger nimmt den Ball an.

«Wir haben fleissig gewerkelt und das Ergebnis dürfen wir heute begrüssen.» Also, ihr habt die neue Stadtratspräsidentin in der GPK aber nicht irgendwie selbst zusammengeschraubt oder gebacken oder, Corinna Grossenbacher (SVP)?

«In der Politik wird relativ viel Zeit verbraten.» Ökologisch kochen mit Diego Clavadetscher (FDP)

Und zum Schluss noch:

 

Best of Stadtschreiber:

 

«Am 1. Juni 1991 – also, ich nehme jetzt nicht jeden einzelnen Tag durch, keine Angst.»

«Ich wollte euch nicht mit juristischen Fachsimpeln kommen, da hattet ihr, glaube ich, jetzt genug Workout.»

«In der Traube – das ist ein Restaurant, für die, die das nicht kennen. Das war quasi unser Wohnsitz.»

Das andere Stadtratsprotokoll - die Lalalala - Edition: Der (Fast) Liveticker zur Stadtratssitzung vom 31.03.2025

  Beipackzettel ·         Ich bin wieder da – und das kann nur eines bedeuten, es gibt wieder eine Stadtratssitzung zu verbloggen. Mit d...