Montag, 11. Mai 2026

Best of Reto

Weil’s die letzte Stadtratssitzung für ihn war (und er fast zehn Jahre unser Stapi war und damit eine erheblich längere Amtszeit hinter sich hat als manche englische Premierminister:innen, deutsche Kanzler:innen und österreichische Bundeskanzler:innen), habe ich mir mal meine alten Stadtratsprotokolle durchgesehen (und bin dabei hin und her geschwankt zwischen Begeisterung über meinen tollen Humor und leichtem Entsetzen, was ich manchmal für Quatsch geschrieben habe) und ein Best of Reto zusammengestellt. Tschüss Reto – deine Voten werden fehlen.

Weil’s die letzte Stadtratssitzung für ihn war (und er fast zehn Jahre unser Stapi war und damit eine erheblich längere Amtszeit hinter sich hat als manche englische Premierminister:innen, deutsche Kanzler:innen und österreichische Bundeskanzler:innen), habe ich mir mal meine alten Stadtratsprotokolle durchgesehen (und bin dabei hin und her geschwankt zwischen Begeisterung über meinen tollen Humor und leichtem Entsetzen, was ich manchmal für Quatsch geschrieben habe) und ein Best of Reto zusammengestellt. Tschüss Reto – deine Voten werden fehlen.

„Wenn es heißt, die auf der Verwaltung haben eine lange Leitung, dann stimmt das.“ Stadtpräsident  Reto Müller übt sich in Wortspielerein in Bezug auf die nötige Erneuerung der Kabel im Verwaltungsgebäude. Aber hey, offenbar haben sie noch Strom – noch ein paar Sparrunden und es gibt nur selbstgezogene Kerzen.

„Der Stadtrat hat beschlissen---äh beschlossen…“ Reto Müller (SP) mit einem Versprecher. Gut hat er nicht „verschissen“ oder „geschlissen“ gesagt…
Müllersche Versprecher – wir werden sie vermissen.  

„Ihr könnt dann nicht mit dem Einkaufswagen durch die Stadtverwaltung marschieren und euch einfach eine passende Juristin oder einen passenden Juristen aussuchen!“ Reto Müller mit einem bissigen Sprachbild zum Thema Stellenbesetzung des Sekretariats.
Jurist:innen Tinder.

„Also, wenn ich wählen kann zwischen Arbeit und erbrechendem Kind betreuen…“ Stapi-Papi Reto Müller. Die Steigerungsform wäre wahrscheinlich erbrechendes Kind auf Arbeit betreuen.
Kita – Mitarbeiter:innen lachen an dieser Stelle wahrscheinlich hysterisch.

„Also, Reto Müller könnte theoretisch Stapi bleiben, bis er 107 Jahre alt ist!“ Pascal Dietrich (FDP) befürchtet, dass Stadtpräsidenten/innen ihre Amtszeit etwas sehr ausdehnen, wenn kein Pensionsalter festgelegt wird. 
„Keine Angst, ich hör vorher auf.“ Schildkröte Reto Müller bleibt selbstverständlich nur bis zu seinem 104. Lebensjahr Stapi. Der ist gut gealtert, würde ich sagen.

„Wir sagen nicht kategorisch ja, aber auch nicht kategorisch nein.“ Politikerdeutsch mit Reto Müller. Und da wussten wir alle, dieser Mann ist für den Regierungsrat bestimmt.

„Das ist keine Salamitaktik, schliesslich bin ich Vegetarier!“ Naja, Rüebli kann man auch in Scheiben schneiden, Reto Müller.
Und nein, es ging da nicht um die legendären veganen Sandwiches.

„Alte Mühlen mahlen langsam.“ Oder eben gar nicht. Reto Müller (SP) zur Situation der Alten Mühle.
Manche Probleme – oder Mühlsteine - lässt er vielleicht auch ganz gerne hinter sich.

«Keine Angst, es wird keine Tiktokvideos aus dem Stadtrat geben.» Reto Müller macht viel für das Marketing der Stadt…aber eben nicht alles. 
Der ist vielleicht nicht ganz so gut gealtert….

«Wir werden uns bemühen, unsere Geschäfte in Zukunft gewohnt emotionslos und sachbezogen vorzulegen.» Mr. Spock alias Stapi Reto Müller (SP).
Au Reto, 5 Minute später: «Die Turnhalle isch jetzt eifach am Ranze.» Charmant ausgedrückt. Noch einmal Reto Müller.

«Unser Stadtzentrum ist ein Open – Air Einkaufszentrum…» Stapi Reto Müller (SP) übernimmt das Stadtmarketing gleich selbst.
Wer sagt denn heute noch «i ga is Dorf» heute sagen wir doch alle: «I ga is Open – Air Einkaufszentrum.

«…habe ich die Redezeit übersprungen? Ach, wobei, die gibt es hier ja auch nicht» Stapi Reto Müller (SP) fürchtet schon, dass ihm das Mikrofon abgedreht wird, erinnert sich dann aber rechtzeitig, dass wir in Langenthal nicht ganz so rigoros sind wie im Großrat.
Rede Stapi, rede, würde die Jugend jetzt sagen. Aber leider nicht mehr im Stadtrat. Mach’s gut in der grossen weiten Welt. 


Das andere Stadtratsprotokoll: Der (Fast) Liveticker zur Stadtratssitzung vom 11.05.2026 - Die Reto Edition

 

Vorwort

 

·        Juhu, da bin ich wieder! Ich hoffe, ihr habt mich gebührend vermisst. Naja, genau genommen war ich nie so richtig weg – und im Geiste bin ich ja sowieso immer im Stadtrat zugegen (ich bin quasi das Schreckgespenst), aber das andere Stadtratsprotokoll ist wieder da, nachdem ich zweimal einfach ausgelassen habe (mal schauen, ob ich es noch kann, so schnell schreiben bin ich mir nicht mehr gewöhnt). Zur Feier des Tages habe ich mich unterwegs fast überfahren lassen (ABER ICH HATTE VORTRITT!!!), aber jetzt bin ich da, schwitzend, aber motiviert. Let’s go!

·        Und heute ist eine besondere Stadtratssitzung (also, sowieso immer, wenn ich dabei bin, haha), aber es ist auch die allerletzte Stadtratssitzung mit Stapi Reto Müller (SP), der in höhere Gefilde aufsteigt und Regierungsrat wird. Tschüss Reto, wir werden dich vermissen. Und du uns auch. Du willst es nur nicht zugeben, aber was ist schon kantonale Politik gegen die Tragödien und Komödien, die wir hier in der Lokalpolitik bieten? Der Kanton Bern ist «GZSZ» Niveau, wir dagegen sind «Krieg und Frieden».

 

Teil 1: Eisige Eiszeit

·        Und wir schlittern (oder je nach Eiskunstkünsten gleiten wir vielleicht auch), direkt ins erste Traktandum und wie meine elegante und sprachlich gewandte Einleitung bereits verrät, geht es um die Eishalle (das hatten wir zugegebenermassen schon lange nicht mehr). Die Eishalle in Schoren ist ja – nun ja – vielleicht nicht mehr so ganz taufrisch und muss saniert und erweitert werden. Und weil das nicht gratis ist (was ist heute schon gratis, ausser Schweiss und Tränen?), braucht es dafür einen Kredit dafür. Beziehungsweise einen weiteren Kredit, weil, eine gewisse Summe wurde schon für die ganze Planungsphase aufgebracht. Bei der Finanzierung der Halle werden sich auch die dort ansässigen Clubs finanziell beteiligen, aber wenn ich das richtig verstanden habe (ihr wisst, mein Zahlenhirn ist ungefähr so ausgeprägt wie eine Erdnuss und fährt immer automatisch runter, wenn ich zu viele Ziffern sehe), sind diese Beiträge noch nicht fix. Beim Kredit, der heute gesprochen wird (oder wahrscheinlich gesprochen wird) geht es um 600'000.

·        Die FDP/JLL/L49 Fraktion (ernsthaft: Sucht euch eine kürzere Bezeichnung, ich breche mir da ja noch die Finger ab), zeigt sich positiv, mahnt aber, wie dringend Kostengenauigkeit und Transparenz bei der weiteren Entwicklung des Vorprojekts Eishalle ist. Die SVP, in Gestalt von Youngster Jan Herzig, lobt auch das Vorgehen, das Volk diesmal früher einzubinden, als es beispielsweise bei den Kindergärten der Fall war (das Kindergarten – Trauma) und so zu verhindern, dass man erst teuer projektiert, bevor ein Entscheid gefallen ist.

·        Sandro Baumgartner (SP) begrüsst ein «aufgemotztes» Stadion, mahnt aber, dass die Investitionskosten dieses eisigen Traums hoch sein werden. Deshalb brauche es klare Richtlinien, Baumgarner, Sparpotential müsse ausgeschöpft werden und es muss unterschieden werden zwischen Nötigem und Wünschbaren. «Im Vordergrund muss die Bevölkerung von Langenthal stehen», so Baumgartner. Und: «Schulen und Hobbysportler:innen dürfen nicht an den Rand gedrängt werden.»

·        Je länger wir vom Eis reden, desto mehr schmerzt mein Steissbein, in Erinnerung, an all die spektakulären Stürze, die ich auf dem Eis hingelegt habe. Meine Spezialität hierbei sind «Der sterbende Schwan» und «der besoffene Pinguin.»  Katharina Witt auf Wish bestellt.

·        Eine gewisse Bescheidenheit sei wichtig, streicht auch Daniel Huber (SVP) hervor und fügt aber sogleich hinzu, dass dem auch Rechnung getragen wird, dadurch, dass man zurück zum alten Standort geht (wir erinnern uns, ursprünglich war ein neuer Eistempel im Hard geplant, das kam nach einigen Hin und Her aber nicht zustande) und auch bei der Zuschauerzahl bäckt man deutlich kleinere Brötchen. In dasselbe Horn bläst (oder sagt man stösst…egal, nennen wir es künstlerische Freiheit) Fabian Fankhauser (GLP), der von einem realistischeren Projekt spricht. Aber auch von seiner Seite wird gewarnt. Transparenz sei wichtig und es sei gefährlich, an anderen Orten zugunsten des Stadions einzusparen, so Fankhauser.

·        Der Kredit wird einstimmig (bei einer Enthaltung) bewilligt. Da steht einer neuen Eiszeit ja nichts im Wege – halb erwarte ich ja, dass die Versammelten SCL-Funktionäre aufstehen, rausstürmen und dabei «Let it go» schmettern. Machen sie leider nicht. Warum teilt niemand meinen Sinn für Dramatik, ich kann so nicht arbeiten «seufz».

 

 

Teil 2: Bäumige Autos

 

·        Dann geht es um ein städtisches Fahrzeug, das das Zeitliche gesegnet hat (RIP an dieser Stelle) und jetzt ersetzt werden muss. Sandro Baumgartner (SP) freut sich erstmal darüber, dass die Mitarbeitenden vom Werkhof jetzt wieder ein anständiges «Werkzeug» haben (immerhin müssen sie nicht mit dem Rossgespann ausfahren, da sind wir ja schon mal glücklich), Fabian Fankhauser (GLP) freut sich darüber, dass hiermit der Beweis erbracht wird, dass E – Fahrzeuge zwar in der Anschaffung teurer, dann aber eigentlich kostengünstiger sind, wie die Berechnung TCO (Total Cost of Ownership, wie ich gelernt habe) und die SVP – Fraktion freut sich…nicht, weil sie lieber Diesel hätten und dieses neumodische Zeug zu teuer finden.

·        Nein, sie haben nicht neumodisches Zeug gesagt. Sie machen sich einfach Sorgen, dass man zu viel Geld ausgibt und man ja schliesslich Rücksicht auf die Finanzen von Langenthal muss und man das gegenüber der steuerzahlenden Bevölkerung nicht vertreten könne – letztere Aussage stammt von Robert Haas (SVP). Michael Schenk, ebenfalls SVP, ist für ökologisches Handeln, meint aber, dass es gerade bei dieser Art vom Fahrzeug keinen Sinn mache. Stattdessen könne man ja ein paar Bäume pflanzen, schlägt er vor. Da wäre ich grundsätzlich auch dafür. Ich hätte gern ein paar Bananenbäume.

·        «Es wird nichts schön gerechnet», stellt Michael Schär (FDP) klar, «und wenn ihr jetzt ein Diesel – Fahrzeug anschafft, werdet ihr den Steuerzahlenden Mehrkosten aufbürden.» Zudem setze sein Unternehmen seit Jahren auf Elektroautos und die seien sehr gefordert und würden einwandfrei funktionieren. Er beruhigt auch die SVP – Fraktion bezüglich Winterdienst. «Der Schnee wird geräumt», versichert er. Und glücklicherweise haben wir – im Gegensatz zu Bern – ja keine Trams, die bei der ersten Schneeflocke stecken bleiben.

·        Die SVP stellt einen Rückweisungsantrag, weil aber die anderen Parteien nicht mitziehen, wird der abgelehnt und wir haben jetzt ein neues schickes Elektro – Fahrzeug. Hurra. Aber können wir noch einmal über die Bananenbäume reden?

 

Teil 3: Die Rache des Mülls, Part 1

 

·        Weil wir uns eh gerade gönnen, investieren wir gleich noch in ein neues Feuerwehrfahrzeug, denn das jetzige Einsatzleitfahrzeug ist in die Jahre gekommen und inzwischen 17 Jahre alt («17 Jahr, blondes Haar, so stehst du vor mir…») Wusstet ihr übrigens, dass Dalmatiner früher als Feuerwehrhunde eingesetzt wurden? Diese ausserordentlich schnellen Hunde begleiteten die Löschwagen (damals noch von Pferde gezogen) und bellten den Weg frei, ausserdem hatten sie eine beruhigende Wirkung auf die schnell scheuenden Pferde. Und nein, das hat absolut nichts mit diesem Geschäft zu tun, aber ich möchte nicht mehr über Fahrzeuge reden, sondern über kuschelige Hunde.

·        Die Fraktion äussern sich grundsätzlich positiv zu der Anschaffung. Die GLP bemängelt zwar, dass es bei der Auslese der Fahrzeuge offenbar nicht wirklich Auswahl gegeben hat und dass hier wieder auf Diesel gesetzt wird (also, quasi der umgekehrte Fall von vorhin), streicht aber die bedeutungsvolle und wichtige Aufgabe der Feuerwehr hervor. «Wichtig ist, dass sie gut ausgerüstet sind», fasst Murielle Schärer ihr Votum zusammen. Den Lobeshymnen schliesst sich Sandro Baumgartner (SP) an, der sogar von der «besten Feuerwehr» redet. Applaus für die Freiwillige Feuerwehr! Ernsthaft, Respekt für alle, die das machen. Ich könnte ja nicht mal den Schlauch heben. Aber wenn ihr euch ein paar Dalmatiner zulegt, melde ich mich freiwillig als Hundeführerin (also, damit meine ich, dass ich sie streicheln komme).

·        Das Highlight des Abends: Die Revision des Abfallreglements, der einzige Grund, wieso ich heute überhaupt hergekommen sind, denn ich brauche meine monatlichen Reglemente, um glücklich zu sein. Der Grund für diese Revision ist übrigens, dass diese «Spezialfinanzierung» ins Minus gekippt ist, weshalb diese Gebühren jetzt erhöht werden (kann eigentlich irgendwas nicht teurer werden? Irgendwas?). Ausserdem passt man das Reglement so an, dass die Einführung von Gebührensäcken möglich ist (statt den Gebührenmarken, weil, so der verantwortliche Gemeinderat, es für die Mitarbeitenden der Müllentsorgung mühsam ist, diese angeklebten Marken zu finden und sie offenbar auch öfters mal vergessen werden).

·        Wollt ihr eine lustige Müllgeschichte von mir hören? Ach, egal, ich erzähl sie euch sowieso, das ist gerade nicht so spannend: Als ich frisch in meine eigene erste Wohnung gezogen bin, hatte ich erschreckend wenig Ahnung von korrekter Entsorgung (ja, ich bin die verwöhnte jüngste Prinzessin der Familie – ich gebe es ja zu) und ich war unsicher, wie ich jetzt den Karton korrekt rausstelle. Mein Vater hat mir dann gesagt, dass ich den einfach irgendwie ineinander stopfen und raus tun kann, was ich dann auch getan habe. Ein paar Wochen später flatterte ein Flyer in meinen Briefkasten, wo ich aufgefordert wurde, meinen Karton zukünftig zu bündeln und ich hatte den Schock meines Lebens, weil ich dachte, die Stadt hätte irgendwie meinen Karton getrackt und MIR PERSÖNLICH diesen Flyer geschickt hatte, weil ich den Karton so scheisse rausgestellt habe. Ich habe mich so geschämt, bis mir eine Freundin erklärt hat, dass alle Haushalte diesen Flyer bekommen haben – und natürlich niemand meinen Karton zurückverfolgt hat (ich schwöre, ich sah mich schon auf dem Polizeiposten).

 

Teil 4: Die Rache des Mülls, Part 2

·        Im Grossen und Ganzen wird das Abfallreglement vom Stadtrat positiv aufgenommen, es wird einfach noch über Einzelheiten diskutiert, wie etwa die Definition von Siedlungsabfällen (oder eben nicht Siedlungsabfällen) oder über die Streichung eines Artikels, der die Grundgebühren für Kleinstunternehmen reduzieren will. Dieser Antrag kommt aus den Reihen der SVP, die diese Regelung unnötig und administrativ zu aufwendig finden, gerade für die Verwaltung, die diese Gesuche prüfen müsse. Dem widerspricht Patrick Jordi (FDP), der als selbstständiger Journalist unter diese Regelung fällt. «Gerade als Start – up muss man jeden Franken umdrehen und eine solche Reduzierung hilft sehr, Kosten zu senken.»

·        Er stehe immer noch auf der Seite der SP, erklärt Dan Weber, aber eben auch auf der Seite der Vernunft. Er wundert sich darüber, dass ausgerechnet die sonst so gewerbefreundliche SVP einen solchen Antrag stellt und streicht auch noch mal hervor, dass der Gemeinderat damit der Empfehlung des Preisüberwacher folgt. «Lasst das Kleingewerbe in Langenthal nicht hängen», so sein Schlusswort.

·        Robert Kummer (FDP) graut dagegen vor diesem «Schildbürgerstreich» und vor dem Aufwand, den beispielsweise das Führen einer Excel – Tabelle in der Verwaltung verursachen würde (Pompeii ist ja bekanntlich auch untergegangen, weil sie einfach zu viele Excel – Tabellen ausfüllen mussten und daher die Vulkansicherheit vernachlässigt haben), was Murielle Schärer (GLP) zu dem Ausspruch bringt: «Verwaltungsaufwand ist die falsche Argumentation.» Der Antrag wird abgelehnt, der Artikel bleibt drin. Freude herrscht bei den Kleinstunternehmen.

·        Ich möchte hier festhalten, wie Stadtratspräsident Diego Clavadetscher (FDP) förmlich durch das Reglement rast und dabei das Parlament, das sich ein solches Tempo offenbar nicht gewöhnt ist, durcheinanderbringt, die zwischendurch nicht mehr wissen, ob sie ihre Anträge jetzt zu Artikel 15, Artikel 15b oder Artikel 15c einbringen oder doch lieber einfach mal kurz vortanzen sollen.


Teil 5: Mach’s gut und danke für den Fisch.

·        Die Stadträt: innen haben dank einer überparteilichen Motion jetzt eine persönliche städtische Mailadresse (kann man dann auch so lustige nehmen, wie zum Beispiel «Einhornprinzessin1993» oder «Wednesdayandsalem4eva»?). Dabei wird noch ein bisschen über die technischen Fragen diskutiert, aber grundsätzlich ist man der Meinung, dass die Motion vom Gemeinderat umgesetzt wurde und deshalb abgeschrieben werden kann. Dasselbe gilt auch für die Einführung von Smartvote, die früher noch für Diskussionen gesorgt hat, jetzt aber ebenfalls abgeschrieben wird und eingeführt wird.

·        Die Stadtratssitzung endet mit der Verabschiedung von Reto Müller, der von Gemeinderatskollege und Vize – Stapi Michael Schär geehrt wird. «Deine Fähigkeit zuzuhören und zu erklären, haben uns geprägt», so Schär, und ohnehin sage man ja, haben Lehrer (Reto Müller war/ist Lehrer) einen Hang zur Politik, weil sie es gewöhnt sind, Ordnung in einen unruhigen Haufen zu bringen. «Du warst nie ein Technokrat – du warst immer Reto, mit dem man auch ungezwungen ein Bier trinken konnte.» Michael Schär wendet sich aber auch an Reto Müllers Familie, die ihn «oft mit der Stadt geteilt haben.» Er beendet seine emotionale Worte mit: «Wir verlieren einen Stadtpräsidenten – wir gewinnen einen Regierungsrat.» (Wir können hier aber schon mal festhalten, dass der Vizestapi auch sehr gute Reden halten kann. Just saying).

·        Reto Müller verabschiedet sich auch noch selbst vom Rat, spricht über die lange Zeit, die er im Stadtrat verbracht hat – als Stadtrat, als Gemeinderat und zuletzt als Stapi. «Ein Privileg», wie Müller betont, «mitgestalten und mitdenken, immer grösser als man selbst.» Er blickt aber auch auf schwierige Zeiten zurück. Auf Corona, auf budgetlose Zeiten, auf Projekte, die gescheitert sind. Dabei bringt er auch seine Gefühle zum Ausdruck, dass er manchmal schon den Eindruck hatte, dass ein linker Stapi vielleicht doch nicht allzu viel Erfolg haben dürfe. Aber man habe auch immer wieder zusammen Erfolg gehabt. «Ich habe immer versucht zu erklären und zu kitten – als Vermittler zwischen den verschiedenen Stellen.» Wichtig sei, auch nicht in einem Echo zu regieren, sondern gute Ideen zuzulassen und dafür auch eigene Ideen zurückzustellen. «Langenthal braucht mehr Mut und Entscheide von euch allen», so sein Appell, denn nichts altere schneller als aufgeschobene Entscheidungen. «Eine Stadt ist kein Museum.» Er geht auch noch auf Feedback aus der Bevölkerung ein, die ihm gesagt habe: «Der Stadtrat ist kompliziert geworden.». Politisiert nicht am Volk vorbei, so seine letzte Bitte ans Parlament und: «Bleibt nahbar.» Grossen Dank richtet er an seine Familie, die ihn oft im Hintergrund getragen habe. Und sein einziger Wunsch: «Steht euch nicht selbst im Weg – nicht der Partei zuliebe, nicht der nächsten Wahl zuliebe. Langenthal ist grösser als jede:r von uns.»

·        Und mit Standing Ovation und einer Überlebenskiste aus dem Stadtrat endet die Ära Müller in Langenthal.
(Okay, ausser es kommt noch ein Müller und bei dem Namen ist es nicht so unwahrscheinlich, aber der Abschluss war zu gut).

 

 

 

Best of Stadtrat

 

«20 Minuten Monolog werde ich jetzt halten». Ein leicht irrer lachender Sandro Baumgartner (SP) auf den Weg zum Rednerpult. Vielleicht sollten wir im Saal öfters lüften

«Er hat vorhergesagt, dass dieses Fahrzeug bis an sein Lebensende unterwegs ist – naja von dem gehen wir auch aus, es ist einfach die Frage, wie lange das ist…» Der wortaffine Pascal Dietrich (Liste49). Auch wir leben schliesslich, bis wir tot sind.

«Wir hoffen, dass auch das Beste ausgewählt wurde – okay, gut, es war das einzige Angebot…» Aber das eine war das das beste! Wieder Sandro Baumgartner

«Bäume pflanzen finde ich eine gute Idee.» Daniel Huber (SVP) und die Entdeckung der Baumschule.

«Du chasch mer gern säge, wie du’s wosch.»
«Also, i fänds schön, we mer bim Atrag würd rede.»
«Ja, de chum i denn.» Was für ein gesitteter und höflicher Austausch zwischen den beiden Frakktionsgspännli Patrick Jordi (FDP) – der zu früh zum Rednerpult geeilt ist – und Diego Clavadetscher, der ihn sehr sanft darauf hinweist, seine Ordnung doch bitte nicht durcheinanderzubringen.»

«Patrick Dietrich.» Spontane Fusion zweier Stadträte von Diego Clavadetscher.

«Das ist nicht abgesprochen mit dem Gemeinderat, das hätte ich nicht sagen dürfen.» Michael Schär (FDP) in seiner rebellischen Phase.

«Chüder cha au sehr emotional si…» Wieder Michael Schär, Regisseur des Blockbuster «Die Leiden des jungen Chüders.

«Wir haben Schinkengipfeli, die kalt werden.» Diego Clavadetscher erklärt sein rassiges Tempo.

«Die Motion hatte mehr Bürgernähe zum Ziel – nicht das digitale Wohlbefinden der Stadtratsmitglieder.» Dan Weber (SP) mit einer kleinen Spitze in Richtung Bürgerliche.

«Lieber Apéro als ein Schlussumzug.» Reto Müller (SP) und seine Prioritäten.

 


Sonntag, 8. März 2026

Schön genug

 

Mit 15 Jahren beschied mir ein mir wildfremder Junge, ich sei so hässlich, dass er sich bei meinem Anblick übergeben müsse.

Mit 17 Jahren erklärte mir ein Lehrer, dass ich von meinem Mitschüler:innen sicher weniger gemobbt werden würde, wenn ich mich nur etwas extrovertierter kleiden würde.

Mit 18 Jahren saß ich mit zwei Freundinnen im Unterricht und ich hörte, wie sich drei Mitschüler darüber unterhielten, mit welcher von uns dreien sie schlafen würden, wenn sie es denn unbedingt müssten.

Alle drei Situationen haben etwas gemeinsam: Jungs und Männer nahmen sich nicht nur das Recht heraus ungefragt meinen Körper und mein Aussehen zu beurteilen, als wären sie Juroren bei einem Schönheitswettbewerb, sie rechtfertigen damit auch ihr schlechtes Verhalten mir gegenüber. Sie gingen auch ganz selbstverständlich davon aus, dass ich mit ihnen schlafen würden, wenn sie sich dazu herablassen würden, es mir anzubieten. Es war verletzend und demütigend und jahrelang hatte ich aufgrund solcher Angriffe und Gemeinheiten das Gefühl, es auf eine absurde Art und Weise verdient zu haben, wenn Menschen mich quälten und ausschlossen. Weil ich in dem versagte, was für Mädchen und Frauen so unabdinglich zu sein scheint: Schön zu sein.

Wenn ich an die fünfzehnjährige Dési denke, dann sehe ich ein Kind vor mir. Ein Kind, das weite T – Shirts und Shorts trug, mit BHs nichts anfangen konnte, nicht verstand, warum es jetzt plötzlich die Beine oder die Achseln rasieren sollte, sich nicht schminkte und auch keinerlei Interesse am anderen – und auch nicht am gleichen – Geschlecht entwickelte. Klar sagte ich manchmal, dass ich in diesen oder in jenen Jungen verliebt war, aber nur, weil man das halt so machte, nicht weil ich es ernsthaft fühlte. Ich war ein Mädchen, während sich meine Mitschülerinnen bereits zu Frauen entwickelten.

Diese Mitschülerinnen beneidete ich damals glühend um ihre Schönheit, ihren eleganten Kleidungsstil und ihre Anmut, die sie selbstbewusst zur Schau trugen, denn ich sah nur ihre Beliebtheit und die Leichtigkeit mit denen sie durchs Leben zu gehen schienen. Wenn ich heute zurückdenke,  erinnere ich mich daran, dass auch ihr Äußeres oft gegen sie verwendet wurde. Dass die Lehrer sich oft über die jungen Frauen lustig machten, wenn die akademische Leistung ungenügend war und Sprüche abließen, von wegen, vielleicht müssten sie halt weniger Zeit mit Schminken verbringen und mehr lernen. Oder dass sie oft abfällig als Tussen bezeichnet wurden. Ich erinnere mich daran, dass unsere Mitschüler sich offen darüber unterhielten, welche von ihnen sie jetzt gerne knallen würden und wie sie sie als Schlampen bezeichneten, wenn das Oberteil ihrer Meinung nach dann doch zu knapp war, und ich frage mich, wie oft diese jungen Frauen wohl in Lehrerbüros saßen, sich über die sexuelle Belästigung beklagten und zu hören bekamen: „Ach, also, wenn Sie sich halt so kleiden…“

Die Selbstverständlichkeit mit denen Männer unsere Körper kommentieren, definieren und werten, wie sich bereits sehr junge Männer dazu berufen fühlen sehr junge Mädchen zu sexualisieren und sie zu entmenschlichen, als hätten sie keine Mütter oder Schwestern oder Cousinen, ist erschreckend und wie sehr unser Äußeres noch immer benutzt wird, um uns kleinzuhalten, macht mich wütend.

Am heutigen Weltfrauentag wünsche ich mir eine Welt, in der Mädchen selbst entscheiden können, ob und wann sie sich Beine und Achseln rasieren möchten und sich nicht durch abfällige Bemerkungen dazu gezwungen fühlen und in der sie nicht brutal vom Kindsein zum Frausein gezerrt werden. Eine Welt, in der Mädchen von Jungs als Freundinnen und Kameradinnen und Verbündete respektiert und geachtet und nicht zum Sexobjekt degradiert werden. Eine Welt, in der Mädchen sich schminken und bauchfreie Tops anziehen können, ohne zu fürchten, als Schlampe zu gelten. Eine Welt, in der Mädchen sich selbst lieben lernen und ihre Weiblichkeit und Schönheit in ihrem eigenen Tempo entfalten und entdecken können. Eine Welt, in der Mädchen ihr Spiegelbild zu mögen und zu akzeptieren lernen und es nicht zu einem zu korrigierenden und  optimierenden Feindbild.

Ich wünsche mir eine Welt, in der Frauen nach der Geburt ihrer Kinder gefragt werden, wie es ihnen geht und nicht, wie schnell sie jetzt wieder abnehmen. Ich wünsche mir eine Welt, in der Frauen ihre Meinung kundtun und sich politisch äußern können und anecken können, ohne dass sie als hässlich beschimpft werden oder aber ihnen ihre Expertise abgesprochen wird, weil sie Lippenstift aufgelegt haben. Ich wünsche mir eine Welt, in der Frauen ihre Haare kurz schneiden können, ohne dass sie danach Kommentare bekommen, wie hart sie das doch mache und sich nicht überlegen müssen, ob der Rock jetzt zu kurz oder das Oberteil zu tief ausgeschnitten ist. Ich wünsche mir eine Welt, in der blutjunge Frauen sich nicht dazu bedrängt fühlen, sich bereits die Lippen aufzuspritzen oder die Nase zu verkleinern, weil ihnen eingeredet wurde, sie seien sonst nicht schön genug. Ich wünsche mir eine Welt, in der Frauen nicht ungefragt Kommentare zu ihrem Aussehen über sich ergehen lassen und sich dann noch sagen lassen müssen, dass man ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfe.

Ich wünsche mir eine Welt, in der wir Frauen unsere eigene Schönheit sehen dürfen .

Wir sind keine Leinwand, die von Männern bemalt, benutzt und bewertet wird.

Wir sind unser eigenes Kunstwerk, das wir selbst gestalten.

Und wir gehören nur uns selbst.

Montag, 15. Dezember 2025

Das andere Stadtratsprotokoll - der (Fast) Liveticker zur Stadtratssitzung vom 15.12.2025: Die Zuckerstangen - Edition

 

Prolog: It’s beginning to look a lot like Christmas….

 

Von draus, von weit, von Olten kommt ich her – ich muss euch sagen, es stadtratet sehr. Überall auf den Tannenspitzen, sah ich goldene Gemeinderät:innen (hier sehr schnell sprechen) sitzen. Und droben aus dem Himmelstor, sah mit grossen Augen der Reto hervor…oder so. Call me Theodor Storm. Hallo und herzlich willkommen zur letzten Stadtratssitzung von 2025 und damit auch zum letzten Stadtratsprotokoll dieses Jahres. Greift euch Lebkuchen, Mailänderli, Christstollen und verleibt ihn euch ein, während ich euch berichte, was in dieser hochheiligen Nacht, der Stadtrat im Himmel für Freude euch macht.

 

Bald schon ist Weihnachten und bestimmt sind alle Beteiligten dieser Familienfeier Zusammenkunft des Stadtrats bereits beseelt vom heiligen Geist der Weihnacht erfüllt und liebevoll und mitfühlend miteinander und grosszügig und alles das, was das Wunder von Weihnachten uns gelehrt hat (und ja, ich muss selbst ein bisschen würgen, wenn ich diese Zeilen lese, aber ich schreibe noch an einem Weihnachtsroman und bin am Üben).

 

 

Teil 1: Kling, Stadtrat, klingelingeling

Es folgen einige Wahlen, denn durch den Rücktritt von Roland Loser (SP), der ja in den erlauchten Kreis des Gemeinderats aufgenommen wird (gibt es eigentlich eine feierliche Übergabe? Ich stelle mir da so einen Hermelinmantel vor, der um die Schultern gelegt wird und der Stapi schlägt ihn dann mit dem Schwert zum Gemeinderat – ohne ihn dabei dem Kopf abzusäbeln versteht sich, ich stelle es mir schwierig vor ohne Kopf zu regieren), müssen einige Kommissionssitze neu vergeben werden.

Außerdem gibt es einen neuen Chefhirten für die Stadtratsschäfchen, und zwar in Person von Diego Clavadetscher (FDP) und eine neue Vizechefhirtin, in Person von Corinna Grossenbacher (SVP), sowie neue Schafzähler:innen Gerhard Käser (SP) und Nicole Baumann – Zumstein (GLP). Viel Erfolg und Glück. Joy to the world!

 

Trotz Weihnachtsstimmung darf das harte politische Geschäft natürlich nicht vernachlässigt werden (auch die Geburt Jesus ist nicht wichtiger, als der Stadtrat von Langenthal), es geht aber trotzdem um ein stimmungsvolles Thema, nämlich um die Audioprotokollierung. Der Stadtrat testet aktuell eine Software, die die Stadtratssitzung aufnimmt – Idee wäre es, dass die Leute zukünftig nicht nur das schriftliche Protokoll (oder meines) lesen könnten, sondern die Sitzung und die einzelnen Redebeiträge anhören könnten (auf der kantonalen Ebene kann man das schon). Jetzt geht es darum, ob man dieses Projekt weiterverfolgen soll oder es wie ein alter Tannenbaum zum Fenster rausgeschmissen wird.

 

SP, GLP und SVP zeigen sich grundsätzlich offen gegenüber dieser Modernisierung, wobei SP – Fraktionssprecher Sandro Baumgartner mahnt, dass er schon erwarte, dass mit ihren Stimmen sorgfältig umgegangen werde, eine Sorge, die auch Pascal Dietrich (Liste 49) teilt, der zudem den Fortschrittlichkeit dieses Tools bezweifelt und zu bedenken gibt, dass es für den Protokollführer nicht nur eine Erleichterung sei: Dadurch, dass die Sitzungen auf Schweizerdeutsch geführt werden, kommt die ÜbersetzungsKI an ihre Grenzen und der Protokollführer muss alles zusätzlich übersetzen. Trotz dieser Einwände, überwiegen für die Stadträt:innen größtenteils die Vorteile und entscheiden, dass das Projekt weitergeführt wird.

 

Ich wäre ja für einen Livestream. Dann könnte ich gemütlich zuhause in meinem Himmelbett (das ich nicht habe) sitzen, gekleidet in meinen seidenen Morgenmantel (den ich auch nicht habe), in der einen Hand ein Glas Sekt (das ich auch nicht habe – also das Glas schon, den Sekt nicht) und in der anderen einen Kübel Eis (den ich tatsächlich immer habe – Eis ist mein Leben. Und Lebkuchen natürlich). Und dann könnte ich mir das alles in Ruhe reinziehen und immer und immer wieder meine Lieblingsstellen zurückspulen. Das wäre ein echter Mehrwert für mich. Äh, ich meine für Langenthal, natürlich.

 

 

Teil 2: Es fasnachtet sehr

 

Und dann kommen wir zu DEM Traktandum, das dazu geführt hat, dass ich heute die Zuschauerränge mit gefühlt der halben Fasnachtsgesellschaft teilen darf (wobei es nicht ganz so krass ist, wie wenn die Lehrer:innen aufmarschieren – dann erinnert es fast an eine Besetzung), nämlich zum Leistungsverstrag mit der LFG. Dabei geht es vor allem darum, dass etwas schriftlich reglementiert und festgehalten wird, was schon jahrelang angewendet wird. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass die Fasnacht aufgrund eines abgelehnten Stadtbudgets (ach, was, das passiert doch nie *hust*) nicht stattfinden kann (Schnee und Viren können leider nicht vertraglich verhindert werden).

Dass die Fasnacht für Langenthal eine große Bedeutung hat, stellt niemand in Frage. Besonders hervorgestrichen wird das von Patrick Jordi (FDP), seines Zeichens leidenschaftlicher Guggenmusiker und, wie er selbst in seinem Statement offenbart, in seinem Anwärterjahr für die LFG. Diskutiert wird allerdings, dass dieser Leistungsvertrag unbegrenzt sein soll – Leistungsverträge werden normalerweise zeitlich begrenzt und dann wieder neu verhandelt.

Sandro Baumgartner und Saima Sägesser (SP) formulieren die Kritik ihrer Fraktion. Es sei eine Ungleichbehandlung der anderen Kulturhäuser, so Sandro Baumgartner und nennt konkret das Stadttheater und das Chrämerhuus, die ebenfalls eine große Ausstrahlung über die Stadtgrenzen ausübten und einen Mehrwert erbringen würden. Und er nimmt auch Bezug auf einen ominösen Newsletter, der von der LFG verschickt wurde und in dem ein – naja, nennen wir es, latent aggressiver Ton mitschwang und in dem geschrieben wurde, dass die rund 2000 Fasnächtler:innen ja dann die  Stadträt:innen auch nicht mehr auf ihre Wahlzettel schreiben würden. Augenzwinkernd erklärt Baumgartner, dass er sich ja freuen würde, wenn der anonyme Schreiberling 2‘000 Leute dazu bewegen könne, überhaupt wählen zu gehen – das sei nur gut für die Wahlbeteiligung. Saima Sägesser wiederum erklärt ihre ablehnende Haltung mit fehlenden Inhalten – so hätte sich die SP gewünscht, dass die LFG ihren Einfluss nutzt um sich deutlich gegen Diskriminierung ausspricht und auch heikle Themen wie sexuelle Gewalt oder kulturelle Aneignung aufgreift und Lösungen dafür bietet.

Trotz dieser Kritik kommt der Leistungsvertrag fast einstimmig durch und das ohne, dass jemand Konfetti werfen musste oder eine Gugge protestierend durch den Saal zog. Viel Aufregung um nichts. Lasst mich allen, die hier mitlesen, einen guten Rat in Sachen Stadtrat geben (nachdem ich wahrscheinlich über 40 von diesen Happenings besucht habe, würde ich mich schon als erfahren bezeichnen): Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht und nur weil sich Leute kritisch äußern oder Änderungsvorschläge haben, heißt das nicht zwingend, dass ein Geschäft abgelehnt wird – und es ist halt einfach auch der Job des Stadtrats kritisch zu sein und zu diskutieren. Also: Don’t panic!

In diesem sagenumwobenen Newsletter wurde auch noch geschrieben, dass die LFG mir im Zuschauerraum Gesellschaft leisten will. Dazu möchte ich sagen, dass ich natürlich gerne Gesellschaft habe (außer morgens – dann lasst ihr mich bitte in Ruhe. Und mittags sprecht ihr mich bitte auch nicht an. Ach ja, und abends bin ich auch eher unleidlich…hm, am besten redet ihr mit mir zwischen 23.30 und 23.45, dann habe ich mein persönliches Hoch), aber ich hätte sie halt gerne auch, wenn nicht gerade ein Traktandum auf dem Zettel steht, was euch bewegt. Weil, es ist immer schade, wie der Zuschauerraum sich dann sofort leert, sobald die eigene Herzenssache durchgekommen ist. Ein Umstand, der Pascal Dietrich zu ungeahnten dichterischen Höhen führt: „Tut der Stadtrat bei die deinem Geschäft bocken – musst du einfach hinten in den Zuschauerraum hocken!“ Nicht mehr lange und er nennt sich nicht mehr Dietrich – sondern Dichterich.

       

       Teil 3: Alle Jahre wieder…kommt das Stadttheater

 

Nach einigen Fristverlängerungen (und einem Traktandum, das ich komplett verpennt habe, weil ich Lebkuchen essen musste, sorry), geht es mal wieder ums Stadttheater. Und zwar um eine Motion der GLP/EVP Fraktion, die für das Stadttheater eine Spezialfinanzierung fordert – das würde bedeuten, dass das Stadttheater nicht mehr im städtischen Budget auftauchen würde. Motionärin Murielle Schärer betont dann auch, dass das Führen einer Kulturinstitution immer gewissen Schwankungen unterliege und durch diese Auslösung das Stadttheater sich eben nicht mehr für jeden Fünfer rechtfertigen müsse. Es entstehe auch Handlungsspielraum, so Schärer und trotzdem bestünde mit der Stadt im Rücken noch ein Sicherheitsnetz.

 

Franziska Zaugg – Streuli (FDP) sieht im Namen ihrer Fraktion in der Spezialfinanzierung nicht die Lösung der Probleme, während Saima Sägesser (SP) der Meinung ist, dass man den bereits eingeschlagenen Weg mit dem Stadttheater weiterführen will und nicht wieder etwas Neues anfangen will. Mit der „sympathischen“ Motion, so Corinna Grossenbacher (SVP), hätte sich auch die SVP lange beschäftigt, letztendlich würden sie aber auch der ablehnenden Haltung des Gemeinderats und des Amts für Kultur und Bildung folgen, weil sie befürchten, dass zu viele Ressourcen für die Ausarbeitung eines Reglements gebunden werden, dass dann doch wieder über den Haufen geworfen wird.

 

Motionärin Murielle Schärer (GLP) sieht die Argumente der Fraktionen, bittet aber um eine Sache. „Macht vorwärts und lasst es nicht wieder zehn Jahre dauern, bis etwas passiert!“, so Schärer. Also bitte! Wann hat denn in Langenthal jemals etwas lange gedauert? Wir sind total speditiv! Also, nachdem wir einen Bericht eingeholt und einen zweiten Bericht geschrieben haben und den ersten Bericht dann noch einmal durchgekaut haben und die Statistik dazu sorgfältig ausgearbeitet und eine dritte Meinung zu ebenjener Statistik eingeholt haben – aber dann sind wir blitzschnell.

 

Weiter diskutiert wird die Umbenennung von Haltestellen, die zum Teil noch veraltete Namen tragen, mit denen niemand mehr was anfangen kann. Wobei prompt wieder darum gestritten wird, mit welchem Namen sich die Leute jetzt besser identifizieren können. Ich wäre ja für Namen wie „Pupsender Regenbogen“, „schnurrende Katze“ oder „rülpsender Drache“, weil ich es mir sehr lustig vorstelle, wie diese angenehm mechanische Frauenstimme im Bus haucht: „Pupsender Regenbogen – Umsteigemöglichkeiten in alle Richtungen.“

 

Teil 4: Es ist ein Stadtratspräsident entsprungen…

 

Die GPK hat ihren jährlichen Verwaltungsbesuch hinter sich gebracht und Corinna Grossenbacher (SVP) hat nach eigener Aussage das „Vergnügen“ (wobei sie das in einem Ton sagt, als fände sie ein Bad mit Piranhas im Grunde erstrebenswerter) das Fazit dieses Besuchs präsentieren. Sie dankt der Verwaltung für ihre gute Arbeit, macht aber auch deutlich, dass es in Sachen Strukturen vielleicht noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt und auch noch einiges nach der Methode das haben wir schon immer so gemacht wird. Ja. Würde jetzt behaupten, dass ist in Langenthal generell die am meisten verbreitete Methode, haha.

 

Und dann heißt es Abschied nehmen: Martina Moser (SP) ist als Gemeinderätin zurückgetreten und hat heute ihr letzte Sitzung hinter sich gebracht. Und da werde ich doch glatt emotional: Martina war/ ist ein Mensch, der für mich bewiesen hat, dass man nicht laut sein muss, um in der Politik seine Spuren zu hinterlassen und sie war deshalb auch immer ein Vorbild. Danke, Martina! Du wirst fehlen.

 

Mut und Bereitschaft hat es gebraucht zum Wandel, so Martina Moser bei ihren Abschiedsworten. Sie kann                                                                                                            sich beruflich weiterentwickeln, das hat aber auch zur Folge, dass sie das Gemeinderatsamt nicht mehr ausüben kann. „Geben wir acht aufeinander“, so Martina Moser und bedankt sich auch bei allen Wählenden, die ihr ihr Vertrauen geschenkt haben, wie auch bei ihrem Gemeinderat  – und Stadtratskolleg:innen – aber auch bei ihrem „Büezer“, ihrem Amtsvorsteher Thomas Egger. Und sie wünscht allen, Kraft und Mut für Veränderungen, die anstehen, sowie ihrem Nachfolger Roland Loser alles Gute im neuen Amt.

 

Und es folgen noch weitere Abschiedsworte, diesmal vom Stadtratspräsidenten Fabian Fankhauser (GLP), der zwar noch im Stadtrat verbleibt, aber sein Jahr als höchster Langenthaler beendet. „Ich habe euch zwei Sachen versprochen: Dass ich euch nicht über den Unterschied zwischen Arbeit und Energie belehre und dass ich die Sitzungen speditiv leite. Ich würde behaupten, das habe ich erreicht, jedenfalls habe ich mir da selbst ein erfüllt gegeben“, so Fankhauser, der trotz weniger Traktanden und einer abgesagten Sitzung ein ereignisreiches Jahr hinter sich hat, weil sehr viel im Hintergrund umstrukturiert wurde und die Abläufe in Langenthal durchleuchtet werden. Fankhauser nutzt seinen Moment auch für einen „Appell“ an die rechtsextremistischen Gruppierungen, die immer wieder Kleber mit widerlichen Inhalten anbringen. Sie sollen doch einfach wegbleiben, rät Fankhauser und die Stadt in Ruhe lassen. Aber er nimmt auch die Stadträt:innen von links bis rechts in die Pflicht sich gegen Extremismus zu stellen. Und letztendlich: „Wir alle sitzen freiwillig hier und wir alle wollen das Beste für die Stadt – vergesst das nicht und sucht über die Parteigrenzen nach Lösungen. Und: nicht jeder Veränderungsvorschlag ist auch eine Kritik.“

 

Pointiert, engagiert und mit Humor – so fasst Diego Clavadetscher (FDP)  Fabian Fankhausers Charakter und seine Reden zusammen, ein Kämpfer für seine Überzeugungen. „Danke für dein Vorbild in Sachen Stadtrat und Meinungsbildung…und in Demokratie.“ Der sichtlich gerührte Fankhauser beendet damit ein letztes Mal die Stadtratssitzung,

 

Und damit geht die Saison 2025 zu Ende – auch für mich. Vielen Dank fürs Mitlesen und Teilen und da sein – ich hoffe, ich habe euch trotz ernster Themen immer wieder erfolgreich zum Lachen gebracht und ihr konntet auch dann schmunzeln, wenn das Lama vielleicht auch mal schärfer oder zynisch oder ironisch war – ich meine es nicht so, ich bin nur ein ganz kleines bisschen böse. Wir sehen uns.

Montag, 13. Oktober 2025

Das andere Stadtratsprotokoll - die Nebeledition: Der (Fast) Liveticker zur Stadtratssitzung vom 13.10.2025

 

 

Einleitende Einleitung

 

Hallo und herzlich willkommen beim herbstlichen Stadtratsprotokoll – es ist Oktober und ich liebe alles daran. Endlich, endlich hat sich dieser aufdringliche Sommer verzogen und belästigt mich und meine zarte weisse Haut nicht weiter und endlich kann ich mich wieder in übergrosse Pullis werfen und den ganzen Tag unter einer Wolldecke lesen (okay, vielleicht mache ich das im Sommer auch – nur ohne die Wolldecke). Und endlich wieder Nebel! Ich weiss gar nicht, was alle immer gegen diesen Nebel haben, der ist doch hübsch! Dann sieht Langenthal nicht aus wie Langenthal, sondern ein bisschen wie Avalaon. Oder wie Mittelerde. Naja, nur ohne Elben (leider) und auch ohne Orks (zum Glück), aber zumindest ich bin ja innerlich schon ein Hobbit (mit Ausnahme von den Füssen, vielleicht).

Ich weiss ja nicht wieso, aber aus irgendeinem Grund haben sie a) viel weniger Zuschauer:innenplätze zur Verfügung gestellt (möglicherweise war der Anblick der vielen leeren Sitze auch einfach zu deprimierend, wer weiss) und b) haben sie die Zuschauerränge nach hinten gerückt, was schade ist, weil ich jetzt nicht mehr gegen die Stühle der FDP – Fraktion treten kann, wenn mir langweilig ist…(nein, Spass, sowas würde ich NIE tun, ich traue mich ja manchmal nicht einmal zu niesen im Stadtrat, weil ich Angst habe, sonst des Saals verwiesen zu werden…)

 

Teil 1: Stadträtliche Stadtratssachen

 

Erst einmal kommt ein Antrag vom Stadtratsbüro persönlich auf den Tisch – dabei geht es um eine Revision des Stadtratsreglements (das ist auch so ein Bumerang, der immer wieder zurückkommt und mir immer wieder gegen die Birne knallt, das letzte Mal als dieses Reglement erneuert wurde, ist erst sechs Jahre her), aber sie ist nötig geworden, weil der Stadtrat ja aktuell jemanden im Mandat als Stadtratssekretärin angestellt hat. Ein solches Arrangement ist im «alten» Reglement aber nicht vorgesehen, deshalb müsste sie ohnehin angepasst werden. Also, kann man ja gerade alles neu machen, ganz nach dem Motto: Warum nur eine Wand streichen, wenn wir auch gleich das ganze Haus abbrechen und neu bauen können?

Diego Clavadetscher (FDP) führt als Sprecher des Stadtratsbüros aus, dass sich eben dieses dafür entschieden hat, diese Aufgabe der Überarbeitung des Reglement einer stadträtlichen Kommission zuzuführen – dies sei am effizientesten. Dass das Büro dies selbst mache, habe insofern keinen Sinn, so Clavadetscher, weil sich das Büro ja jedes Jahr in der Zusammensetzung ändere.

Ungewöhnlich sei die Situation, so GPK-Sprecher Pascal Dietrich (Liste 49), weil das Büro selbst einen Antrag an den Stadtrat stellt, was es so offenbar noch nie vorgekommen ist und auch in der Geschäftsordnung des Stadtrats nicht vorgesehen ist. Die Argumente des Büros hätten die GPK aber überzeugt, so Dietrich, formal hätten sie keine Einwände. Sie stimmen auch mit dem Büro überein, dass das andere Vorgehen umständlich und wenig zielführend sei und schlussendlich «überspitzt formulistisch», wie Dietrich zusammenfasst. Stutzig sei die GPK aber geworden, dass die Mitglieder dieser Kommission gleich am selben Abend (also, heute) gewählt werden sollen (langsam pressiere) und dass die GPK bei diesem speziellen Geschäft auch Teile ihrer Aufgaben abgeben würde (also die vorberatende Funktion). Schlussendlich sei aber auch das vom Stadtratsbüro schlüssig erläutert worden, so dass die GPK hinter dem Vorgehen stehen kann.

Pascal Dietrich fügt seinem Votum dann noch hinzu, dass dieser Schritt sich nicht gegen die Exekutive richte, sondern schlussendlich dazu diene, dass der Stadtrat effizient arbeiten kann.  Ich nehme jetzt mal an, damit ist gemeint, dass besagte stadträtliche Kommission vom Stadtrat gewählt wird und nicht, wie es sonst bei solchen Kommissionen üblich ist, vom Gemeinderat eingesetzt wird (jedenfalls habe ich das so verstanden. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege). Und naja, nichts ist bekanntlich so empfindlich wie das politische Ego, das bei jedem tatsächlichen oder auch nur vermuteten Machtverlust ganz schnell zusammensacken kann.

Die Bürgerlichen stehen dem Antrag grösstenteils positiv gegenüber. Sandro Baumgartner (SP) schlägt im Namen der linken Ratsseite jedoch durchaus auch kritische Töne an. Er stösst sich insbesondere am Begriff Kontinuität, der von den Bürgerlichen öfters gebracht wird. Es gehe schliesslich um eine nichtständige Kommission, erinnert Baumgartner, die werde auch wieder aufgelöst, da könne man nicht von Kontinuität reden. Bei einer nichtständigen Kommission sei man auch dabei – nicht aber, wenn es darum gehe, ein neues ständiges Gremium zu bilden.

Die EVP/GLP Fraktion stellt den Antrag, diese nichtständige Kommission, um einen Sitz zu erweitern, um der GLP die Chance zu geben, mit zwei Personen vertreten zu sein. Murielle Schärer begründet das in ihrem Votum damit, dass sowohl sie (aufgrund ihres beruflichen Hintergrunds, sie ist stellvertretende Gemeindeschreiberin in Roggwil), als auch Fabian Fankhauser (der aktuell Stadtratspräsident ist und aufgrund der Ausarbeitung des Antrags tief in der Materie drinsteckt), für diesen Job sehr gut geeignet seien.

Die SP unterstützt diesen Antrag (die Partei mit dem Herz für Minderheiten), wobei Baumgartner schon mal klar macht, dass sie dann schon das Präsidium möchten («Der Chef sind wir»). Die Bürgerlichen jedoch beharren darauf, dass die Stärke der Parteien sich in der Anzahl Sitze widerspiegeln muss, wobei Corinna Grossenbacher (SVP) der GLP/EVP wohlwollend vorschlägt, es dürften ja schon mehrere von ihnen mitarbeiten, die hätten dann einfach kein Stimmrecht, ganz im Sinne von: Ihr bekommt das Kindermenü, aber dürft immerhin mit den Grossen am Tisch sitzen. Der Antrag wird dann auch abgelehnt. Wenn ich Königin wäre, hätten wir solche Machtrangeleien gar nicht – ich würde befehlen, ihr gehorcht, alle sind glücklich. Oder zumindest ich.

Die SP will einen Absatz streichen, der offen lässt, dass diese nichtständige Stadtratsgeschäftsordnungrevisionkommission (mein neues Lieblingswort – ich habe das jetzt erfunden und ich möchte, dass diese Kommission jetzt so genannt wird, weil ich das sage und ich bin schliesslich das Lama…) auch andere Aufgaben übernehmen könnte (ja, wie wäre es zum Beispiel wenn sich diese Kommission mit dem Thema beschäftigen würde, wie man dem Lama – also mir – den Aufenthalt im Stadtrat noch angenehmer gestalten könnte? Wie wäre es zum Beispiel mit einem Ventilator, nur für mich oder einen Pool, damit ich während der Sitzung ein bisschen planschen könnte?). Der Antrag wird ebenfalls bachab geschickt (also, können wir noch einmal über meinen Pool reden…?)

Die reden jetzt seit fast einer Stunde über diese Kommission. An dieser Geschäftsordnung des Stadtrats wurde noch keine Silbe umgeschrieben und sie geht mir jetzt schon auf die Nerven.

 

Beim nächsten Antrag wird erst einmal ausgiebig darüber gestritten, was jetzt da drinsteht oder eben nicht drinsteht (die Frage aller Fragen – steht er oder steht er nicht) und ich schwöre, ich glaube seit der Übersetzung der Bibel wurde nicht mehr so leidenschaftlich über einen Satz diskutiert. Ich würde jetzt lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich verstanden habe, um was es da geht, aber die Bibel habe ich auch immer nur teilweise verstanden und habe es trotzdem bis zur Firmung geschafft.

 

Im Grossen und Ganzen geht es wohl um das, was schon in der GPK debattiert wurde – dass die Vorlage, die diese Geschäftsordnungskommission betrifft, eben nicht von der GPK sondern von dieser nichtständigen Kommission vorberaten wird. Die SP will das streichen, die anderen nicht, weshalb Corinna Grossenbacher (SVP) der SP/GL Fraktion vorschlägt, den Antrag doch einfach zurückzuziehen. Wow, sie hat noch mehr Königinnenergie als ich, selten jemanden gehört der so zackig Vorschläge an andere Fraktionen unterbreitet.

 

Der Antrag wird abgelehnt und wir schreiten jetzt ENDLICH zur Wahl der Mitglieder dieser nichtständigen Kommission (hat ja nur 1 Stunde gedauert, haha). Gewählt werden schliesslich von der FDP Franziska Zaugg – Steuli und Diego Clavadetscher, von der SP/GL Fraktion Georg Cap und Linus Rothacher, von der SVP Corinna Grossenbacher und Michael Schenk und von der GLP Fraktion Fabian Fankhauser. Na dann, viel Spass in der nichtständigen Stadtratsgeschäftsordnungrevisionkommission – möget ihr Licht finden, an dunklen Orten, wenn alle anderen Lichtern ausgehen zu scheinen und mögen euch Schmetterlinge den Weg säumen und Fanfaren euch willkommen heissen, wo immer ihr auch hinkommt.


Teil 2: Theoretisches Theater

 

Nach ein paar beantragten Fristverlängerungen (die der Stadtrat sowieso gutheissen muss, weil was will er machen, wenn der Gemeinderat erklärt, er sei noch nicht fertig mit der Bearbeitung des Geschäfts? Ihn so lange einsperren, bis sie das Geschäft fertig gebacken haben, oder was?), kommen wir mal wieder zu einem Lieblingsthema dieses Stadtrats: Das Stadttheater. In einem Postulat wurde gefordert, dass geprüft wird, ob das Stadttheater ausgegliedert werden kann.

Alle Beteiligten sind sich darin einig, dass das Geschäft reichlich verworren ist (oder, um es in den Worten von Murielle Schärer auszudrücken: Da ist der Knoten drin). Die SP in Gestalt von Nathalie Scheibli macht beliebt, der neuen Theaterleitung erst einmal die Chance zu geben, ihre Arbeit zu wirken, während die GLP vorschlägt, nicht gleich nach der Schere zu greifen, sondern behutsam zu versuchen, den Knoten zu lösen, indem man das Stadttheater nicht mehr über das Budget der Stadt finanziert, sondern über eine Sonderfinanzierung. Die Bürgerlichen wiederum betonen, dass eine Ausgliederung noch immer nicht von Tisch sei, auch wenn Pascal Dietrich hervorhebt, dass die neue Leitung einen vielversprechenden Start hingelegt hat.

Was man schon mal festhalten kann, ist, dass diese Diskussion bedeutend weniger aufgeheizt war, als andere Debatten zu diesem Thema – eine Zeitlang hatte ich ja das Gefühl, dass das Wort Stadttheater schon alleine genügte, um den zweiten trojanischen Krieg im Stadtrat auszulösen, aber offenbar sind da alle jetzt wieder ein bisschen entspannter. Gab es etwa eine gemeinsame Yoga – Stunde? Zu der ich nicht eingeladen war?

 

Teil 3: Emotionale Motionen

 

Saima Sägesser (SP) hat in einem Vorstoss gefordert, die sogenannten mediterranen Nächte auszuweiten. Bis jetzt haben die Restaurants die Möglichkeit in Langenthal an zwölf warmen Nächten länger draussen zu bedienen. Der Vorstoss hätte ermöglichen sollen, diese Öffnungszeiten noch einmal auszudehnen, allerdings scheint die rechtliche Situation da dem Gemeinderat gar keinen Spielraum zu geben, weshalb Sägesser die Motion auch wieder zurückzieht, in ihrem Votum aber noch einmal ihrer Sorge um das Nachleben in Langenthal Ausdruck verleiht.

Die nächste Motion geht mal wieder um Schulen, aber für einmal geht es nicht um Schimmel oder undichte Dächer, sondern um die Installierung eines Alarmierungssystem, das offenbar bis jetzt an den Langenthalern Schulen immer noch lediglich im Läuten der Schulglocke besteht (die ja auch nicht immer sehr zuverlässig sind – ich schwöre, die Mathestunden waren immer viel länger als die Deutschstunden).

Die Fraktionen SP und GLP/EVP stehen hinter dieser Motion und betonen die Verantwortung der Parteien, während die SVP und FDP beliebt machen, die Motion in ein Postulat umzuwandeln. Nathalie Scheibli lehnt das vehement ab, denn schlussendlich gehe es im Gegensatz zum Stadttheater nicht einfach um eine Rechtslage, sondern im schlimmsten Fall um Leben oder Tod. «Ich will nicht verantworten, dass irgendeinmal mal etwas passiert.»

Der Grund für diese Diskussion ist die Haltung des Gemeinderats, der zwar die Notwendigkeit eines solchen Alarmsystems sieht, aber zu Bedenken gibt, dass dies erhebliche finanzielle Ausgaben nach sich ziehen würde, die erst in den Investitionsplan des Gemeinderats eingebettet werden müsse und erst eine ausgiebige Gesamtbetrachtung erfordert, die nicht innerhalb der eng gesteckten zwei Jahresfrist der Motion umgesetzt werden kann (ich hänge zu oft hier rum – meine Formulierungen werden immer umständlicher, bald fange ich an Paragrafen zu zitieren…)

Linus Rothacher (SP) gibt zu bedenken, dass die Sicherheitslage auch schon mal besser war und sich Vorfälle wie Amokläufe leider häufen. Nathalie Scheibli (SP) macht zudem deutlich, dass die Schulen seit Jahren auf Missstände in Sachen Alarmierungssystem aufmerksam machen und nichts geschehen sei. «Immer kommt irgendetwas das wichtiger ist – muss denn erst etwas passieren, bis man handelt?» Sie bittet ihre Ratskolleg:innen eindringlich, der Motion zuzustimmen, wenn es ihnen denn so wichtig sei, wie sie jetzt behaupten. Ähnliche Töne schlägt Cornelia Gerber – Schärer (SP) an. «Wie könnt ihr das mit euren Gewissen vereinbaren?», fragt sie rhetorisch.

«Ein Alarmierungssystem ist keine Spielerei, sondern eine technische Notwendigkeit», erklärt auch Dan Weber (SP), der selber an den Langenthaler Schulen unterrichtet. Natürlich hoffe man, dass das nie gebraucht werde, so Weber, aber es sei eben durchaus ein realistisches Szenario. Auch die Abwandlung in ein Postulat lehnt er energisch ab, denn dabei handle es sich lediglich um eine höfliche Bitte die Notwendigkeit zu prüfen…und wir würden ja schon wissen, dass es nötig ist.

Die Motionär:innen wandeln nicht und so kommt es zur Abstimmung, wobei die Motionär:innen obsiegen – ziemlich klar, ich hätte es aufgrund der heftigen Diskussion knapper erwartet, aber offenbar hat der der leidenschaftliche Appell gewirkt.

 

 

Teil 4: Traumhafte Turnhallen

 

 

In der nächsten Motion geht es um den Neubau der Dreifachturnhalle bzw. darum, dass der Gemeinderat Verhandlungen mit dem Kanton Bern aufnehmen soll. Ich würde nostalgisch werden, weil ich schon in dieser Turnhalle geturnt und mir die Arme an diesen wunderschönen schlecht verputzten Wänden aufgeschürft habe, aber ehrlich gesagt habe ich in dieser Turnhalle mit die schlimmsten Jugenderinnerungen gesammelt und würde sie mit Freuden selbst mithilfe eines Vorschlaghammers den Erdboden gleichmachen. Und da ich in die neue nie wieder einen Fuss reinsetzen muss, ist sie mir jetzt schon sympathischer als die letzte.

Weils immer nice ist, wenn im besten Fall jemand anders zahlt, wird die Motion wenig überraschend als erheblich erklärt – los Kanton, gib uns die Dreifachturnhalle! Mit einer goldenen Kuppel und silbernen Türen und Juwelen, die an den Wänden glitzern…oder einfach eine, in der alle Vereine Platz finden und sich frei entfalten können (ich habe nichts gegen Sport, wenn ich mich nicht daran beteiligen muss).

Zum Ausklang der Stadtratssitzung gibt es eine knackige Fragestunde, wo es unter anderem um Wildpinkler geht (lol, ich liebe dieses Wort – würde am liebsten gleich einen Krimi mit dem Titel «Der Wildpinkler» verfassen), um Fristen bezüglich verschiedener Bauten, Einladungen, die brieflich geschehen, statt per Mail (weil Brieftauben viel schnell sind, harhar), um verstreute Sitzgelegenheiten, um das Anlageportfolio der Stadt, das Kulturfördergesetz (scheint mehr als ein Gerücht zu sein) und um Parkplätze.

Und dann sind wir schon wieder am Ende – ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit und entschuldige mich dafür, dass es nicht ganz so live war wie sonst. Es lag nicht daran, dass ich zwischendurch eingeschlafen wäre – wie könnte es auch sein, bei diesen SPANNENDEN Themen – sondern, weil mein Internet abgekackt ist (vielleicht hat es mir aber auch jemand einfach abgeklemmt, weil er oder sie verhindern wollte, dass ich euch ganz ungeschönt aus dem Stadtrat berichte. Manipulation überall), aber ich hoffe, ich konnte euch trotzdem unterhalten. Einen wunderschönen Herbst mit möglichst wenig Wildpinklern wünsche ich euch. Wir lesen uns!

 

 

 

«Originell wäre höchstens, wenn wir unsere Reglement auch mal wieder umsetzen würden.» Badatusch. Diego Clavadetscher (FDP) ist heute ein bisschen sassy unterwegs.

«Da haben wir uns schon überlegt, ob man uns aufs Abstellgleis schieben will und wir zukünftig nur noch zum Apéro nehmen da sind.» Nene, das Apéro essen ist mein Part, das könnt ihr mir nicht wegnehmen! Pascal Dietrich (Liste 49)

«Chli weniger schribe, meh läbe» Kalendersprüche mit Sandro Baumgartner (SP)

«Du muesch antworte, i ha dir e Frag gstellt.»
«Ja, I warte bis er mer seit, dass i darf – Regle müess si.»
Denkwürdiger Dialog von Diego Clavadetscher und Sandro Baumgartner - Shake

«Jetzt tüe mer no schnell chli pragmatisch…» Wieder Diego Clavadetscher, der dem Stadtrat ganz neue Wege vorschlägt.

«Es scheint bei jeder Fristverlängerung jemand verloren zu gehen…» Aber mit Verlusten muss man eben rechnen. Fabian Fankhauser (GLP).

«Ich muss erstmal durchatmen – ich muss erst noch den Faden wieder finden.» Gerhard Käser (SP) für einmal als Handarbeitslehrer.

«Damit uns der Kanton da eine schöne Halle hinstellt.» Quasi als Ersatz für den Gebärsaal, den er uns entreisst. Jan Herzig (SVP).


Best of Reto

Weil’s die letzte Stadtratssitzung für ihn war (und er fast zehn Jahre unser Stapi war und damit eine erheblich längere Amtszeit hinter sich...