Donnerstag, 2. Juli 2026

Langenthals Next Topstapi


Die Vorgeschichte

Wer lesen kann ist klar im Vorteil, heisst es so schön und tja, was soll ich sagen: Ich kann es offenbar nicht, was als Buchhändlerin ein bisschen beschämend ist, aber eigentlich war es auch eher ein Zahlenproblem, und mit denen hatte ich ja schon immer noch mehr Probleme als mit Männern (und das will was heissen). Auf jeden Fall habe ich die Einladung zu dem von Avenir 49 ausgerichteten Stadtpräsidentenwahlpodium (dieses Wort würde bei Scrabble viele Punkte einbringen) falsch gelesen und meinen armen Herrn Vater schon um halb sechs in die Kunsthalle aufs Porzigelände geschleppt, wo wir uns darüber wunderten, dass niemand da war, ausser eine Bekannte, die anfing mit über Kunst zu reden und mich fragte, ob ich über die Ausstellung schreiben wollte, was mich komplett verwirrte, weil, ohne den beiden jetzt zu nahe treten zu wollen, ich würde jetzt weder Patrick Freudiger noch Roland Loser als Kunstwerke betiteln (aber wenn, wären es natürlich klassische Meisterwerke) und naja, am Ende stellte sich heraus: Wir waren eineinhalb Stunden zu früh dran. Als Entschuldigung für meinen Aussetzer, gabs dann Glace für meinen Vater und ich glaube, er fand den Deal gar nicht so schlecht.

Der Vorteil war jedenfalls: Wir waren früh genug dran, um uns gute Plätze zu sichern, weil als dann der richtige Zeitpunkt da war, füllte sich die Kunsthalle ziemlich schnell. Aber es geht ja auch um etwas Wichtiges, nicht wahr, es geht um die Zukunft unserer schönen Stadt, darum, wer uns zukünftig rumkommandieren…äh, ich meine, wer uns zukünftig huldvoll regieren darf, um die Krone von Langenthal. Wer wird nächster Stapi? Roland Loser, Kandidat der Rotstrümpfe (aka die SP) oder doch Patrick Freudiger, Kandidat der Blaulinge (aka die SVP und die FDP)?

Diese Frage stellte auch Sonja Hasler, die Moderatorin des Abends, wobei sie die beiden Namen ausrief, als wären wir tatsächlich bei einer Kunstauktion und verkündete, da ja so viele Leute da seien, könnten wir auch gleich wählen – eine Aussicht, die Kandidat Patrick Freudiger etwas nervös machte, während Roland Loser gelassen meinte, er sei sich Auftritte vor grossem Publikum gewöhnt, schliesslich er Tambourmajor der Gugge «Flötemadli» - und was ist schon so ein popliges Podium, wenn man letzte Fasnacht noch in schwarzen Ringelstrumpfhosen das anspruchsvolle Publikum im Bären unterhalten hat?

Prinzessin Rollifee und König Freudiger

Bevor es aber so richtig zur Sache ging und die Fäuste…äh, ich meine, die Worte flogen, stellte Hasler erst einmal ein paar spielerische Fragen etwa, ob sie, wenn sie es sich aussuchen könnten, lieber sympathischer oder intelligenter wären (Roland Loser wählte intelligenter, während Patrick Freudiger sich mit einem eleganten «manchmal ist es intelligenter sympathisch zu sein» aus der Affäre zog) oder, ob sie, wenn sie sich eine Hauptrolle aussuchen könnten diese lieber in Dirty Dancing oder James Bond spielen würden (Freudiger sieht sich eher als James Bond, Roland Loser wäre gerne Patrick Swayze – ich persönlich hätte ja gerne gesehen, wie die beiden Kandidaten die berühmte Hebefigur nachspielen. Ich sah es geistig schon vor mir, wie Roland Loser Patrick Freudiger in die Luft schwingt und dieser die Arme ausbreitet und «ich bin der König der Welt» ruft…wobei, das ist ein anderer Film) und über welche Talente sie verfügen, die ihnen im Stapi – Amt helfen könnten (Roland Loser erklärte, er könne gut Sprechpausen machen und die Leute damit verwirren, während Patrick Freudiger offenbar gut zeichnen kann und findet, dann könne er ja auch schönfärben, wenn was nicht so toll läuft).

Einen Hauch politischer war die Frage, was die beiden tun würden, wenn sie einen Tag in Langenthal alles bestimmen könnten. Patrick Freudiger erklärte sich feierlich zum Demokrat und versicherte, er würde die Verfassung sofort wieder in Kraft setzen und abdanken, aber seine Krone veräussern und von dem Erlös ein Stadion finanzieren (er könnte sie auch einfach mir geben, mir würde die sicher hervorragend stehen). Roland Loser dagegen wünschte sich keine Krone, sondern einen Feenstab, den er schwingen könnte, damit sich die Stimmung in Langenthal bessert – Prinzessin Rollifee sozusagen.

Nach dem munteren Einstieg wurde es schliesslich ernst und seriös (endlich – ihr wisst, wie sehr es mir widerstrebt zu lachen). Da der Abend von Avenir 49 organisiert wurde (Avenir 49 ist ein parteiübergreifender Verein, der unter anderem als Schnittstelle und Dialogförderer zwischen Politik und Wirtschaft) waren es auch deren Mitglieder (allesamt aus dem bürgerlichen Spektrum – die linken Mitglieder dieses parteiübergreifenden Bundes hatten wohl leider keine Zeit), die den Kandidaten Fragen zu den verschiedenen Handlungsfeldern stellte.

Werbendes Gewerbe

So brachte Michel Giesser das Thema Marktgasse auf. Wie viel Verkehrsberuhigung braucht es denn nun im Zentrum? Roland Loser zeigte sich hierbei von seiner grünen Seite, indem er sich klar für 20er und 30er Zonen aussprach. Der Transitverkehr soll aussen durch gelenkt werden, auch weil er bezweifelt, dass sich jemand spontan beim Durchfahren für den Kauf einer Brille beim Hunziker entscheidet, schon gar nicht, wenn er oder im rasanten Tempo durchfährt und die Werbereklamen gar nicht sehen kann. Zudem sorgte er sich um die zukünftige Verkehrszunahme. «Wir müssen mehr Leute aufs Velo bringen», so Loser, der selbst passionierter Velofahrer ist (ich würde ja jetzt schreiben, dass ich nicht mit dem Fahrrad durch die Marktgasse brettern will, weil mein Hintern schon bei der Vorstellung wehtut, aber um ehrlich zu sein, fahre ich einfach generell kein Velo – ich nehme das Einhorn. Oder den Hexenbesen). Patrick Freudiger will den Autoverkehr nicht abschaffen und möchte den Verkehr nicht gegeneinander ausspielen (als würden wir in Langenthal irgendwas gegeneinander ausspielen, also bitte…).

Auf Giessers Frage, mit welchen Massnahmen die Stadt dem Gewerbe in Langenthal helfen könnte, wusste Patrick Freudiger einiges zu sagen: Mehr Reklamebeschriftungen ermöglichen, weil diese in Langenthal sehr streng geregelt werde – hier gelte es, die richtige Balance zu finden zwischen Denkmalschutz und den Interessen der Gewerbler:innen. Als er zudem ansprach, dass es helfen würde, wenn nicht bei jedem Mieterwechsel eines Geschäfts, ein Baugesuch eingereicht werden müsse, bekam er sogar Szenenapplaus vom Publikum.

Beim Thema Gesundheitswesen in Langenthal (vertreten von Haslibrunnen Geschäftsführer Hansjörg Lüthi) verwiesen beide Kandidierenden darauf, dass der Handlungsspielraum der Stadt begrenzt sei, weil in diesem Bereich vieles kantonal oder national geregelt sei. Um die Alterszentren und das SRO für Arbeitnehmer:innen attraktiver zu machen (wir wissen, im Gesundheitsbereich fehlt Fachpersonal), schlägt Roland Loser die Schaffung von internen Kitaplätzen vor, während Patrick Freudiger den Punkt der engen Vernetzung hervorhebt. Anders als in grossen Städten sind in Langenthal die verschiedenen Akteure auf engem Raum zu finden und eine Zusammenarbeit deutlich leichter – von der Haslipraxis kann man beispielsweise problemlos rüber zum SRO für weitere Untersuchungen (und wenn gar nichts mehr hilft, ist der Friedhof ja gleich um die Ecke…okay, war der sehr böse? Zu böse? Entschuldigt, es ist spät.)

 

Warten auf Visionen. Oder Baugesuche.

Bis zu dem Zeitpunkt waren die beiden Kandidaten sich vielleicht nicht in allem einig, aber doch irgendwie harmonisch unterwegs, aber dann *dramatischer Trommelwirbel* kam Jon Baumann auf die Bühne und er brachte Feuer und Blut (ähm, entschuldigt, ich lese gerade die Buchvorlage zu «House oft the Dragons», evtl. beeinflusst mich das ein bisschen), ich meine, er brachte das neue/alte Kulturkonzept auf den Tisch, das ja in den letzten Tagen für einige Furore gesorgt hat, weil grosse Teile der Kulturkommission sich davon schneller distanziert haben, als wir uns voneinander während Corona. «Hat Langenthal denn so gar keine Vision für die Kultur?», so Baumann provokante Frage.

Roland Loser wusch seine Hände in Unschuld, indem er verlauten liess, bei der Erarbeitung des Konzepts sei er noch nicht im Gemeinderat gewesen und verwies auf die bürgerliche Mehrheiten. Es fehle bei den Bürgerlichen an Leuten, die bereit sind, sich für Kultur einzusetzen, konstatierte Loser, was bei Patrick Freudiger nicht so gut ankam. Es sei nicht sehr konstruktiv in das alte Links – Rechts – Schema zu verfallen, so Freudiger, und betonte, so ein Konzept sei keine Bestellliste, die es abzuarbeiten gilt und dann sei alles erledigt, vielmehr gelte es, als Stadt gute Bedingungen zu ermöglichen, damit Kultur florieren könne – etwa, indem man Spielraum in Sachen Lärmschutz ausreize.

Spielraum ausnutzen scheint ohnehin so eine Art Lieblingssport von Patrick Freudiger zu sein, denn das möchte er auch beim Thema «Das ewige Warten auf Baugesuche». Auf die Klagen von Christian Meier, man warte nirgendwo so lange auf die Bewilligung von Baugesuchen wie in Langenthal («doch, in Nordkorea, wandte Sonja Hasler an dieser Stelle ein), erwiderte Freudiger, man müsse sich in diesem Bereich auch erlauben Fehler zu machen und sich getrauen, Fachbehörden auch einmal zu widersprechen – das gehe aber nur, wenn man die Verwaltung gleichzeitig schütze, also als Chef auch hinstehe, wenn es schiefläuft. Und dafür sei er bereit (denn der Chef ist ja dann er). Roland Loser sieht Potential in der Digitalisierung, strich aber hervor, für ihn dürfe Qualität nicht auf Kosten von Tempo gehen.

Bauen würde man in Langenthal auch gerne ein Stadion – oder zumindest würde man gerne mal das Alte sanieren, vom Bauen redet man schon gar nicht mehr.  Marcel Born erkundigte sich bei den beiden Kandidierenden, wie sie denn zum Stadion stehen, was beide dazu veranlasste, auf die Knie zu fallen und zu versichern, dass ihre ewige Treue dem SCL und der Eishalle gilt und sie es mit ihrem Leben und Tod schützen würden…okay, nein, das ist natürlich nicht passiert (vielleicht sollte ich aufhören dieses Buch zu lesen). Aber Roland Loser outete sich zumindest als SCL Fan (er war auch Gründungsmitglied der damaligen Operation Eissport, die ja das Ziel hatte, eine neue Eishalle zu ermöglichen), schob aber hinterher, dass für ihn eine Sanierung nicht auf Kosten anderer gehen dürfe, der finanzielle Rahmen also eingehalten werden müsse. Patrick Freudiger sieht im jetzt anlaufenden Projekt (der Vorkredit wurde vor kurzem vom Stadtrat genehmigt) die letzte Chance, dass die Sanierung noch über die Bühne (bzw. über das Eis) zu bringen, zeigt sich aber optimistisch, dass das gelingt. Optimismus ist immer gut.

Saniertes Oberaargau

Und Optimismus braucht Langenthal auch, denn inzwischen ist hier einiges sanierungsbedürftig, nicht nur die Eishalle, sondern auch das Verhältnis zwischen Gemeinderat und Stadtrat und vor allem auch diverse Schulhäuser, die teilweise so aussehen, als stünden sie kurz vor einer Bewerbung für die Verfilmung des Lieds «Das alte Haus von Rocky Docky». Hier fanden sich die beiden Kandidierenden auch wieder in grosser Harmonie und Freundschaft (okay, das ist ein bisschen übertrieben, ich möchte aber nicht immer: da waren sie sich einig schreiben, das ist langweilig), denn beide sind der Meinung, dass da dringender Handlungsbedarf besteht. Für Patrick Freudiger ist die Schulinfrastruktur noch prioritärer zu behandeln als die Sportinfrastruktur, Roland Loser findet es gar beschämend, wie die Kindergärten aussehen.

Und so halb zerfallene Kindergärten sind ja auch ganz schlecht für die Standortattraktivität (bitte, bewundert meine Überleitung). Wie wir diese steigern können, wollte Silvia Jäger, Geschäftsführerin Region Oberaargau wissen, worauf Roland Loser antwortete, es brauche eben mehr als tiefe Steuern – eben zum Beispiel eine Bildungsinfrastruktur, die ihren Namen auch verdiene. Patrick Freudiger sieht das Potential eher in Arealentwicklungen – etwa der Alten Mühle. Das könnten Visitenkarten für die Stadt sein, so Freudiger, der allerdings auch einen angenehmen Nebeneffekt in der Tatsache sieht, dass der Oberaargau gerne mal vergessen geht: Die Immobilienpreise sind tiefer als anderswo. Es hat eben auch seine Vorteile, wenn niemand bei dir leben will.

«Was ich Sie noch fragen wollte…»

Nachdem die «grossen» Themen quasi abgearbeitet waren, folgte der Schwank ins Publikum und ganz untypischerweise folgten relativ viele Fragen (wir kennen doch alle diesen leicht peinlichen Moment, wenn ein Vortrag zu Ende ist und die Moderation tapfer die Fragerunde eröffnet und alles was man hört ist das Zirpen von Grillen, weil alle gedanklich schon auf dem Nachhauseweg oder beim Apéro sind und dann muss irgendjemand pflichtschuldig eine total banale Frage stellen, damit man die Runde irgendwie auflösen kann).

So schlug jemand den beiden Jobsharing vor, was beide ziemlich hastig ausschlossen (wobei Roland Loser scherzhaft erzählte, ihm sei bereits vorgeschlagen worden, er solle sich den Job mit Stefanie Barben (Gemeinderätin FDP), weil so auch der Anspruch der Frauen abgedeckt sei, aber diese wolle nicht) und ob sich das Vollzeitamt als Stapi mit ihren Jobs und ihren Familien vereinbaren liesse. Beide müssten ihren Job zwangsläufig aufgeben, weil du neben dem Stapiamt sowieso keinen anderen Beruf ausüben darfst, der Geld abwirft. Was die Familie betrifft, so stellte Patrick Freudiger klar, dass seine Familienzeit ihm heilig sei und diese nicht verhandelbar ist, während Roland Loser darauf verweist, dass seine Kinder «plusminus» erwachsen seien (ich liebe diese Formulierung – so eine klassische Elternformulierung à la. Ja, du bist alterstechnisch erwachsen, aber wir wissen beide, wen du anrufst, wenn die Kacke am Dampfen ist).

Weil an diesem Abend öfters das belastete Verhältnis zwischen den Behörden angesprochen wurde, erkundigte sich eine anwesende Stadträtin, was den die beiden zu tun gedenken, dieses zu bessern. Roland Loser sieht den Schlüssel darin, wieder mehr miteinander zu reden, anstatt sich gegenseitig Briefe zu schreiben (ohhh, ich finde ja ganz süss, sich Briefe zu schreiben. Handschriftlich und mit parfümierten Umschlägen hoffe ich), Patrick Freudiger sieht eine Schwierigkeit darin, dass das Parlament erst relativ spät in die Prozesse eingebunden wird, das fördere Opposition.

Zum Abschluss sollten die beiden Kandidaten noch sagen, was sie jeweils am anderen am besten finden, und wir erfuhren, dass Roland Patrick gerne zuhört, weil das schon immer auch unterhaltsam sei, während Patrick Rolands berufliche Expertise als IT – Experte schätzt (Loser ist Informatiker) – und wenn diese Expertise fehlt, können IT – Projekte schon mal schiefgehen und teuer werden (liebe Grüsse an die Stadt Bern). Pragmatischer Abschluss eines pragmatischen Podiums, würde ich sagen.

Das Ende naht. Also, das Ende des Blogs. Ihr wisst schon.

Was haben wir über die beiden Herren gelernt, die den Stapi – Thron erklimmen möchten? Von Patrick Freudiger wissen wir jetzt, dass er gerne liest, nämlich Machiavelli (was man halt zur Entspannung so liest, nicht wahr), dass er kein Instrument spielen kann und das er für einen Fussballmatch auch gerne mal früher aufstehet. Von Roland Loser wissen wir, dass er Sophie Hunger verehrt, gerne mehr Bäume und mehr Wasser in der Stadt braucht und das sein Lieblingsfach Mathematik war, die Schule aber generell nicht mit so viel Begeisterung besucht hat. Und: Beide kommen Langenthal günstig, sollte jemand sie mal entführen, sie sind nämlich beide der Ansicht, als Lösegeld reiche in ihrem Fall zwei Kästen Bier. Vielleicht lässt der Entführer sie aber auch freiwillig wieder gehen, nachdem Patrick Freudiger ihn ausführlich über die Spielräume, die so eine Entführung biete, belehrt und Roland Loser ihn mit Sophie Hunger Liedern gequält hat.

Langenthal hat die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten und Politikern, die aus den beiden Polparteien kommen – es wird also wohl auch darauf aufmerksam, wer schwankende Mitte – Wählende von sich überzeugen kann und wer das eigene Klientel genügend stark mobilisieren kann. Das Rennen ist offen, wir wissen nur eines: Nur einer kann Langenthals Next Topstapi werden!

Montag, 29. Juni 2026

Das andere Stadtratsprotokoll – die ich – hasse – Sommer – Edition: Der (Fast) Liveblog zur Stadtratssitzung vom 29.06.26

 

Das Vorspiel

 

·        Hallo und herzlich willkommen zum heissesten Liveblog der Langenthaler Stadtratssitzung. Es bloggt für Sie ein schweissnasses Lama, das bereits keinen Bock mehr auf Sommer hat – ich hasse den Sommer. Ich bin eine Stark aus Winterfell, ich habe es gern KALT und EISIG (mit kuscheligen Wölfen) und ich verstehe nicht, wie manche Menschen solche Temperaturen ernsthaft als angenehm empfinden können, was seid ihr, Brathähnchen? Und ich habe den Sommer schon gehasst, als er nicht standardmässig 36 Grad war, ich ziehe aus, ich gehe an den Südpol, da ist es bestimmt nett. Bei den Pinguinen? Hat es da Pinguine? Oder Eisbären? Die könnten mich fressen, das wäre mir auch ganz recht, es ist sicher cool in so einem Eisbärmagen, haha.

·        Das Gesicht von Stapi – Kandidat und Gemeinderat Roland Loser ist überproportional präsent im Ratssaal, weil die SP/GL Fraktion allesamt in einem Fanshirt mit dem edlen Konterfei des Königsanwärter aufgetaucht sind. Ausser Georg Cap, der wohl das Memo nicht bekommen hat. Oder einfach keine Gesichter auf der Brust tragen mag.

·        Gerhard Käser (SP) tritt aus der GPK und dem Stadtratsbüro zurück, weil er jetzt Grossrat ist und wichtigeres zu tun hat….nein, Spass, weil er schon genug um die Ohren hat, schliesslich ist der Mann ja auch noch Schulleiter. Für die GPK wird Päivi Lehmann (SP) gewählt, während im Stadtratsbüro neu Dan Weber (SP) Sitz nimmt. Viel Spass, Ruhm und Ehre in euren neuen Ämtern, ich bin sicher, ihr werdet ganz viel Freude daran haben – mindestens ebenso viel, wie ich am Herbst habe (Herbst *schluchz* bitte komm bald, ich halte das nicht aus.

 

Teil 1: Hurra, wir haben Geld! Irgendwie.

 

·        Gute Nachrichten: Wir haben einen Überschuss in der Jahresrechnung von 3.25 Mio. Ein ausgesprochen erfreuliches Ergebnis, wie Gemeinderat und Finanzminister Patrick Freudiger (SVP) frohlockt. Zwar gibt es auch negative Abweichungen zum Budget (sogenannte Mindererträge), manche von denen werden sich aber aufs nächste Jahr korrigieren, wie beispielsweise die Kehrichtgebühr, die sich ja erhöht (hurra). Mehrerträge gab es bei den Steuern (danke an alle, die so fleissig Steuern zahlen, ich zahle natürlich auch, allerdings ist mein Vermögen so bescheiden, dass Langenthal damit wahrscheinlich nicht so weit kommt – wahrscheinlich kann sich Langenthal davon höchstens einen halben Fussgängerstreifen leisten oder so) und dann gab es auch Aufwände, die gesunken sind, wie beispielsweise der Personalaufwand. Das ist aber eigentlich gar nicht so toll, denn das kommt einfach daher, dass manche Stellen noch immer nicht besetzt sind und die Leute die nicht da sind, kann man ja auch nicht bezahlen (bewundert bitte meine kühle Logik im Angesicht dieser sengenden Hitze.

·        2025 gab es auch mehr Steuern von juristischen Personen (also keine menschlichen Personen, sondern Pinguine. Nein, Witz, das sind Steuern von Firmen und Unternehmungen). Wir hatten also ein gutes Steuerjahr. Aber, warnt Patrick Freudiger, das ist ein Einmaleffekt und bedeutet keineswegs, dass die nächsten Steuerjahren ebenso einträglich sind, weshalb der Gemeinderat auch nicht von seiner vorsichtigen Finanzstrategie abweichen wird. Spielverderber. Lass uns doch einmal die Illusion von Reichtum.

·        Das grosse Sorgenkind sind aber die Investitionen. Davon werden zu wenige umgesetzt, wie Freudiger ausführt, die ohnehin tiefe Realisierungsquote ist noch einmal gesunken. Das ist dann wiederum eine negative Folge des eher geringen Personalbestands, denn Leute, die nicht da sind, muss man zwar nicht zahlen, aber Leute, die nicht da sind, können ja auch nicht arbeiten. Schrödingers Personal quasi. Zu den Investitionen, die nicht getätigt werden konnten, gehören beispielsweise auch die Kindergärten, die ja bekanntlich vom Volk abgelehnt und infolgedessen auch nicht gebaut wurden.

·        Also, ich hoffe, ich habe jetzt alles Wesentliche zusammengefasst, weil ehrlich gesagt ist Patrick Freudiger dermassen durch die Jahresrechnung gerast, dass mein halb geschmolzenes Hirn den Inhalt nicht mehr zur Gänze erfassen konnte. Ich würde jetzt mal vorsichtig sagen: Die Rechnung ist positiv, aber vor allem dank Sondereffekten und die hat man nicht jedes Jahr (sonst wären es ja normale Effekte), deshalb können wir das Geld jetzt leider nicht mit vollen Händen ausgeben. Wird also nichts mit dem Pinguinpark, den ich mir gedanklich schon ausgemalt habe *seufz». Ach ja: Und die Mehreinnahmen fliessen direkt in die Spezialfinanzierung NEW, die vom Gemeinderat ins Leben gerufen wurde, um dringend nötige Investitionen zu tätigen.

·        Die Bürgerlichen zeigen sich angenehm überrascht von dem guten Ergebnis (der FDP/Jll/Liste49 wurde gar «ganz warm ums Herz», auch wenn das laut Sprecher Pascal Dietrich (Liste49) bei diesen Temperaturen ja nicht mehr gesund sei. Freude an den Zahlen hat auch die GLP/EVP Fraktion, wobei Sprecher Mike Sigrist betont, dass man eben nicht immer alles voraussehen könne. Kritischer ist die SP/GL Fraktion, der insbesondere der zu tiefe Personalbestand zu denken gibt. «Ohne Personal können die Kindergärten trotz NEW nicht gebaut werden», so Fraktionssprecher Linus Rothacher (SP) und schiebt gleich das bereits bekannte Mantra der SP/GL Fraktion nach, dass man eben nicht nur an diesem tiefen Steuersatz hängen bleiben dürfe – auch wenn die Rechnung jetzt aufgegangen ist. Trotzdem unterstützt auch die linke Ratsseite die Jahresrechnung und diese wird genehmigt.

 

Teil 2: Moderne Modernisierungen

 

·        Der gute alte Jahresbericht soll modernisiert wird – das Ding hat fast den Umfang einer Bibel und den Spannungsbogen eines Telefonbuchs und das alles soll jetzt kürzer und dynamischer werden und leichter zu verstehen, wie Michael Schär, Vize – Stapi erklärt und führt gleich vor, wie das aussehen soll, indem er eine KI – Grafik einblendet. Weniger Text, mehr Bildchen. Mögen wir. Wobei nein, ich mag Text eigentlich lieber (mehr lesen, weniger Tiktok!), aber ich verstehe, dass es visuell ansprechender ist, noch ein paar Bilder einzufügen. Mein Vorschlag wäre ja: Katzenbilder. Wir könnten beispielsweise die Gemeinderät:innen mit Katzenbildern darstellen, ich schwöre, dann würden viel mehr Leute den Bericht lesen. Oder ich schreibe ihn. Ich kann sogar reimen! Mir ist so heiss, dass ist ein Scheiss, aber wenn Stadträt:innen reden, lässt das mein Herz erbeben und auch wenn meine Körperteile zerfliessen, kann ich es hier trotzdem geniessen…

·        Tja und jetzt kommen wir zum – Achtung, schlechter Wortwitz – explosivsten Thema des Abends: Langenthals Weg zur Energiewende – der Gasausstieg (hier dramatische Game of Thrones Musik einblenden). Warum der nötig wird, erzählt Ressortvorsteher und Gemeinderat Michael Schär, gleich am Anfang der Beratung: Der Kanton hat Klimaschutzziele formuliert und diese beinhalten auch den Gasausstieg. Der Gemeinderat und die IB Langenthal AG (nachfolgend IBL genannt) haben sich zusammengesetzt und gemeinsam eine Strategie überlegt, wie dieser Ausstieg bis ins Jahr 2040 gelingen soll. Der Gasabsatz ist bereits in den letzten Jahren gesunken, zum einen wegen der neuen Energierichtlinien des Kantons, aber natürlich auch wegen dem Angriffskrieg den Russland gegen die Ukraine führt.

·        Mit der Unterstützung externer Fachexpert:innen hat die IBL drei Szenarien skizziert: Die vollständige Stilllegung bis 2040, die teilweise Stilllegung ab 2040 und die erneuerbare Gasversorgung, also die Umstellung auf erneuerbares Gas. Letzteres wäre aber eine sehr teure Umstellung und die Frage ist auch, ob es überhaupt genügend erneuerbares Gas gibt, so Michael Schär.  Und so hat man sich schliesslich für die teilweise Stilllegung ab 2040 entschieden (aus irgendeinem Grund tippe ich immer 2024 – offenbar will ich unbewusst eine Zeitreise in die Vergangenheit machen, oder meine Finger sind zu nervös). Das soll vor allem gelingen mit Wärmeverbünden, die teilweise bereits erfolgreich im Betrieb sind, wie beispielsweise im Hard. Eine Standardlösung sind sie aber nicht, wie Michael Schär mahnt, Wärmeverbunde funktionieren vor allem für dicht besiedelte Gebiete.

·        Diesen Entscheid zur Gasnetzzukunft hat der Gemeinderat relativ früh und ohne Einbezug des Stadtrats getroffen – und wir wissen ja, der Stadtrat LIEBT es, wenn er erst am Ende eines Entscheids einbezogen wird, da steht er so richtig drauf - das sei aber, so Michael Schär, nötig gewesen, weil aktuell noch kein Gefäss existiert, um den Stadtrat unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu informieren. Denn die Medien sind überall! Im Glaspalast. Hinter Büschen. Unter Teppichen. Und ich erst, ich habe meine Ohren überall, darum sind sie so lang (ich habe keine Ahnung, was für einen Blödsinn ich gerade erzähle – mir ist einfach heiss, entschuldigt.) Der Prozess dieser teilweisen Stilllegung soll übrigens bis 2045 vollzogen sein, also innerhalb von 5 Jahren.

 

·        Die GPK, in Person von Pascal Dietrich, kritisiert die Kommunikation des Gemeinderats, der den Gasausstieg bereits verkündet hat. Aber der Gesetzgeber dieser Stadt ist schliesslich das Königinnenlama… Okay, nein, das ist natürlich der Stadtrat. Und deshalb hätte der Gemeinderat, laut der GPK, einen Weg finden müssen, den Stadtrat vorher entscheiden zu lassen und das Vorgehen darauf zu bauen. Und nicht andersrum (ich wusste, dass sie das nicht mögen würden. Der Stadtrat ist sehr sensibel, wenn es um seine Kompetenzen geht, man muss da ganz behutsam mit ihnen umgehen).

 

Teil 3: Spass mit Gas

·        Die SVP-Fraktion steht dem Geschäft kritisch gegenüber und möchte den Gasausstieg auf 2045 hinauszögern (also eigentlich auf 2050), die GLP hat bereits nach der Ankündigung des Gemeinderates öffentlich Kritik geübt und ist noch immer der Meinung, dass die Allgemeinheit keine einzelnen Heizungen finanzieren soll, wie Fraktionssprecher Fabian Fankhauser (GLP), der Gasausstieg erfolge zu spät, was er der bürgerlichen Mehrheit im Gemeinderat anlastet (und dem Verwaltungsrat der IBL, dem man, laut Fankhauser, nicht anlasten könne, besonders «linkslastig» zu sein) und schlussendlich habe man jetzt einfach noch ein bisschen länger «Gasspass» herausgeholt.  Die linke Ratsseite findet weniger harsche Worte, sondern zeigt sich durchaus positiv.

·        Pascal Dietrich hatte Kontakt mit Bürger:innen, die den Gasausstieg, gelinde ausgedrückt, nicht gerade feiern (die berühmten besorgten Bürger:innen), verzichtet aber in Anbetracht der Hitze auf den genauen Wortlaut der Zitate, weil er die Atmosphäre nicht noch mehr aufheizen will. Dietrich kritisiert noch einmal den Prozess,  den Zeitpunkt von 2040 findet er falsch, weil die kantonalen Richtlinien schreiben eigentlich erst 2050 vor und auch die Lebensdauer einer Gasheizung schätzt er nach Gesprächen mit entsprechenden Expert:innen höher ein, als die vom Gemeinderat und der IBL propagierten 15 Jahre. Man dürfe diejenigen Eigentümer:innen, die in den letzten Jahren noch eine Gasheizung installiert haben, nicht einfach abhängen – ausser, man entschädige sie dafür.

·        Robert Haas (SVP) redet vom «Grünen Strom» und ich verstehe «Hühnerstrom» und denke ernsthaft darüber nach, ob Hühner mit dem Legen von Eiern Energie produzieren können – ich glaube, es ist ganz gut, dass ich mich auf die Berichterstattung konzentriere und nicht selber Politik mache, ich glaube, ich wäre unfreiwillig sehr komisch, weil ich immer alles falsch verstehen würde. Naja, Haas findet Energiestrategien jedenfalls generell doof, weil es ihn zu sehr an Planwirtschaft erinnert und die habe ja bekanntlich noch nie funktioniert.

·        Sein Parteikollege Daniel Huber erklärt danach, dass er an die Evolution und das Universum glaube, aber irgendwie nicht so ganz an die Energiewende (jedenfalls habe ich das so verstanden, es war ein sehr langer Vortrag und irgendwas sagt mir, dass er Lehrer ist. Ich muss das noch nachschlagen, aber ich glaube, er ist Lehrer), jedenfalls nicht in dem angestrebten Tempo, das zu schnell sei. Ähm ja. Lasse ich jetzt mal so stehen.

·        Angestachelt von Fabian Fankhauser (ihre Worte, nicht meine) hält Corinna Grossenbacher (SVP) ein flammendes Votum, in dem sie sich darüber empört, dass man vor nicht allzu langer Zeit Gas noch als saubere Energie gefeiert hat und es deshalb unfair sei, jetzt die Leute dazu zu zwingen, umzusteigen. Fabian Fankhauser kontert, es wundere ihn, dass Grossenbacher jetzt dafür plädiere, die Stadt müsse die Freiheit der Menschen, Gas als Energiequelle nutzen zu können, schützen, normalerweise sei ihre Partei ja eher für weniger Staat und überhaupt, habe er schon manche Gasheizung selber installiert – mit seinen eigenen Händen - es sei eben tatsächlich so, dass die nach 15 Jahren abgeschrieben wird und nicht, wie jetzt die Bürgerlichen behaupten, einfach 20 Jahre laufen würden.

·        Michael Schär (FDP) nimmt in seiner Stellungnahme die mehrfach angeschossene IBL in Schutz (unter anderem fiel der Begriff Parteigutachten), die Verantwortlichen hätten bewiesen, dass sie keine Politik machen und auch keine Gefälligkeiten erweisen, ausserdem erklärt auch er, dass die Laufzeit von gasbetriebenen Heizungen, 15 Jahre beträgt – die 20 - 25 Jahre, die herumschwirren, beruhten auf älteren Modellen und nicht auf denen, die jetzt im Gebrauch sind (er hat noch einige technische Details erklärt, aber die reden alle so schnell, ich komme da nicht mehr so ganz mit, um ehrlich zu sein, heute bräuchte ich echt eine Rückspultaste.)

·        Nachdem jetzt alle irgendwie ihre generelle Meinung zum Thema Gasausstieg, Planwirtschaft und Wärmeverbünde kundgetan haben, wird jetzt der bereits erwähnte Änderungsantrag der SVP Fraktion gestellt, die den Gasausstieg fünf Jahre nach hinten schieben will. Weil, grundsätzlich, so Fraktionssprecher Jan Herzig, müsse man nicht früher mit Gas aufhören als vom Kanton gefordert, das sei unnötig und überhaupt kennen er und seine Fraktionskolleg:innen genügend Leute, deren Gasheizungen tadellos seit über 20 Jahren funktionieren. Ernsthaft, langsam haben wir es verstanden, ihr seid euch nicht einig mit der Laufzeit, ist doch mal gut jetzt. Pascal Dietrich beantragt inzwischen eine zweite Lesung. Irgendwie. Irgendwie aber auch nicht, weil er davon ausgeht, dass er keine Mehrheit dafür findet, aber er würde sich freuen, wenn er doch noch eine findet. Die Verwirrung ist verwirrt. Oder vielleicht auch nur das Lama.

·        «Ich weiss nicht, ob ihr gerne fossile Brennstoffe verbrennt oder ob ihr einfach irgendwelche Klientel subventioniert, wirtschaftlich lässt sich euer Antrag jedenfalls nicht begründen», so Fabian Fankhausers - wie immer - sehr diplomatische Antwort auf das Ansinnen der SVP, den Gasausstieg nach hinten zu verschieben. Etwas sanfter formuliert es Päivi Lehmann (SP), die der Hinauszögern – Strategie der SVP aber ebenfalls einen Korb gibt.

·        Ich fasse jetzt mal rudimentär zusammen: Die eine Hälfte des Stadtrats will den Gasausstieg später (oder vielleicht am liebsten gar nicht, man weiss es nicht), weil sie befürchten, dass einem Teil der Bevölkerung – also diejenigen, die noch mit Gas heizen – dadurch Nachteile erwachsen, aber auch, weil das Gasnetz noch intakt ist und es deshalb wenig sinnvoll sei, es stillzulegen. Die andere Hälfte findet das Vorgehen des Gemeinderates richtig – oder hätte sich eher noch einen rascheren Ausstieg gewünscht. Das ist der Kern Diskussion – und zwischendurch ging es dann um Wärmeverbünde, Planwirtschaft, falsche Prognosen, Patriotismus und der Aussage, dass schliesslich niemand in die Zukunft sehen könne. Ausser ich. Ich kann das mit meinem Tarotkarten. 

·        Dafür, dass die Diskussion so lange ging, ist die Entscheidung erstaunlich klar: Der Stadtrat folgt mehrheitlich dem Gemeinderat und stimmt damit dem Gasausstieg 2040/2045 zu. Eine Zangengeburt, aber ein leicht händelbares Baby, quasi (ja, ich hatte schon bessere Metaphern. Verklagt mich doch.).

·        Zur Warnung: Mein Akku macht es wahrscheinlich nicht mehr allzu lange und ich gescheites Wesen, gedacht habe, dass ich es ja sicher nicht brauche, weil es eine schnelle Stadtratssitzung ist (haha) – das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, ich habe ein Notizbuch dabei und mache mir dann notfalls einfach handschriftlich Notizen (wie früher). Wenn ich also nicht mehr live bin, bin ich nicht von genervten Stadträt:innen gefesselt und geknebelt ins Klo gesperrt worden und bin auch nicht ganz spontan zum Südpol ausgewandert.

·        Also ehrlich gesagt, bezweifle ich langsam, dass wir überhaupt noch mit dieser Debatte fertig werden, weil jetzt wird noch ein Antrag zu Prozessgas gestellt (ich erfahre hier mehr über Gas, als ich je wissen wollte) und alle Fraktionen müssen den erst noch besprechen, weil sie sonst nicht wissen, was sie abstimmen sollen. Dieses Gas macht alles, aber keinen Spass. Ich glaube, mein Hintern ist abgestorben (aber der war zugegebenermassen eh nicht so besonders beeindruckend). Es stellt sich heraus, dass der Gemeinderat diese Frage schon geklärt hat. Aber schön haben wir darüber geredet. Aber falls der Antrag durchkommt, wird das ganze Geschäft noch einmal zur Überarbeitung zurückgewiesen und wir haben diese ganze Debatte nochmal. Hurra.

·        Aber auch dieser Antrag scheitert an der Union von SP/GL, GLP/EVP, sowie der FDP/JLL (wobei sich Fabian Fankhauser enthielt). Und dann kommen wir endlich, ENDLICH zur Schlussabstimmung (obwohl jemand in der Pause zu mir meinte, er dachte eigentlich, die Diskussion ginge länger und ich frage mich, wie noch länger, wollt ihr noch bis um drei Uhr morgens hier sitzen???) und das Reglement wird verabschiedet.

 

 

 

Teil 4: Tue Gutes und sprich darüber

·        Ein Ende findet die zwei Klassengesellschaft in Bezug auf die Angestellten der Stadt. Einige von ihnen (wie etwa Reinigungskräfte) waren bis anhin noch im Stundenlohn angestellt, eine Motion verlangte, dass diese ebenfalls in einem festen Lohnverhältnis angestellt werden. Der Gemeinderat und die Verwaltung setzte diesen Wunsch um und die Motionär:innnen sind zufrieden mit der Umsetzung. Happy End für alle. Brauchen wir auch hin und wieder.

·        Es folgt die neue Leistungsvereinbarung mit Tokjo – dem Trägerverein für offene Kinder – und Jugendarbeit. Ohne Zustimmung, so die zuständige Ressortvorsteher Stefanie Barben (FDP) werde die überregionale Zusammenarbeit erschwert. Anpassungen sind nötig, weil die Kosten sich verändert haben, aber auch der Aufwand an Betreuungspersonen, da die Herausforderungen gestiegen sind (2 Betreuungspersonen pro Kind). Das greift die SVP in ihrem Votum auf. Sie zeigt sich besorgt darüber, dass es offenbar unter anderem auch wegen gestiegener Gewaltbereitschaft seitens der Jugendlichen, nötig wird, die Betreuung engmaschiger zu gestalten. Tokjo wird in Langenthal schon lange gestützt und die Jugendarbeit geschätzt, von daher überrascht es kaum, dass die Fraktionen dem Kreditgeschäft geschlossen zustimmen. Du weisst, dass du geliebt wirst, wenn der Stadtrat dich geschlossen toll findet (aber gut, es geht um Kinder und Jugendliche – da ist wohl kaum jemand ernsthaft dagegen. Das ist wie mit Kätzchen. Alle mögen Kätzchen. Und wer Kätzchen nicht mag, ist unwürdig dieses Protokoll zu lesen (nein, Spass. Lest nur. Auch wenn ihr keine Kätzchen mögt – Hauptsache ihr mögt Lamas.

·        Der Gemeinderat hat sich auf Wunsch des Stadtrats auch noch ihrer Kommunikation gewidmet – in der Vergangenheit wurde oft beklagt, dass die Stadt ungenügend mit der Bevölkerung kommuniziert (nicht einmal ein Instagram Konto lag drin, weil dessen Betreuung angeblich zu viel Zeit kostet und quasi das Einstellen einer Fachperson fordert). Der Gemeinderat hat nach einer Mitwirkung verschiedene Massnahmen ergriffen (und ja, Social Media gehört dazu – ich will meine Katzenbilder, vergesst das nicht). Gerade vor den Abstimmung soll offener und breiter kommuniziert werden. Diese Aufgaben sollen mit dem bestehenden Personalaufwand gestemmt werden (also keine eigens ausgebildete städtische Influencer:innen). Der Gemeinderat sieht die Motion als erfüllt an und beantragt Abschreibung (böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass das Social Media Konzept der Stadt vielleicht bis jetzt einfach war, die Kommunikation dem äusserst aktiven Stapi Reto Müller zu überlassen).

·        Die SP/GL Fraktion stellt einen Rückweisungsantrag, weil die Fachstellen ursprünglich einen höheren Betrag für diese Aufgabe berechneten, der Gemeinderat diesen jedoch einkürzte. Dan Weber (SP), Sprecher der Fraktion, will die Handlungsfähigkeiten der Fachstellen nicht unnötig einschränken, sondern sie sich frei entfalten lasse, denn egal, wie fähig das Personal sei, sie brauche auch das richtige Werkzeug dafür.

·        Eine andere Diskussion ergibt sich vonseiten der GLP/EVP Fraktion – diese hat nämlich vor Monaten einen Antrag gestellt, dass ihnen die Beschlüsse des Gemeinderates zugestellt werden, der Gemeinderat wollte das aber irgendwie nicht und schlussendlich reichten sie eine Beschwerde ein, die noch hängig ist. Jetzt schlägt der Gemeinderat ironischerweise die Veröffentlichung seiner Beschlüsse als Instrument zur Verbesserung der Kommunikation vor. Ich würde sagen: Da ist die Kommunikation im Vorfeld wohl gründlich schiefgelaufen.
 

·        Vize – Stapi Michael Schär stellt bei dem Rückweisungsantrag ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Gemeinderat fest. «Ich weiss jetzt nicht, was ihr davon habt, wenn wir einen höheren Beitrag im Budget zurückstellen – ob wir den ja denn wirklich ausgeben, steht auf einem anderen Blatt», so Schär und versichert den skeptischen Stadträt:innen, dass schlussendlich ja ohnehin sie entscheiden würden, also immer noch mehr Mittel sprechen könnten. Das überzeugt eine knappe Mehrheit des Rates, 18:17 entscheidet sich der Stadtrat gegen den Antrag der SP, die Motion wird schlussendlich durch Stichentscheid des Ratspräsidenten Diego Clavadetscher abgeschrieben. «Weil ich Vertrauen habe», wie Clavadetscher leicht süffisant hinzufügt.

 

Teil 5: Tschüssi!

Sooo, ihr Lieben, mein Akku geht rasant zur Neige, meine Konzentrationsfähigkeit auch (wobei die heute ehrlich gesagt nie so toll war) und die Geschäfte, die jetzt noch kommen, sind Fristverlängerungen und die Mitteilungen des Gemeinderates (ich bin sicher, das ist wichtig, aber vielleicht nicht…sooo wichtig?) Ich verabschiede mich deshalb schon mal. Danke fürs Mitlesen und bis – hoffentlich – bald.
(Und danke für den schlagfertigen Stadt – und Gemeinderat, der mir wunderbare Sprüche serviert hat).

Best of

 

«Heute müsst ihr mich oft ertragen.» Michael Schär (FDP) warnt schon einmal vor.

«Das war die kürzeste Präsentation des Jahresberichts während meiner gesamten parlamentarischen Karriere – aber das ist ja kein Wettbewerb.» Alles ist ein Wettbewerb, Diego Clavadetscher, gerade du als FDPler solltest doch das wissen.

«Auch die GPK hat den Bericht sogar gelesen.» Corinna Grossenbacher (SVP) erledigt ihre Hausaufgaben tadellos.

«Das wäre eine Falschmeldung – wir haben keinem Transfer zugestimmt, Ruth Jörg ist immer noch Teil unserer Fraktion!» Pascal Dietrich (Liste 49) will seine Fraktionskollegin nicht an die SVP ausleihen, auch wenn sie im Jahresbericht als SVPlerin ausgewiesen wird

«Es zeigt sich wie so oft – wir hatten Recht.» Fabian Fankhauser (GLP) gibt sich bescheiden und demütig.

«Prognosen sind sehr schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen.» Stellt sich die Frage, welche Prognosen denn nicht die Zukunft betreffen. Pascal Dietrich

«Mein Text ist verschwunden – naja, ist vielleicht besser… so» Daniel Huber (SVP) verliert am Rednperult den Faden, den Text und irgendwie auch die Lust.

«Fabian, du hast mich gerade richtig angestachelt.» Corinna Grossenbacher und ihr persönlicher Coach Fabian Fankhauser.

« Manchmal muss man sich eure Anträge auf einfach schön trinken.» Wieder Fabian Fankhauser.

«Es erfüllt mich mit tiefer Freude hier zu sein.» Wenigstens Diego Clavadetscher ist noch gerne hier.  

«Und sonst schickt ihr einfach Geld…äh, ich meine…ach, das waren ein bisschen viele Geschäfte.» Michael Schärs revolutionärer Ansatz für Streitereien bei der Finanzierung: Stadträt:innen können ja einfach selbst bezahlen.

Samstag, 30. Mai 2026

Jacinda und ich

 

Meine Theorie ist ja, dass Bücher die Fähigkeit haben, zur richtigen Zeit von der richtigen Person gelesen zu werden. Bei mir hat sie sich letzthin wieder bestätigt, und zwar bei der Biografie von Jacinda Ardern. Für die, die sie nicht kennen: Jacinda Ardern war von 2017 bis 2023 Premierministerin von Neuseeland. In ihre Amtszeit fielen sowohl ein Vulkanausbruch als auch die Coronapandemie, 2019 wurde das Land zudem von den rechtsextremistischen Terroranschlägen auf zwei Moscheen in Christchurch erschüttert. Ardern beeindruckte mit ihrem Krisenmanagement, aber vor allem auch durch ihren empathischen und sensiblen Umgang mit den Hinterbliebenen und Opfern, der wohl auch dazu beitrug, dass das Land sich nicht spaltete, sondern sich in seinem Schmerz einte.

In ihrer Biografie erzählt Jacinda Ardern, dass sie ein sehr sensibler Mensch sei und dass ihr im Laufe ihrer Karriere oft erklärt worden ist, dass sie diese Eigenschaft in der Politik ablegen müsse. Sie beschreibt, dass ihre Empathie ihr manches erschwerte, aber sie streicht auch hervor, dass sie genauso oft davon profitierte und ihr Erfolg als Regierungschefin gerade in ihrer Empathie begründet lag. Etwas, was ihr als Schwäche ausgelegt wurde, hat sie zu ihrer Stärke gemacht.

Mich hat das beeindruckt, weil ich mit zwei Dingen in meinem Leben immer wieder struggle. Das eine sind meine Ängste, das andere meine Sensibilität (oder, wie es weniger freundliche Menschen formulieren würden, meine Empfindlichkeit). Ich habe es beispielsweise schon als Kind nicht gemocht, wenn in Filmen gestritten wurde und bin dann oft aus dem Raum gegangen (also, wenn die Guten miteinander gestritten haben) und ich habe auch immer viel geweint, aus Gründen, die andere oft nicht nachvollziehen konnten (und ich selbst manchmal auch nicht). Das Weinen ist mir geblieben, was mir unfassbar unangenehm ist (weil heulend auf der Toilette sitzen entspricht jetzt nicht dem Bild der taffen Politbloggerin, das ich gerne kultivieren würde).

Als ich anfing mich für Politik zu interessieren und meinen Blog darauf auszurichten, war meine Mutter nicht sonderlich begeistert, weil sie das Klima für mich zu rau hielt. Sie dachte dabei aber wahrscheinlich eher an die nationale Politik als an die Lokalpolitik, die natürlich weitaus weniger hart ist und der Umgang sicher freundlicher. Als Lama habe ich jedenfalls wenige schlechte Erfahrungen gemacht und bin fast überall immer wohlwollend behandelt worden. Aber es ist schon so, dass ich manchmal nach Stadtratsdebatten emotional so sehr involviert bin, dass nicht mehr schlafen kann und sie mir noch tagelang nachhängen. Mich wühlt es auf, wenn die Stimmung heftig wird und die Voten schärfer werden oder wenn ich sehe, wie jemand, den ich mag und schätze, angegangen wird. Und natürlich mache ich mir auch oft Sorgen, dass meine eigenen Texte, so lustig sie auch gemeint sind, jemanden wehtun könnten.

Mir wurde in den letzten Jahren oft geraten, mir ein dickeres Fell zuzulegen und ich habe immer gesagt: «Ja, ich weiss.» Und ich wollte immer daran arbeiten, aber ehrlich gesagt, hätte ich wahrscheinlich genauso gut versuchen können, noch ein paar Zentimeter zu wachsen oder mich in eine Strassenlaterne zu verwandeln, weil, egal wie sehr ich mich anstrengte, taff zu sein, im Kern blieb ich immer ich: Ein Sensibelchen. Und als ich anfangs des Jahres schliesslich einsah, dass das immer ein Teil von mir bleiben würde, begann ich darüber nachzudenken, mit dem Polit – Blogging aufzuhören. Wie sollte das zusammen gehen? In einem Moment freche Sprüche reissen, im anderen weinend nachhause laufen, weil das Parlament ein paar wilde Takes zu Nazis in Langenthal rausgehauen hat – das ist doch irre.

Ich liebe es über Politik zu schreiben und Satire darüber zu machen und es war immer ein Traum von mir das irgendeinmal das Lama über Langenthal hinauswachsen zu lassen. Aber wenn ich selbst hier in diesem geschützten und gesitteten Raum ins Schleudern gerate, was würde es denn mit mir machen, wenn ich ihn verlasse? Es ist nicht nur das starke Empfinden von Konflikten, das Mitgefühl mit Scheiternden, der Stress, den emotional aufgeladene Kampagnen bei mir auslösen, es ist auch der innere Druck, die eigenen Verletzlichkeiten nicht einmal mehr ansprechen oder thematisieren zu können, ohne dass mir kaltschnäuzig ein: «Wer austeilt, muss auch einstecken können» entgegen geschleudert zu bekommen.

Nun und dann las ich also Jacindas Biografie, in der sie, entgegen dem Klischee, dass Politiker:innen immer abgebrüht und sachlich und cool sein müssen, ganz offen mit ihren Unsicherheiten und Zweifeln umgeht und in der sie ihren sensiblen Charakter nicht versteckt, sondern vielmehr hervorstreicht. Es machte mir Mut, dass sie ihre Sensibilität als Stärke und Ressource sah und ich begann darüber nachzudenken, inwiefern ich von dieser Eigenschaft profitiere.

Ich glaube zum Beispiel, dass mein Schreiben eng mit meiner Empathie verknüpft ist, weil es mir leichtfällt, mich in andere Menschen hineinzuversetzen. Auch mein Gespür für Situationskomik ist Teil dieses Einfühlungsvermögens und die Tatsache, dass viele Menschen unterschiedlicher Parteiherkunft über meine Protokolle lachen können, beweist ja auch, dass ich dabei auch einigermassen ausgeglichen vorgehe, was nicht der Fall wäre, wenn ich andere Meinungen nicht nachfühlen könnte. Es gab auch mal eine Zeit, in der ich viele Interviews geführt habe – mir sind ausnahmslos alle Lokalpolitiker:innen dabei sehr offen und ehrlich begegnet, was sie wahrscheinlich nicht getan hätten, wenn sie mich als rücksichtslose Bloggerin, die für einen guten Gag alle vor den Bus schubsen würde, kennengelernt hätten.

Als mir das bewusst wurde, wurde mir klar: Ich mache mir Gedanken, dass ich das Lama nicht weiterführen kann, weil ich zu sensibel bin – aber wer sagt mir denn, dass das Lama ohne diese oft von mir verfluchte Sensibilität überhaupt irgendeine Form von Erfolg gehabt hätte? Und wäre es nicht dumm von mir, etwas aufzugeben, was ich liebe, nur weil Politik als hartes Pflaster gilt?

Dann streue ich halt ein bisschen Blumen auf dieses harte Pflaster.  Und besorge mir genügend Taschentücher.

Also wird’s hier weitergehen.

Jacinda ist schuld.

 

 

 

Montag, 11. Mai 2026

Best of Reto

Weil’s die letzte Stadtratssitzung für ihn war (und er fast zehn Jahre unser Stapi war und damit eine erheblich längere Amtszeit hinter sich hat als manche englische Premierminister:innen, deutsche Kanzler:innen und österreichische Bundeskanzler:innen), habe ich mir mal meine alten Stadtratsprotokolle durchgesehen (und bin dabei hin und her geschwankt zwischen Begeisterung über meinen tollen Humor und leichtem Entsetzen, was ich manchmal für Quatsch geschrieben habe) und ein Best of Reto zusammengestellt. Tschüss Reto – deine Voten werden fehlen.

Weil’s die letzte Stadtratssitzung für ihn war (und er fast zehn Jahre unser Stapi war und damit eine erheblich längere Amtszeit hinter sich hat als manche englische Premierminister:innen, deutsche Kanzler:innen und österreichische Bundeskanzler:innen), habe ich mir mal meine alten Stadtratsprotokolle durchgesehen (und bin dabei hin und her geschwankt zwischen Begeisterung über meinen tollen Humor und leichtem Entsetzen, was ich manchmal für Quatsch geschrieben habe) und ein Best of Reto zusammengestellt. Tschüss Reto – deine Voten werden fehlen.

„Wenn es heißt, die auf der Verwaltung haben eine lange Leitung, dann stimmt das.“ Stadtpräsident  Reto Müller übt sich in Wortspielerein in Bezug auf die nötige Erneuerung der Kabel im Verwaltungsgebäude. Aber hey, offenbar haben sie noch Strom – noch ein paar Sparrunden und es gibt nur selbstgezogene Kerzen.

„Der Stadtrat hat beschlissen---äh beschlossen…“ Reto Müller (SP) mit einem Versprecher. Gut hat er nicht „verschissen“ oder „geschlissen“ gesagt…
Müllersche Versprecher – wir werden sie vermissen.  

„Ihr könnt dann nicht mit dem Einkaufswagen durch die Stadtverwaltung marschieren und euch einfach eine passende Juristin oder einen passenden Juristen aussuchen!“ Reto Müller mit einem bissigen Sprachbild zum Thema Stellenbesetzung des Sekretariats.
Jurist:innen Tinder.

„Also, wenn ich wählen kann zwischen Arbeit und erbrechendem Kind betreuen…“ Stapi-Papi Reto Müller. Die Steigerungsform wäre wahrscheinlich erbrechendes Kind auf Arbeit betreuen.
Kita – Mitarbeiter:innen lachen an dieser Stelle wahrscheinlich hysterisch.

„Also, Reto Müller könnte theoretisch Stapi bleiben, bis er 107 Jahre alt ist!“ Pascal Dietrich (FDP) befürchtet, dass Stadtpräsidenten/innen ihre Amtszeit etwas sehr ausdehnen, wenn kein Pensionsalter festgelegt wird. 
„Keine Angst, ich hör vorher auf.“ Schildkröte Reto Müller bleibt selbstverständlich nur bis zu seinem 104. Lebensjahr Stapi. Der ist gut gealtert, würde ich sagen.

„Wir sagen nicht kategorisch ja, aber auch nicht kategorisch nein.“ Politikerdeutsch mit Reto Müller. Und da wussten wir alle, dieser Mann ist für den Regierungsrat bestimmt.

„Das ist keine Salamitaktik, schliesslich bin ich Vegetarier!“ Naja, Rüebli kann man auch in Scheiben schneiden, Reto Müller.
Und nein, es ging da nicht um die legendären veganen Sandwiches.

„Alte Mühlen mahlen langsam.“ Oder eben gar nicht. Reto Müller (SP) zur Situation der Alten Mühle.
Manche Probleme – oder Mühlsteine - lässt er vielleicht auch ganz gerne hinter sich.

«Keine Angst, es wird keine Tiktokvideos aus dem Stadtrat geben.» Reto Müller macht viel für das Marketing der Stadt…aber eben nicht alles. 
Der ist vielleicht nicht ganz so gut gealtert….

«Wir werden uns bemühen, unsere Geschäfte in Zukunft gewohnt emotionslos und sachbezogen vorzulegen.» Mr. Spock alias Stapi Reto Müller (SP).
Au Reto, 5 Minute später: «Die Turnhalle isch jetzt eifach am Ranze.» Charmant ausgedrückt. Noch einmal Reto Müller.

«Unser Stadtzentrum ist ein Open – Air Einkaufszentrum…» Stapi Reto Müller (SP) übernimmt das Stadtmarketing gleich selbst.
Wer sagt denn heute noch «i ga is Dorf» heute sagen wir doch alle: «I ga is Open – Air Einkaufszentrum.

«…habe ich die Redezeit übersprungen? Ach, wobei, die gibt es hier ja auch nicht» Stapi Reto Müller (SP) fürchtet schon, dass ihm das Mikrofon abgedreht wird, erinnert sich dann aber rechtzeitig, dass wir in Langenthal nicht ganz so rigoros sind wie im Großrat.
Rede Stapi, rede, würde die Jugend jetzt sagen. Aber leider nicht mehr im Stadtrat. Mach’s gut in der grossen weiten Welt. 


Das andere Stadtratsprotokoll: Der (Fast) Liveticker zur Stadtratssitzung vom 11.05.2026 - Die Reto Edition

 

Vorwort

 

·        Juhu, da bin ich wieder! Ich hoffe, ihr habt mich gebührend vermisst. Naja, genau genommen war ich nie so richtig weg – und im Geiste bin ich ja sowieso immer im Stadtrat zugegen (ich bin quasi das Schreckgespenst), aber das andere Stadtratsprotokoll ist wieder da, nachdem ich zweimal einfach ausgelassen habe (mal schauen, ob ich es noch kann, so schnell schreiben bin ich mir nicht mehr gewöhnt). Zur Feier des Tages habe ich mich unterwegs fast überfahren lassen (ABER ICH HATTE VORTRITT!!!), aber jetzt bin ich da, schwitzend, aber motiviert. Let’s go!

·        Und heute ist eine besondere Stadtratssitzung (also, sowieso immer, wenn ich dabei bin, haha), aber es ist auch die allerletzte Stadtratssitzung mit Stapi Reto Müller (SP), der in höhere Gefilde aufsteigt und Regierungsrat wird. Tschüss Reto, wir werden dich vermissen. Und du uns auch. Du willst es nur nicht zugeben, aber was ist schon kantonale Politik gegen die Tragödien und Komödien, die wir hier in der Lokalpolitik bieten? Der Kanton Bern ist «GZSZ» Niveau, wir dagegen sind «Krieg und Frieden».

 

Teil 1: Eisige Eiszeit

·        Und wir schlittern (oder je nach Eiskunstkünsten gleiten wir vielleicht auch), direkt ins erste Traktandum und wie meine elegante und sprachlich gewandte Einleitung bereits verrät, geht es um die Eishalle (das hatten wir zugegebenermassen schon lange nicht mehr). Die Eishalle in Schoren ist ja – nun ja – vielleicht nicht mehr so ganz taufrisch und muss saniert und erweitert werden. Und weil das nicht gratis ist (was ist heute schon gratis, ausser Schweiss und Tränen?), braucht es dafür einen Kredit dafür. Beziehungsweise einen weiteren Kredit, weil, eine gewisse Summe wurde schon für die ganze Planungsphase aufgebracht. Bei der Finanzierung der Halle werden sich auch die dort ansässigen Clubs finanziell beteiligen, aber wenn ich das richtig verstanden habe (ihr wisst, mein Zahlenhirn ist ungefähr so ausgeprägt wie eine Erdnuss und fährt immer automatisch runter, wenn ich zu viele Ziffern sehe), sind diese Beiträge noch nicht fix. Beim Kredit, der heute gesprochen wird (oder wahrscheinlich gesprochen wird) geht es um 600'000.

·        Die FDP/JLL/L49 Fraktion (ernsthaft: Sucht euch eine kürzere Bezeichnung, ich breche mir da ja noch die Finger ab), zeigt sich positiv, mahnt aber, wie dringend Kostengenauigkeit und Transparenz bei der weiteren Entwicklung des Vorprojekts Eishalle ist. Die SVP, in Gestalt von Youngster Jan Herzig, lobt auch das Vorgehen, das Volk diesmal früher einzubinden, als es beispielsweise bei den Kindergärten der Fall war (das Kindergarten – Trauma) und so zu verhindern, dass man erst teuer projektiert, bevor ein Entscheid gefallen ist.

·        Sandro Baumgartner (SP) begrüsst ein «aufgemotztes» Stadion, mahnt aber, dass die Investitionskosten dieses eisigen Traums hoch sein werden. Deshalb brauche es klare Richtlinien, Baumgarner, Sparpotential müsse ausgeschöpft werden und es muss unterschieden werden zwischen Nötigem und Wünschbaren. «Im Vordergrund muss die Bevölkerung von Langenthal stehen», so Baumgartner. Und: «Schulen und Hobbysportler:innen dürfen nicht an den Rand gedrängt werden.»

·        Je länger wir vom Eis reden, desto mehr schmerzt mein Steissbein, in Erinnerung, an all die spektakulären Stürze, die ich auf dem Eis hingelegt habe. Meine Spezialität hierbei sind «Der sterbende Schwan» und «der besoffene Pinguin.»  Katharina Witt auf Wish bestellt.

·        Eine gewisse Bescheidenheit sei wichtig, streicht auch Daniel Huber (SVP) hervor und fügt aber sogleich hinzu, dass dem auch Rechnung getragen wird, dadurch, dass man zurück zum alten Standort geht (wir erinnern uns, ursprünglich war ein neuer Eistempel im Hard geplant, das kam nach einigen Hin und Her aber nicht zustande) und auch bei der Zuschauerzahl bäckt man deutlich kleinere Brötchen. In dasselbe Horn bläst (oder sagt man stösst…egal, nennen wir es künstlerische Freiheit) Fabian Fankhauser (GLP), der von einem realistischeren Projekt spricht. Aber auch von seiner Seite wird gewarnt. Transparenz sei wichtig und es sei gefährlich, an anderen Orten zugunsten des Stadions einzusparen, so Fankhauser.

·        Der Kredit wird einstimmig (bei einer Enthaltung) bewilligt. Da steht einer neuen Eiszeit ja nichts im Wege – halb erwarte ich ja, dass die Versammelten SCL-Funktionäre aufstehen, rausstürmen und dabei «Let it go» schmettern. Machen sie leider nicht. Warum teilt niemand meinen Sinn für Dramatik, ich kann so nicht arbeiten «seufz».

 

 

Teil 2: Bäumige Autos

 

·        Dann geht es um ein städtisches Fahrzeug, das das Zeitliche gesegnet hat (RIP an dieser Stelle) und jetzt ersetzt werden muss. Sandro Baumgartner (SP) freut sich erstmal darüber, dass die Mitarbeitenden vom Werkhof jetzt wieder ein anständiges «Werkzeug» haben (immerhin müssen sie nicht mit dem Rossgespann ausfahren, da sind wir ja schon mal glücklich), Fabian Fankhauser (GLP) freut sich darüber, dass hiermit der Beweis erbracht wird, dass E – Fahrzeuge zwar in der Anschaffung teurer, dann aber eigentlich kostengünstiger sind, wie die Berechnung TCO (Total Cost of Ownership, wie ich gelernt habe) und die SVP – Fraktion freut sich…nicht, weil sie lieber Diesel hätten und dieses neumodische Zeug zu teuer finden.

·        Nein, sie haben nicht neumodisches Zeug gesagt. Sie machen sich einfach Sorgen, dass man zu viel Geld ausgibt und man ja schliesslich Rücksicht auf die Finanzen von Langenthal muss und man das gegenüber der steuerzahlenden Bevölkerung nicht vertreten könne – letztere Aussage stammt von Robert Haas (SVP). Michael Schenk, ebenfalls SVP, ist für ökologisches Handeln, meint aber, dass es gerade bei dieser Art vom Fahrzeug keinen Sinn mache. Stattdessen könne man ja ein paar Bäume pflanzen, schlägt er vor. Da wäre ich grundsätzlich auch dafür. Ich hätte gern ein paar Bananenbäume.

·        «Es wird nichts schön gerechnet», stellt Michael Schär (FDP) klar, «und wenn ihr jetzt ein Diesel – Fahrzeug anschafft, werdet ihr den Steuerzahlenden Mehrkosten aufbürden.» Zudem setze sein Unternehmen seit Jahren auf Elektroautos und die seien sehr gefordert und würden einwandfrei funktionieren. Er beruhigt auch die SVP – Fraktion bezüglich Winterdienst. «Der Schnee wird geräumt», versichert er. Und glücklicherweise haben wir – im Gegensatz zu Bern – ja keine Trams, die bei der ersten Schneeflocke stecken bleiben.

·        Die SVP stellt einen Rückweisungsantrag, weil aber die anderen Parteien nicht mitziehen, wird der abgelehnt und wir haben jetzt ein neues schickes Elektro – Fahrzeug. Hurra. Aber können wir noch einmal über die Bananenbäume reden?

 

Teil 3: Die Rache des Mülls, Part 1

 

·        Weil wir uns eh gerade gönnen, investieren wir gleich noch in ein neues Feuerwehrfahrzeug, denn das jetzige Einsatzleitfahrzeug ist in die Jahre gekommen und inzwischen 17 Jahre alt («17 Jahr, blondes Haar, so stehst du vor mir…») Wusstet ihr übrigens, dass Dalmatiner früher als Feuerwehrhunde eingesetzt wurden? Diese ausserordentlich schnellen Hunde begleiteten die Löschwagen (damals noch von Pferde gezogen) und bellten den Weg frei, ausserdem hatten sie eine beruhigende Wirkung auf die schnell scheuenden Pferde. Und nein, das hat absolut nichts mit diesem Geschäft zu tun, aber ich möchte nicht mehr über Fahrzeuge reden, sondern über kuschelige Hunde.

·        Die Fraktion äussern sich grundsätzlich positiv zu der Anschaffung. Die GLP bemängelt zwar, dass es bei der Auslese der Fahrzeuge offenbar nicht wirklich Auswahl gegeben hat und dass hier wieder auf Diesel gesetzt wird (also, quasi der umgekehrte Fall von vorhin), streicht aber die bedeutungsvolle und wichtige Aufgabe der Feuerwehr hervor. «Wichtig ist, dass sie gut ausgerüstet sind», fasst Murielle Schärer ihr Votum zusammen. Den Lobeshymnen schliesst sich Sandro Baumgartner (SP) an, der sogar von der «besten Feuerwehr» redet. Applaus für die Freiwillige Feuerwehr! Ernsthaft, Respekt für alle, die das machen. Ich könnte ja nicht mal den Schlauch heben. Aber wenn ihr euch ein paar Dalmatiner zulegt, melde ich mich freiwillig als Hundeführerin (also, damit meine ich, dass ich sie streicheln komme).

·        Das Highlight des Abends: Die Revision des Abfallreglements, der einzige Grund, wieso ich heute überhaupt hergekommen sind, denn ich brauche meine monatlichen Reglemente, um glücklich zu sein. Der Grund für diese Revision ist übrigens, dass diese «Spezialfinanzierung» ins Minus gekippt ist, weshalb diese Gebühren jetzt erhöht werden (kann eigentlich irgendwas nicht teurer werden? Irgendwas?). Ausserdem passt man das Reglement so an, dass die Einführung von Gebührensäcken möglich ist (statt den Gebührenmarken, weil, so der verantwortliche Gemeinderat, es für die Mitarbeitenden der Müllentsorgung mühsam ist, diese angeklebten Marken zu finden und sie offenbar auch öfters mal vergessen werden).

·        Wollt ihr eine lustige Müllgeschichte von mir hören? Ach, egal, ich erzähl sie euch sowieso, das ist gerade nicht so spannend: Als ich frisch in meine eigene erste Wohnung gezogen bin, hatte ich erschreckend wenig Ahnung von korrekter Entsorgung (ja, ich bin die verwöhnte jüngste Prinzessin der Familie – ich gebe es ja zu) und ich war unsicher, wie ich jetzt den Karton korrekt rausstelle. Mein Vater hat mir dann gesagt, dass ich den einfach irgendwie ineinander stopfen und raus tun kann, was ich dann auch getan habe. Ein paar Wochen später flatterte ein Flyer in meinen Briefkasten, wo ich aufgefordert wurde, meinen Karton zukünftig zu bündeln und ich hatte den Schock meines Lebens, weil ich dachte, die Stadt hätte irgendwie meinen Karton getrackt und MIR PERSÖNLICH diesen Flyer geschickt hatte, weil ich den Karton so scheisse rausgestellt habe. Ich habe mich so geschämt, bis mir eine Freundin erklärt hat, dass alle Haushalte diesen Flyer bekommen haben – und natürlich niemand meinen Karton zurückverfolgt hat (ich schwöre, ich sah mich schon auf dem Polizeiposten).

 

Teil 4: Die Rache des Mülls, Part 2

·        Im Grossen und Ganzen wird das Abfallreglement vom Stadtrat positiv aufgenommen, es wird einfach noch über Einzelheiten diskutiert, wie etwa die Definition von Siedlungsabfällen (oder eben nicht Siedlungsabfällen) oder über die Streichung eines Artikels, der die Grundgebühren für Kleinstunternehmen reduzieren will. Dieser Antrag kommt aus den Reihen der SVP, die diese Regelung unnötig und administrativ zu aufwendig finden, gerade für die Verwaltung, die diese Gesuche prüfen müsse. Dem widerspricht Patrick Jordi (FDP), der als selbstständiger Journalist unter diese Regelung fällt. «Gerade als Start – up muss man jeden Franken umdrehen und eine solche Reduzierung hilft sehr, Kosten zu senken.»

·        Er stehe immer noch auf der Seite der SP, erklärt Dan Weber, aber eben auch auf der Seite der Vernunft. Er wundert sich darüber, dass ausgerechnet die sonst so gewerbefreundliche SVP einen solchen Antrag stellt und streicht auch noch mal hervor, dass der Gemeinderat damit der Empfehlung des Preisüberwacher folgt. «Lasst das Kleingewerbe in Langenthal nicht hängen», so sein Schlusswort.

·        Robert Kummer (FDP) graut dagegen vor diesem «Schildbürgerstreich» und vor dem Aufwand, den beispielsweise das Führen einer Excel – Tabelle in der Verwaltung verursachen würde (Pompeii ist ja bekanntlich auch untergegangen, weil sie einfach zu viele Excel – Tabellen ausfüllen mussten und daher die Vulkansicherheit vernachlässigt haben), was Murielle Schärer (GLP) zu dem Ausspruch bringt: «Verwaltungsaufwand ist die falsche Argumentation.» Der Antrag wird abgelehnt, der Artikel bleibt drin. Freude herrscht bei den Kleinstunternehmen.

·        Ich möchte hier festhalten, wie Stadtratspräsident Diego Clavadetscher (FDP) förmlich durch das Reglement rast und dabei das Parlament, das sich ein solches Tempo offenbar nicht gewöhnt ist, durcheinanderbringt, die zwischendurch nicht mehr wissen, ob sie ihre Anträge jetzt zu Artikel 15, Artikel 15b oder Artikel 15c einbringen oder doch lieber einfach mal kurz vortanzen sollen.


Teil 5: Mach’s gut und danke für den Fisch.

·        Die Stadträt: innen haben dank einer überparteilichen Motion jetzt eine persönliche städtische Mailadresse (kann man dann auch so lustige nehmen, wie zum Beispiel «Einhornprinzessin1993» oder «Wednesdayandsalem4eva»?). Dabei wird noch ein bisschen über die technischen Fragen diskutiert, aber grundsätzlich ist man der Meinung, dass die Motion vom Gemeinderat umgesetzt wurde und deshalb abgeschrieben werden kann. Dasselbe gilt auch für die Einführung von Smartvote, die früher noch für Diskussionen gesorgt hat, jetzt aber ebenfalls abgeschrieben wird und eingeführt wird.

·        Die Stadtratssitzung endet mit der Verabschiedung von Reto Müller, der von Gemeinderatskollege und Vize – Stapi Michael Schär geehrt wird. «Deine Fähigkeit zuzuhören und zu erklären, haben uns geprägt», so Schär, und ohnehin sage man ja, haben Lehrer (Reto Müller war/ist Lehrer) einen Hang zur Politik, weil sie es gewöhnt sind, Ordnung in einen unruhigen Haufen zu bringen. «Du warst nie ein Technokrat – du warst immer Reto, mit dem man auch ungezwungen ein Bier trinken konnte.» Michael Schär wendet sich aber auch an Reto Müllers Familie, die ihn «oft mit der Stadt geteilt haben.» Er beendet seine emotionale Worte mit: «Wir verlieren einen Stadtpräsidenten – wir gewinnen einen Regierungsrat.» (Wir können hier aber schon mal festhalten, dass der Vizestapi auch sehr gute Reden halten kann. Just saying).

·        Reto Müller verabschiedet sich auch noch selbst vom Rat, spricht über die lange Zeit, die er im Stadtrat verbracht hat – als Stadtrat, als Gemeinderat und zuletzt als Stapi. «Ein Privileg», wie Müller betont, «mitgestalten und mitdenken, immer grösser als man selbst.» Er blickt aber auch auf schwierige Zeiten zurück. Auf Corona, auf budgetlose Zeiten, auf Projekte, die gescheitert sind. Dabei bringt er auch seine Gefühle zum Ausdruck, dass er manchmal schon den Eindruck hatte, dass ein linker Stapi vielleicht doch nicht allzu viel Erfolg haben dürfe. Aber man habe auch immer wieder zusammen Erfolg gehabt. «Ich habe immer versucht zu erklären und zu kitten – als Vermittler zwischen den verschiedenen Stellen.» Wichtig sei, auch nicht in einem Echo zu regieren, sondern gute Ideen zuzulassen und dafür auch eigene Ideen zurückzustellen. «Langenthal braucht mehr Mut und Entscheide von euch allen», so sein Appell, denn nichts altere schneller als aufgeschobene Entscheidungen. «Eine Stadt ist kein Museum.» Er geht auch noch auf Feedback aus der Bevölkerung ein, die ihm gesagt habe: «Der Stadtrat ist kompliziert geworden.». Politisiert nicht am Volk vorbei, so seine letzte Bitte ans Parlament und: «Bleibt nahbar.» Grossen Dank richtet er an seine Familie, die ihn oft im Hintergrund getragen habe. Und sein einziger Wunsch: «Steht euch nicht selbst im Weg – nicht der Partei zuliebe, nicht der nächsten Wahl zuliebe. Langenthal ist grösser als jede:r von uns.»

·        Und mit Standing Ovation und einer Überlebenskiste aus dem Stadtrat endet die Ära Müller in Langenthal.
(Okay, ausser es kommt noch ein Müller und bei dem Namen ist es nicht so unwahrscheinlich, aber der Abschluss war zu gut).

 

 

 

Best of Stadtrat

 

«20 Minuten Monolog werde ich jetzt halten». Ein leicht irrer lachender Sandro Baumgartner (SP) auf den Weg zum Rednerpult. Vielleicht sollten wir im Saal öfters lüften

«Er hat vorhergesagt, dass dieses Fahrzeug bis an sein Lebensende unterwegs ist – naja von dem gehen wir auch aus, es ist einfach die Frage, wie lange das ist…» Der wortaffine Pascal Dietrich (Liste49). Auch wir leben schliesslich, bis wir tot sind.

«Wir hoffen, dass auch das Beste ausgewählt wurde – okay, gut, es war das einzige Angebot…» Aber das eine war das das beste! Wieder Sandro Baumgartner

«Bäume pflanzen finde ich eine gute Idee.» Daniel Huber (SVP) und die Entdeckung der Baumschule.

«Du chasch mer gern säge, wie du’s wosch.»
«Also, i fänds schön, we mer bim Atrag würd rede.»
«Ja, de chum i denn.» Was für ein gesitteter und höflicher Austausch zwischen den beiden Frakktionsgspännli Patrick Jordi (FDP) – der zu früh zum Rednerpult geeilt ist – und Diego Clavadetscher, der ihn sehr sanft darauf hinweist, seine Ordnung doch bitte nicht durcheinanderzubringen.»

«Patrick Dietrich.» Spontane Fusion zweier Stadträte von Diego Clavadetscher.

«Das ist nicht abgesprochen mit dem Gemeinderat, das hätte ich nicht sagen dürfen.» Michael Schär (FDP) in seiner rebellischen Phase.

«Chüder cha au sehr emotional si…» Wieder Michael Schär, Regisseur des Blockbuster «Die Leiden des jungen Chüders.

«Wir haben Schinkengipfeli, die kalt werden.» Diego Clavadetscher erklärt sein rassiges Tempo.

«Die Motion hatte mehr Bürgernähe zum Ziel – nicht das digitale Wohlbefinden der Stadtratsmitglieder.» Dan Weber (SP) mit einer kleinen Spitze in Richtung Bürgerliche.

«Lieber Apéro als ein Schlussumzug.» Reto Müller (SP) und seine Prioritäten.

 


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