Montag, 24. Juni 2024

Das andere Stadtratsprotokoll: Die Sommernachtstraumedition - der (Fast) Liveticker zur Stadtratssitzung vom 24.06.2024

 

Prolog: Höret und staunet, Shakesbier spricht (bzw. schreibt).

 

·        Seid mir gegrüsst ihr treuen Freund:innen des halbwegs schönen Wortes zu einer weiteren Sitzung des kleinen Rates von Langenthals, der zu diesen heissen Stunden zusammentritt, um über die Geschäfte des Mini – Venedigs zu beraten und ihre klugen Köpfen zu bemühen, wie man mit immer weniger Geld, immer mehr hochtrabende Wünsche erfüllen kann. Für Sie heute an der Schreibfeder, das fleissige, getreue Lama, ihres Zeichen gelangweilte Hobbychronistin. Guten Tag, Sie dürfen mich Shakesbier nennen.

·        Nun müssen wir leider schon Abschiedsworte verlauten lassen, denn Mistress Nadesalingam Niluja von der Partei der liberalen Grünlinge (auch als GLP bekannt), zieht es weiter in fremde Gefilde und kann so leider ihr Amt als Vize – Amtsherrin des kleinen Rates nicht mehr ausüben. An ihrer Stelle wird nun berufen, der edle Fabian, Graf von Fankhauser, der nun die nicht minder edle Gräfin Saima Linnea von Sägesser beim Verwalten der Ratsgeschäfte flankieren wird. Wir entbieten gute Wünsche an dieser Stelle.

·        Die liberalen Grünlinge müssen weitere Verluste hinnehmen, denn ach, auch der Graf von Häfliger nimmt seinen Hut und folgt dem Ruf der ruchlosen Fremden und kann so leider nicht mehr als Hüter der Gesetze des Stadtrates (im Volksmund auch GPK genannt) schalten und walten. An seine Stelle tritt nun der blaublütige Blaugraf Michael von Siegrist der Kommission bei, der neue Hüter und Herr wird aber Martin, Graf von Lerch, von der Zunft der volkstümlichen Schweizerlinge (SVP), während Lady Stefanie Barben, von den freidenkerischen Demokratlingen (FDP), ihm zur Seite stehen wird.

 

 

Teil 1: Nun lasset uns reden, über Gold und Silber!

 

·        Der hochwohlgeborene Marktgraf Roberto de Nino darf nun in kurzen Worten verlauten lassen, wie es um den Geldsäckel der Stadt steht und ob man nun mehr oder weniger als ursprünglich geplant ausgegeben haben. Und nun ja, es scheint so, als hätten wir eigentlich weniger ausgegeben und mehr ausgegeben, aber wegen der Gesetzesschreibung des Sheriffs von Bern, sind wir jetzt bei einer Null. Nichts steht mir ferner, als den Teufel an die Wand zu malen, aber ich möchte doch darauf hinweisen, dass «Null» als Ergebnis bei meinen Matheausgaben immer falsch war.

·        Grund für das vielleicht nicht gerade vorzügliche, aber doch angenehme Ergebnis ist, weil die braven Bürger:innen der Stadt mehr Steuern gezahlt haben, beziehungsweise offenbar ein braver Kaufmann, mehr gezahlt hat. Und was uns auch zugutekam, war, dass das Spiel an der Börse für uns besser aufging als im vorderen Jahr, es scheint, als wäre die launische Fortuna wieder auf unserer Seite.

·        Ob es jetzt das Werk der Fortuna ist oder vielmehr ihres teuflischen Bruders Unfortunato (den ich erfunden habe, weil ein bisschen künstlerische Freiheit müsst ihr mir beim Schreiben des Stücks schon lassen), dass auch der Personalaufwand im gläsernen Palast gesunken ist? Denn das liegt wohl vor allem daran, dass sich kaum mehr Kobolde und Feen finden, die ihren Dienst im Schloss von Kleinvenedig verrichten wollen und damit kommt es zu einem erheblichen Rückstau an Feenstaub.

·        Und natürlich, in Kleinvenedig fliesst das jahrhundertelang so sorgfältig gehortete Gold gerade in verschiedene Bauten, wie zum Beispiel den Bahnhof, der gerade zerlegt wird, damit aus dem Trümmern was noch Schöneres entstehen kann, ein Bahnhof, der dem Städtchen würdig ist, vielleicht nicht gerade aus Silber, aber zumindest aus Bronze.

 

·        Nun dürfen die Ratsherren ebenfalls noch das Wort ergreifen und ihren erlauchten und erleuchteten Senf dazu geben. Der Graf Pascal von Dietrich erfreuet sich über das überraschend gute Resultat, aber er mahnet auch, dass das positive Resultat vielleicht auch mit dem Zustand des fehlenden Budget zusammenhänge, denn das hat die Stadt zum Sparen gezwungen, obwohl sie eigentlich nicht wollte (die Schatten des Budgets, sie lassen uns bereits wieder erzittern). Was dem edlen, zunftlosen Dietrich jedoch besonders das Gemüt bedrückt, und die Stirn verfinstert, ist das Stadttheater, denn dieses vermag leider immer noch nicht, die Leute in ihre Räume zu locken und entsprechend bescheiden fallen die Einnahmen aus. Da müssen wir vielleicht zu härteren Mitteln greifen, wie wäre es denn, wenn das Stadttheater sich ein Beispiele nimmt, an den Kirchen früher, die ihre Geldsäckel füllten, indem sie den Gläubigen Seelenheil versprach («kommen Sie ins Theater, dann werden Sie sich im Jenseits nicht langweilen, sondern werden bestens unterhalten, beispielsweise mit unserem prämierten Stück ‘Das Schreien der Sünder im Fegefeuer»).

 

·        Dass nun das Stadttheater gar viel mehr Goldmünzen ausgegeben hat als ursprünglich vorgesehen, erklärt Lady von Morgenthaler, Marktgräfin der Kultur auch damit, dass die Eintritte im Budget viel zu hoch angesetzt wurden, es sei unrealistisch gewesen, dass diese Zahlen erreicht werden können, zumal auch andere Schauspielhäuser kämpfen müssen, selbst Grossproduktionen wie die Wilhelm Tell  Spiele (wobei, wer will sich schon Wilhelm Tell ansehen, das Stück geht schliesslich immer genau gleich aus und die Nummer mit dem Apfel ist seit Schneewittchen einfach ausgelutscht). 

 

·        Die Grafen und Gräfinnen des Kleinen Rates ereilen der Jahresrechnung 2023 ihre gnädige Zustimmung.

 

 

Teil 2: Ich muss euch sagen, es kulturet sehr!

 

·        Nun wird gedankt und verdankt, denn es liegt vor, die Chronik des letzten Jahres, sorgfältig verfasst von den Hohen Ratsmitgliedern, den Marktgrafen und Marktgräfinnen von Langenthal und ihren treuen Elfen – und Koboldkönig:innen und wie üblich trieft der Honig von den Lippen der Stadträt: innen, die sich untertänigst bedanken für das Schreiben dieses Buches, doch die eine oder andere giftige Spitze können sie sich denn doch nicht verkneifen. Das Lob der Schreibenden ist die Kritik der Lesenden, doch auch ich möchte hier noch eine kleine kritische Anmerkung platzieren: Warum darf ich nie das Vorwort schreiben?

·        Nicht so glücklich sind die bürgerlichen Parteien, dass die Richtlinien der Regierungstätigkeit nicht alle ganz auf Kurs sind, das eine oder andere Schiff ist auf den Weg in den Hafen vielleicht auch gleich ganz abgesoffen, aber der Feenkönig Reto Müller von den Sozialen Prinzen und Prinzessinnen*  (SP) lässt verlauten, dass man lieber den Horizont anstreben sollen, als gleich im sicheren Hafen zu verenden.

 

·        Brechen wir also auf in kultiviertere Gefilde, denn nun geht es um das zähe Ringe um die sogenannten Leistungsverträgen unter anderen mit dem Chrämerhuus, dem Museum, dem Kunsthaus, der Bibliothek und dem Stadttheater. Um Subventionen zu erhalten, müssen diese Häuser gewisse Voraussetzungen und Leistungen erfüllen – es reicht also nicht, einfach nur vor sich hin zu existieren. Neu ist, dass die Leistungsverträge nun vor den städtischen Rat müssen. Das hat auch mit den vielen Diskussionen rund ums Stadttheater zu tun. Der Stadtrat hat sich immer wieder darüber beklagt, dass er zu manchen Entscheiden gezwungen wird, weil die Leistungsverträge schon unter Dach und Fach sind und damit auch nicht mehr an den Ausgaben geschraubt werden kann.

 

 

 

·        Mistress Helena Morgenthaler mahnt die Anwesenden, die Verträge heute durchzuhecheln, denn sollte dies nicht gelingen, werde sich die Volksabstimmung verschieben, denn das letzte Wort sprechen werden wir, die Bürger:innen der Stadt und unser Wort wird das letzte und gewichtigste sein *dramatische Musik einblenden* Zumindest beim Stadttheater und der Bibliothek.

 

·        Die freidenkenken Demokratlingen, in Gestalt von Stefanie Barben, verkünden zwar, dass sie den Leistungsverträgen grösstenteils zustimmen werden, aber die Finanzierung sehen sie noch kritisch. Es sei wichtig, so Lady von Barben, dass schlussendlich das Volk profitiere. Und wenig überraschend richtet sie erneut einen harschen Tadel ans Stadttheater: Dort müsse nun wirklich einfach anders geschäftet werden. Vielleicht mehr Shakesbier?

 

·        Das Chrämerhuus, das malerische Restaurant mit dem Charme eines Hexenhauses, hatte in den letzten Jahren zunehmend mit den grausamen Launen des Schicksals zu kämpfen, doch tapfer brachte es trotzdem Kultur unter das gemeine Volk und der Lohn ist nun, dass der Leistungsvertrag ohne Gegenstimme vom Stadtrat genehmigt wird. Auch das Kunsthaus hat es nicht ganz so leicht, denn das Medienecho bleibt bescheiden, denn wer schreibt schon über zerbrochenes Porzellan, wenn er auch über zerbrochene Beziehungen schreiben kann, doch trotzdem huldigt der Stadtrat auch diesem edlen Hause, ebenso wie dem Museum, wo Geschichte fein säuberlich konserviert wird, damit wir sie weiter ignorieren und genau die gleichen dummen Fehler in der Vergangenheit machen können.

 

 

Teil 3: Oh Stadttheater, o mein Stadttheater, weh mir!

·        Die Bibliothek, dieser Hort des Wissens und der Geschichten, heissgeliebt von uns allen (und wenn nicht, gehet in die Ecke und schämet euch) ist ebenso unumstritten. Und jetzt, meine lieben Zuhörer:innen, jetzt wird es still auf der Bühne, denn nun kommt das Drama, auf das wir alle gewartet haben, denn nun endlich, nach so vielen Worten und Voten ist es soweit: Das Stadttheater wird besprochen und durchgehechelt und es werden gewetzt die Schwerter, beziehungsweise die Zungen.

·        Die wohl einschneidendste Änderung ist die Tatsache, dass nun nicht mehr vorgegeben wird, welche Sparten bedient werden müssen. Zirkuskunst zum Beispiel entfällt (so schade. Jetzt wäre meine Nummer mit dem brennenden Reifen, dem Esel und den Jonglierbällen vielleicht bald auftrittsreif, aber naja, da kann man nichts machen). Und es gibt auch strengere Kennzahlen, die erreicht werden müssen, das Ganze wird also ein bisschen mehr an die Kandare genommen, damit die Theaterdirektor:innen nicht mehr zügellos ihren künstlerischen Geist walten lassen können  und damit die sorgfältig gestalteten Budgets zertrampeln.

·        Die volkstümlichen Schweizer:innen stützen die Leistungsverträge, auch wegen der Anpassungen. Zudem argumentiert Mylady Corinna Grossenbacher damit, dass sich damals eine Mehrheit für die Sanierung des Stadttheaters ausgesprochen hat…und das koste eben auch was. Gräfin Nathalie von Scheibli (SP) trägt eine Liebeserklärung an das Stadttheater vor, bei der wohl selbst Romeo vor Neid erblasst wäre. «Mut zum Theater!», ruft sie dem geneigten Publikum zu und manch eine:r wischt sich wohl verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel (klar dramatisiere ich, sogar diese Diskussion ist nämlich furchtbar langweilig, Leute, von einem Shakespeare Stück erwarte ich mehr, bis jetzt wurde niemanden die Hände abgehackt, niemand wurde vergiftet oder gegen seinen Willen verheiratet, ich bin sehr enttäuscht.) Und die Leistungsverträge werden auch einfach genehmigt, schön fürs Theater, schlecht für die anwesende Dramatikerin.

 

·        Ach, jetzt kommt doch noch ein wenig Pfeffer in die Suppe. Die freidenkerischen Demokratlingen (FDP) möchten in der Abstimmungsbotschaft abgebildet haben, dass die Stadt Langenthal in den letzten Jahren deutlich mehr Aufwände fürs Stadttheater aufbringen musste, als jeweils budgetiert worden ist, nämlich, 1,5 Millionen. Damit die Finanzierung auch transparent abgebildet ist. (1,5 Millionen – kann mir das jemand in Katzen umrechnen, damit ich mir das bildlich vorstellen kann?)

 

·        Marktgräfin Helena von Morgenthaler findet ihre Transparenz transparent genug und empfindet es zudem als ruchlos und ungerecht, dass man ausgerecht das Jahr 2023 als Referenz genommen habe, dieses Annus horribilis (nicht zu verwechseln mit dem Anus horibilis) weil, die Rechnung der FDP basiert auf der letzten Jahresrechnung. Wobei es schwer sein könnte, Vergleichsdaten zu finden, die beim Stadttheater positiv ausfallen, denn das Haus kämpft schon seit längerem um die Gunst des Publikums (und Corona ist jetzt einfach auch schon länger vorbei). Der Marktgräfin von Morgenthaler eilt die getreue Lady Grossenbacher zur Seite, die es unverständlich findet, dass man bei diesem Leistungsvertrag jetzt plötzlich mit Budgetzahlen (eigentlich waren es die Zahlen der Jahresrechnung, das hat sie später korrigiert) komme.

 

·        Der Graf von Häfliger stellt sich an die Seite der Freidenkenden, denn es gehe um Ehrlichkeit und Offenheit dem Volk gegenüber und sollte das auf die Idee kommen, sich zu beklagen und zu beschweren, würde das die Verträge im Ganzen gefährden, was in einem Scherbenhaufen enden könne. Andere Mitglieder des Rates befürchtet eher, die Stimmbürger:innen mit den Zahlen zu verwirren. Ja. Wie sollen wir schlichten Gemüter nur begreifen, was die hohen Räte uns davorlegen, wir sind doch eher ein bisschen einfach gestrickt und brauchen daher unbedingt eine strenge und bevormundende Hand, die uns liebevoll den Kopf tätschelt, aber selbigem Kopf nichts zutraut.

 

·        So und nachdem nun eifrig Hiebe mit dem rhetorischen Degen ausgeteilt wurden und keiner der tapferen Truppen auch nur ein bisschen von seiner Stellung abwich, sondern alle erbittert weiterfochten, wurde der Antrag schliesslich abgelehnt und damit bleiben die komplizierten Zahlen der Botschaft ferne und wir harren der Dinge, die in der Abstimmung noch kommen werden.

Die Abstimmungsbotschaft wird genehmigt.

 

 

Teil 4:  Die Sonne scheint, die Sterne blinken, lasst uns Strom nicht verschenken

·        Auf die tiefe Nacht folgt ein strahlender Morgen, denn die hohen Ratsmitglieder haben nun gespiesen und getrunken und sind nun erfrischt für das restliche umfassende Programm, das sich mit den neuen Gezeiten beschäftigt, denn so romantisch Pergament und Schreibfeder auch sein mag, es ist nun Zeit, dass die Verwaltung dem neuen Jahrtausend entgegenschreitet und dafür soll nun ein elektronisches Datenablagesystem basierend auf Microsoft 365 her. Das kostet nicht ganz so viele Goldtaler, als wenn man selber gewurstelt hätte, denn lassen wir das Auge zu unseren grösseren Nachbarn schweifen, erkennen wir, dass das nicht so gut rauskommt.

·        Beim Ferienheim Oberwald, lauschig und abgelegen, wird das Reglement, denn vor einiger Zeit haben die liberalen Freiheitlichen beantragt, dass dieses angepasst werde, damit die geschätzten Lehrmeister:innen nicht mehr wie bis anhin gezwungen sind, ihre Lager in diesem Walde zu verbringen (hätte euch auch früher in den Sinn kommen können, ich würde nämlich gezwungen, im Oberwald Fahrrad zu fahren und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie verdammt hügelig dieses Gelände ist und mein Hintern ist seitdem nicht mehr derselbe und ich HASSE Fahrrad fahren!).

·        Wir sprechen und schreiben von Degen und Fechten, doch jetzt sprechen wir von schiessen, zumindest indirekt, denn auf der Schiessanlage Weiher soll nun eine Solaranlage installiert werden, damit wir mit dem Licht der Sonne modernen Kerzenschein (sprich, Strom) produzieren können. Dies Begehren wurde einst von Fabian von Fankhauser und Päivi von Lehmann geäussert und nun können Graf und Gräfin die Früchte ihres Schaffens ernten.

 

·        Der Kreditbewilligung eher kritisch gegenüber steht Monseigneur Janosch von Fankhauser, auch der Holzgraf genannt, der das Projekt als zu teuer verortet und zu wenig effektiv, kurz als zu überdimensioniert. Deshalb werden er und seine Getreuen, die volkstümlichen Schweizerlinge (SVP) das Geschäft ablehnen und damit den anderen den Fehdehandschuh hinwerfen. Doch der Sonnenkrieger Michael Schär (FDP), der die Obhut über die Energie von Kleinvenedig hat, kann sich des Angriffs erwehren und einen Triumph verbuchen.

Teil 5: Lasset die Botschaft erklingen und frohgemut singen

 

·        Kommen wir zu weiteren sonnigen Neuigkeiten, denn wer in den letzten Tagen durch das Städtchen gewandelt ist, wird bemerkt haben, dass das auf einmal mehr Sitzgelegenheiten sind, auf die man seinen Hintern ausruhen kann und diese Möbel sind aus Holz geschaffen und mit Grün begrünt und alles wirkt sehr romantisch und schnuckelig und so harmonisch, dass sich der dunkle Teil in mir nach Kakteen sehnt. Auch das war einst das Begehren der Räte und nun wurde im Folge geleistet, welch glückliches Ende einer glücklichen Geschichte.

·        Die Botschaften des Rats der Marktgrafen und der Marktgräfinnen dringen nicht immer an das Ohr der Bürger:innen, denn allzu oft setzt dieser auf nicht mehr ganz so zeitgemässe Kommunikation zum Beispiel mit altersschwachen Brieftauben und heiseren Marktschreiern. Dies sei nicht wünschenswert, erklärt Linus von Rothacher, Abgesandter der sozialen Prinzes:innen (SP), deshalb soll der Gemeinderat das verbessern.

·        Doch ach, ist es denn die Aufgabe einer Stadt sich darum zu kümmern, dass die Botschaften unters Volk kommen, oder verursacht dies nur weitere Kosten und damit immer dünnere Geldbeutel? Und nicht nur informiert soll werden, sondern der Dialog gesucht werden, um die Stimmbürger:innen abzuholen und zu eng gesteckt, erscheint den Bürgerlichen die Formulierung der Motion und sie tendieren eher zu einer Wandlung

·        Hm, ich merke gerade, dass ich eine Marktlücke besetze und eigentlich ein bisschen dumm war, dass ich nie einen Weg gesucht habe, mir das zu vergüten, ich mache Gratis – Marketing für Langenthal (okay, vielleicht manchmal auch negatives Marketing, aber ich rede immerhin über die Stadt und biete dem Stadtrat eine Bühne), aber naja, kein Geld bedeutet auch, niemand redet rein.

·        Wer ist noch der Meinung, dass der Gemeinderat unbedingt einen Tik – Tok Kanal betreiben sollte und das die Stimmbürger:innen entscheiden können, welchen Tanz sie abliefern müssen? Die Motion wird jedenfalls knapp als erheblich erklärt, die Chancen für den Tik Tok Kanal sind intakt.

·        Nun denn ihr lieben Leute, es bleibet mir nur nach diesen vielen Stunden des aufmerksamen Lauschens euch meinen innigsten Dank zu entrichten, dass ihr meine bescheidenen Zeilen so aufmerksam verfolgt hat, denn der Lohn der Dichterin ist die Liebe (oder auch der Hass) der Lesenden und es erfreuet mein Herz, dass ihr euch niedergesetzt und diese Worte gelesen habt. Ich begebe mich nun zur Ruhe und verbleibe mit den besten Wünschen und in aller Bescheidenheit: Euer Fräulein von Lama, Lady von Weissenstein.

 

 

 

 

«Mir fehlt die 3?» Aber sie ist trotzdem die Nummer 1 (des Stadtrats): Stadtratspräsidentin Saima Linnea Sägesser (SP).

«Man hatte im Finanzamt wahrscheinlich noch nie so eine Freude wegen einer Kartoffel.» Pascal Dietrich (parteilos) über die kulinarischen Vorzüge einer schwarzen Null.

«Wir sollten die Kirche im Dorf lassen und das Stadttheater auch.» Diego Clavadetscher (FDP) und die Freuden der Sprichwörter.

«Es ist immer die Frage, wie das medial dem Volk gegenüber vertreten wird – als Medienschaffende könnte man beispielsweise mein Votum auch abbilden…» Dyami Häfliger (GLP) zeigt vor, wie erfolgreiches Eigenmarketing funktioniert.

«Ich habe gewettet mit Thomas, dass wir vor 12 Uhr fertig sind. Er meint nein. Ich will das Bier.» Saima Linnea Sägesser vs. Protokollführer. Gewonnen hat sie.

«Dann bekommen wir nicht mehr so verzitterte PDFs.» Janosch Fankhauser (SVP) mag eben keine Zitterpartien.

«Man höre und staune – wir folgen dem Gemeinderat.» Wir staunen tatsächlich, Diego Clavadetscher.

«Wenn euch also die Umwelt egal ist, sagt zumindest dem Budget zuliebe ja.» Und da sagt noch einer diese Umweltpolitiker:innen könnten nicht wirtschaftlich denken. Fabian Fankhauser (GLP).

«Was ich ein bisschen seltsam fand, war, dass ich im Radio 32 mehr darüber erfahren habe als in meinen Unterlagen.» Radio bildet eben, Michael Schenk (SVP).

«Es kommt nicht so oft vor, aber ich muss den Gemeinderat loben, ich war in Kontakt mit Bürger:innen, die für einmal nicht besorgt waren.» Wieder Fabian Fankhauser.

«Ich muss jetzt da rüber laufen, weil ich da noch nie geredet habe.» Dyami Häfliger verabschiedet sich nicht nur von den Menschen und seinem Amt, sondern auch gleich noch von den Rednerpulten.

«Der Gemeinderat ist nachtragend, aber er vergisst nicht.» Drohung oder Versprechen, man weiss es nicht. Stapi Reto Müller (SP).

 

 

 

Donnerstag, 9. Mai 2024

Lama Malwettbewerb

 

Platz 1: Kategorie Erwachsen. Ginge sogar als Strickmuster. Falls jemand einen Pulli machen möchte oder so.



Platz 2: Kategorie Erwachsen. Sehr eng am Original. 


Platz 3: Kategorie Erwachsene. Ich liebe die Haare, ich möchte sie auch lila färben. 


Platz 1: Kategorie Kinder. Wie süss ist denn der Hintergrund! Und meine Ärmchen (die übrigens auch wirklich so aussehen).




Platz 2: Kategorie Kinder: Die Punkversion. Liebe es!



Platz 3: Kategorie Kinder: Das expressionistische Lama (oder mein Zustand nach einer Stadtratssitzung. 

Dienstag, 30. April 2024

Das andere Stadtratsprotokoll: Die Film - Edition (der Fast - Liveticker zur Stadtratssitzung vom 29.04.2024)

Der Vorspann:

·        Herzlich willkommen zu unserem neuen Blockbuster «Spiel mir das Lied vom Stadtrat»! Wir wünschen Ihnen (und mit wir meine ich mich, das Lama) viel Vergnügen bei der heutigen Vorführung, wobei wir ehrlich gesagt nicht sagen können, ob es sich beim Film um eine Tragödie oder doch um eine Komödie handelt oder ob es sich sogar zu einem wilden Actionstreifen, wo sich mit einem Mal Ninjas vom Dach seilen und Tom Cruise durchs Fenster steigt, entwickelt, aber wir hoffen jetzt einfach mal, dass es bei hitzigen Wortgefechten bleibt und niemand das Bedürfnis verspürt, sich gegenseitig mit dem Bleistift zu durchbohren.

·        Im Film spielen natürlich eine ganze Reihe von prominenten Stadträt: innen mit – wir erinnern uns nur zu gerne an ihre oscarprämierte Darstellung in «Der Untergang des Stadttheaters», ebenso wie an die berührende und tränenreiche Darbietung in «Die Rache des Gemeinderats – das Budget schlägt zurück!» und sind daher der festen Überzeugung, dass auch dieser neue Film von und mit ihnen eine Meisterleistung des Schauspiels sein wird (mag ich es in der Wir – Form zu schreiben – ja, das mag ich, hat etwas Majestätisches, vielleicht stelle ich mich zukünftig einfach immer als «ich bin das Lama, aber sie dürfen uns mit Kaiserin ansprechen).

 

Teil 1: Armageddon

·        Oh, wow, Markus Gfeller darf wieder einmal ans Rednerpult, ich dachte ja der Gemeinderat hätte ihn gefesselt und geknebelt im Archiv des Glaspalasts eingesperrt, damit er nichts Falsches mehr sagen kann. Zur Abwechslung darf er ein Gesetz aufheben, statt eines einzuführen, und zwar geht es um Schutzraumeinrichtungen, für die offenbar ein Fonds besteht, den es allerdings nicht mehr braucht. Weil Klos und Betten scheinbar nicht so wichtig sind, wenn die Welt untergeht, kann man schliesslich auch in die Ecke pissen und auf dem kalten Böden schlafen.

·        Martin Lerch (SVP) und die GPK machen auf die nicht ganz so optimale Sicherheitslage, die jetzt nicht so dazu einlädt, beim Thema Schutzräumen nachzulassen. Deshalb stellt die SVP auch den Antrag, dass das Geschäft an den Gemeinderat zurückgewiesen wird, weil die sicherheitspolitische Beurteilung fehlt, denn es sei fahrlässig, dieses Reglement einfach abzuschaffen. Lerch weist auf die aktuellen Brandherde hin: Krieg Russland gegen die Ukraine (und damit auch gegen den Westen), eskalierender Konflikt im Nahen Osten und die Machtgelüste Chinas gegenüber Taiwans, was auch Amerika mit auf den Plan ruft.

·        Nach ein paar Minuten Vortrag von Lerch bin ich kurz davor schreiend aus dem Raum zu rennen, mir zuhause Jodtabletten einzuwerfen und mich im Keller zu verschanzen. Mit meinen Katzen, natürlich. Wobei mir gerade einfällt, dass mein Keller gerade mit Karton überquillt, weil man den ja neuerdings BÜNDELN muss und weil ich dafür keine Zeit habe, stopf ich da einfach alles rein. Meine Faulheit wird mich also umbringen, vielleicht werfe ich mich einfach gleich vor dem nächsten Bus, das geht wenigstens schnell und Langenthal braucht auch keinen Schutzraum mehr für mich.

·        Hui, Stadtratspräsidentin Saima Sägesser (SP) versucht Martin Lerch in seinem Monolog zu unterbrechen, das ist etwa so, als würde man den Papst bitten, seine Ostermesse abzukürzen. Zumindest in der Wahrnehmung mancher Stadträt: innen, denn alles, was sie sagen, ist wichtig, ALLES!

·        Pascal Dietrich (parteilos/FDP Fraktion) teilt die Zweifel am Zeitpunkt dieser Gesetzesstreichung, bemerkt aber, dass Langenthal noch eine der ganz wenigen Gemeinden ist, die für die Schutzraumeinrichtung selbst zuständig ist. Aber er lobt den Gemeinderat auch dafür, dass er mal auf eine Aufgabe verzichten will (immer dieser Workaholic – Gemeinderat, der alles manisch an sich reisst) und sieht das Sparpotenzial (weil, wir müssen immer noch sparen, sparen, sparen). Und natürlich setzt er auf Eigenverantwortung, getreu nach dem Motto: Lueget doch säuber! Lange Rede, kurzer Sinn: Die FDP stimmt dem Gemeinderat zu und lehnt den Antrag der SVP ab.

·        GLP und SP/GL stellen sich ebenfalls hinter das Vorhaben des Gemeinderats, auch wenn sie die Sicherheitsbedenken teilen. Fanny Zürn kann es sich nicht verkneifen, die SVP daran zu erinnern, dass die beste Prävention gegen einen AKV – Unfall, nach wie vor darin besteht, AKWs auszuschalten – was die SVP ja neuerdings nicht mehr will, weil sie in AKWs so eine Art neue alte Wunderwaffe gegen den gefürchteten Blackout sieht und AKW Strom als saubersten Strom anpreist.

·        Gfeller sieht die Punkte von Lerch und attestiert ihm auch das entsprechende Fachwissen, erinnert aber daran, dass es um das Einrichten von Toiletten und Liegenstellen geht und nicht um die Errichtung des Schutzraums selbst. Ausserdem sei es wenig sinnvoll, wie von der SVP gefordert, eine eigene Sicherheitsprüfung durchzuführen, weil das Risiko von Langenthal jetzt nicht so viel anders ist, als das von den umliegenden Gemeinden.

·        Und können wir jetzt bitte über etwas anderes reden, ich bin jetzt noch deprimierter, als vorher und das will, schon was heissen, ich möchte nicht mehr über Schutzräume reden, wo ist dieses blöde Budget, wenn man es mal braucht?

·        Martin Lerch lässt seine Gspännli nicht so schnell aus den Klauen, sondern antwortet gefühlt auf jedes einzelne Statement persönlich, ich glaube nicht mehr lange und die Stadtratspräsidentin lässt ihm einfach den Saft des Mikrofons abdrehen, aber das ist nur meine sehr freie Interpretation ihres Gesichtsausdrucks, vielleicht überlegt sie auch, ob sie nicht doch lieber mal kurz die Nationalhymne anstimmen soll, um Martin Lerchs Votum zu übertönen (denn so einen Vortrag würde die SVP garantiert nicht unterbrechen).

·        Der Antrag der SVP wird abgelehnt, das Reglement schlussendlich gestrichen. Besorgt euch also schon mal Nachttöpfe und Luftmatratzen, ihr Lieben.

 

Teil 2: Hurra, die Schule brennt!

·        Matthias Wüthrich (Grüne): Wie geht man mit den sinkenden Schüler:innenzahl im Steckholz um? Schlussendlich ist man zum Schluss gekommen, eine Basisstufe zu erhalten. Zwei Klassen werden geschlossen, damit kann die Stadt wieder sparen, sparen, sparen. Aber da man die Schüler: innen ja jetzt schlecht einfach gar nicht mehr unterrichten kann, müssen wir die irgendwie nach Langenthal karren. Die Idee ist jetzt ein Schulbus, der die Schüler: innen ins Elzmatt bringen, dann wieder abholen und zuhause abliefern soll, nur um sie nachmittags wieder in die Schule zu verschieben. So eine Art Hogwarts – Express nur nicht ganz so cool.

·        Jana Fehrensen (FDP) stimmt im Namen ihrer Fraktion zu, dass man den Kindern nicht zumuten kann, einfach den ÖV oder das Fahrrad zu nutzen (püh, sollen sie doch laufen, das stärkt den Charakter, ach, ich wäre so eine tolle Pädagogin). Die FDP beantragt aber eine neue Ausschreibung dieser zukünftigen Dienstleistung (weil sich scheinbar nur ein Unternehmen für diese Aufgabe beworben hat) und dass dieser Schülertransport befristet, eingeführt wird und zwar nur bis 2027. Dann könne man das Angebot wieder prüfen, da sich wahrscheinlich auch die Schüler:innenzahl laufend ändern wird.

·        Die SVP – Fraktion ist für die Einführung des Schüler:innentransport, aufgrund mangelnder Alternativen und der Tatsache, dass der bereits seit einem Jahr gut läuft. Michael Schenk (SVP) lehnt den Antrag betreffend Neuausschreibung ab, da diese nur zu unnötigen Verzögerungen führen wird. Der Transport sei unternehmerisch nicht so leicht zu bewerkstelligen, erklärt Schenk, deshalb habe sich auch nur einer dafür beworben. Die SP schliesst sich dieser Meinung an.

·        Pascal Dietrich spricht sich grundsätzlich für den Schülertransport aus, macht sich aber Sorgen um die Kosten und weist darauf hin, dass eine andere, vergleichbare Gemeinde, deutlich günstiger wegkommte Deshalb sei eine günstigere Lösung zu bedenken, zumal man nur auf den eigenen Amt gesucht hätte. Auch hier könnten wir Geld sparen, wenn es einfach Hexenbesen geben würde, aber nein, wir müssen ja in dieser nichtmagischen Bünzliwelt leben. Dietrich bekommt Unterstützung von Waffenbruder Patrick Freudiger, der eine Befristung ebenfalls als sinnvoll erachtet.

·        Sandro Baumgartner hat ein Problem mit dem Wörtchen befristet, denn was, wenn die Dienstleistung nicht günstiger, sondern teurer wird? Waaas, was für eine absurde Vorstellung, es wird doch nichts teurer heute! Ausser Lebensmittel. Und die Krankenkasse. Und der Strom. Und Papier. Und Bücher. Und atmen. Aber sonst wird doch alles billiger, verstehe gar nicht, von was die da reden.

·        Es dreht sich jetzt um den Antrag der FDP, ob das Angebot jetzt noch mal neu ausgeschrieben und entsprechend befristet werden soll. Matthias Wüthrich erklärt noch einmal den Ablauf der Ausschreibung, die geprägt war, von vielen Absagen. Der aktuelle Anbieter, Gerber, sei der günstigste Bewerber gewesen und sei jetzt auch derjenige, der das Pilotprojekt aktuell durchführt. Wüthrich schlägt eine Art Kompromiss vor: würde die Befristung auf 2028 festgelegt, decke sich das mit seinem Vorhaben, die FDP steigt darauf ein.

·        Warum diskutieren die jetzt alle, ich begreife das alles überhaupt nicht mehr. Alle wollen den Schulbus, ein Unternehmen hat sich für diese Aufgabe gemeldet und der ist günstig und funktioniert, was ist denn jetzt genau das Problem? Ich glaube, ich bin einfach zu naiv für das alles. Aber hey, nach viel Hin und Her – aber das gehört schliesslich zu jedem guten Film - zieht die FDP den Antrag auf eine erneute Ausschreibung zurück, Ente gut, alles gut, lasst uns in den Sonnenuntergang fahren. Mit dem frisch bewilligten Schulbus.

Teil 3: 20.00 Meilen unter Meer

·        Schon der Name des nächsten Geschäfts macht mir Gänsehaut: Teilrevision des Abwasserentsorgungsreglements. Das klingt fast so spannend wie «Effi Briest» und ich kann euch sagen, dass ich in meinem Leben noch kein langweiligeres Buch gelesen habe. Und es geht, wenn ich es richtig verstehe, um eine Anpassung der Kanalisationsanschlussgebühren (urks, noch so ein Wort), denn es hat sich herausgestellt, dass die Stadt die Gebühren anders erhebt als im Reglement festgelegt. Statt aber nun die Gebühren anzupassen, ist man zum Schluss gekommen, dass es besser ist, einfach das Reglement hinzubiegen, ganz nach dem alten Vorsatz: Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt.

·        Die Parteien stehen der Revision positiv gegenüber. Die FDP ist sogar der Meinung, dass sie keine zweite Lesung brauchen, das ist ein Ritterschlag, im Hintergrund höre ich einen Gospelchor leidenschaftlich «Hallelujah» anstimmen, ach wie schön, manchmal braucht es eben nur ein bisschen Abwasser, um Gräben zuzuschütten. Und tatsächlich verzichtet der Stadtrat auf eine zweite Lesung, sie verzichten freiwillig auf REDEZEIT, jetzt mache ich mir echt Sorgen, vielleicht sollte jemand mal Fieber messen.

·        Und zack ist das Reglement durch, wie schön! Das war ja gar kein Film, das war höchstens ein Trailer, aber ich will mich nicht beschweren, ich kann Kurzfilmen durchaus auch was abgewinnen.

 

Teil 4: Die fliegenden Klassenzimmer

·        Gerhard Käser wünscht sich im Namen der SP/GL Fraktion einen Detailbericht zum Zustand der Schulinfrastruktur. Wir erinnern uns an den Schimmel, der mal kurz in Elzmatt vorbeiritt, an schlechte Zustände in allen Schulhäusern und zahlreiche Materialschäden. Oft sei das an der Bevölkerung vorangegangen, weshalb viele Menschen bei der Kindergartenstimmung offenbar glaubten, dass die alten Kindergärten in weit besseren Zustand seien, als sie es tatsächlich sind (tja, würden die Leute mal meinen Blog lesen, dann wüssten sie es!).

 

·        Die FDP kann sich mit der Motion nicht anfreunden, weil ohnehin eine grosse Schulraumplanung anstehe und mit einem weiteren Bericht nur unnötig Ressourcen verschwendet werden würden. Die SVP widerspricht dem ein Stück weit: Sie stimmen der Motion zu, da die Daten ohnehin bereits vorliegen würden, die bräuchte man nur aus der berühmten Schublade nehmen. Die Mitte schliesst sich diesem Votum vollumfänglich an und so ist es keine Überraschung, dass die Motion erheblich erklärt wird.

·        Wir bleiben gleich bei der Schule: Die SP/GL Fraktion fordert zudem eine Überarbeitung der Schulraumstrategie und eine breite Vernehmlassung, die dem Volk vorgelegt wird (oder wo sie mitmachen können, das habe ich nicht ganz verstanden, Vernehmlassung klingt vornehm, aber null Ahnung, was das eigentlich ist). Fraktionschef Baumgartner begründet das mit der Tatsache, dass reine Infoabende nicht mehr reichen, um die Bevölkerung abzuholen, sondern dass es eine vertiefte Auseinandersetzung brauche (Stichwort Kindergärtenabstimmung, die ja ziemlich den Bach runtergegangen ist).

·        Wenig überraschend will die FDP das auch nicht (irgendwie wollen die heute gar nichts, nicht mal zweite Lesungen), weil sie wieder die Kosten dafür scheuen. Zudem sei es unnötig, weil der Gemeinderat die Schulraumstrategie sowieso überarbeiten muss und es daher keinen Sinn mache, das zweimal durchzuführen. Die SVP empfindet die Übung Mitwirkung ebenfalls als unnötige Belastung der Verwaltung, zudem könne der Stadtrat nicht einfach Aufgaben ans Volk auslagern.

·        Pascal Dietrich bekundet eine gewisse Sympathie für die Motion, weil er es begrüsst, dass die betroffenen Kreise besser einbezogen werden soll, denn das hat er schliesslich immer schon gesagt, auch wenn ihm damals niemand unterstützen wollte, aber er schliesst sich dem FDP/JLL Sprecher Javier Marquez (JLL) an, dass es sich bei der Erarbeitung einer Schulraumstrategie um eine selbstverständliche Aufgabe handle, schliesslich beauftrage er den Gemeinderat auch nicht jeden Frühling mit der Erarbeitung des Budgets, das gehöre schliesslich zu dessen Job. Die Mittel, um das Volk abzuholen, bestünden bereits, so Dietrich, es sei am Gemeinderat, diese zu nutzen. Wie wärs mit den guten alten Flugblättern?

·        Trotz der ablehnenden Haltung der FDP kommt die Motion durch, weil sich ein Grossteil der FDP der Stimme enthält, was ein bisschen komisch ist, aber vielleicht habe ich das Statement von Marquez komplett falsch verstanden? Oder es war ihnen dann doch nicht so wichtig? Oder sie hatten alle einen Krampf im Arm, zum falschen Augenblick?

 

Teil 5: Das Schweigen der Lämmer

 

·        Kindergärten, Kindergärten, ich höre heute nur Kindergärten, was ist mit meinem Katzenkindergarten, wann kommt der endlich? Pascal Dietrich hält einen weiteren ausführlichen Monolog darüber, dass man die ablehnende Haltung des Stimmvolks bezüglich der Kindergartenabstimmung unbedingt ernstnehmen müsse, was ist mit meiner Haltung, dass wir viel zu wenig über Katzen reden???

·        Gut, lassen wir das mit den Katzen, kommen wir lieber zu Schafen. Es geht um eine Interpellation, die den Titel «Das Schweigen der Lämmer» trägt (und um das zu ehren, habe ich für heute die Film – Edition ausgerufen, denn ich liebe Kreativität, je irrer, desto besser) und die sich darum dreht, wie der Gemeinderat zukünftig mit einem Bruch der Kollegialität umgehen und wie die Exekutive informieren und auftreten soll. Denn wir erinnern uns: Das Schaf Gfeller (um beim Bild zu bleiben, er ist natürlich kein Schaf und auch kein Lamm), ist von der Herde ausgeschert und hat seine eigene Meinung in die Welt geblökt bzw. geschrieben (böser Gfeller!)

·        Die SVP, in Person Patrick Freudiger, zeigt sich von der Interpellation nicht so begeistert. Es sei nicht die Meinung, dass in Zukunft der Gemeinderat die Aufgabe des Stadtrats übernehme und die Stimmbevölkerung überzeugen müsse. Noch mehr stört er sich aber daran, dass der Gemeinderat aufgrund eines Vorfalls, die Praxis ändern will. Bis jetzt war es möglich, dass einzelne Gemeinderät:innen eine abweichende Position einnehmen – sofern sie es vorher angemeldet haben und in den Ausstand getreten sind. Das soll jetzt nicht mehr möglich sein, ganz nach dem Motto: Alle für einen und einen für alle und wenn wir untergehen, dann zusammen.
Zudem, so Freudiger, sei es nicht sehr anständig, dass der Gemeinderat kurz vor Ende seiner Legislatur, seinen Nachfolger:innen eine Praxisänderung aufdrücke.

·        Okay, Diego Clavadetscher findet den Titel nicht ganz so witzig wie ich (obwohl er durchaus Humor hat), weil er es nicht so toll findet, den Gemeinderat als Lämmer zu benennen. Und er fürchtet einen verstärkten Lämmereffekt: Alle Schafe rennen zukünftig einem Hirten hinterher. Das ist doch hübsch, dann können wir den zukünftigen Stadtpräsident:innen gleich einen Hirtenstab bei Amtsantritt übergeben, zusammen mit Mantel und Schlapphut (wobei die Katholische Kirche da vielleicht Urheberrechte anmelden würde).

·        Auch Pascal Dietrich tut sich schwer mit dem «Maulkorb», der dem Gemeinderat aufgezwängt wird und bringt als Beispiel den Kanton Solothurn, wo manche Gemeinderatssitzungen sogar öffentlich sind. Wäre ich voll dabei, ich bin immer noch der Meinung, dass Transparenz sehr viele Schwierigkeiten auch innerhalb eines Gremiums beheben können. Ist vielleicht naiv, aber ich bin halt ein kleines naives Lama, das unter all seinem Zynismus daran glaubt, dass alles leichter wird, wenn man Dinge offen bespricht.

·        Roland Loser kann die Tragik, mit welcher die Bürgerlichen die Interpellation zerpflücken, nicht nachvollziehen – das Einhalten des Kollegialitätsprinzip sei durchaus zumutbar, auch für starke Charaktere. Und starke Lämmer. Mäh!

·        Und damit sind wir am Ende der heutigen Stadtratssitzung gekommen! Vielen Dank fürs Mitlesen, ich hoffe, ihr seid nicht an eurem Popcorn erstickt und hattet mindestens so einen unterhaltsamen Abend wie ich. Den Oscar verleihe ich übrigens mir selbst, weil ich es fast geschafft habe, wirklich einen Liveticker zu machen – die letzte Diskussion hat es mir dann ein bisschen versaut, weil zu lang, aber ich bin trotzdem zufrieden. Bis zum nächsten Mal, ihr Lämmchen und Wölfchen und Lamas!


    Der Abspann


Wir verleihen die goldenen Lamas an folgende Darsteller:innen:


• Saima Sägesser für ihre Darstellung als Herrin der Redezeit⏳️
• Pascal Dietrich für seine Darstellung als einsamer Ritter der Zentralkindergärten⚔️
• Markus Gfeller für seine Darstellung als Lamm🐑
• Patrick Freudiger für seine Darstellung als oberster Kenner der Geschäftsordnung🧐
• Sandro Baumgartner für seine Darstellung als Bombenexperte💣
• Martin Lerch für seine Darstellung als Kommandant der Betten und Toiletten🚽
• Michael Schär für seiner Darstellung als Abwasserposeidon🔱
• Fanny Zürn für ihre Darstellung als grüne Fee🧚‍♀️

Best of Stadtrat

• «Die SVP hilft sparen, wo es geht und wo es vertretbar ist.» Und vertretbar ist das nur beim Stadttheater, Martin Lerch (SVP).

• «Ich will versuchen, mich tatsächlich kurz zu fassen.» Fabian Fankhauser (GLP) und seine guten Vorsätze.

• «WCs und Liegen sind wahrscheinlich unser geringstes Problem, wenn eine Bombe auf uns niedergeht.» Naja, ich glaube, dann lösen sich generell viele Probleme von Langenthal buchstäblich in Luft auf, Sandro Baumgartner (SP)

• «….in voller Ehrfurcht vor der Analyse der GPK…» Patrick Freudiger (SVP) gewohnt demütig.

• «Ist das eine Hand?» Hoffen wir jetzt einfach mal, dass an der Hand auch noch wer dran war. Stadtratspräsidentin Saima Sägesser (SP).

• «Nur das ich nicht noch einmal kommen muss.» Roland Loser (SP) spart sich und anderen Zeit und Aufwand.

• «Der Gemeinderat hat bei mir nicht so ausführlich geschrieben, als Ausgleich, rede ich jetzt ein bisschen mehr.» Biblische Gerechtigkeit mit Pascal Dietrich (parteilos/FDP/JLL Fraktion).

• «Besten Dank für den Hinweis, Frau Stadtratspräsidentin, ich kenne die Geschäftsordnung des Stadtrates, ich habe sie nämlich mitberaten.» Ein latent verschnupfter Patrick Freudiger, der sich nur ungern belehren lässt.

Wer ist Patrick Freudiger?

  Bild: Leroy Ryser Dass die Bürgerlichen sich ihn als Stadtpräsidiumskandidaten wünschen, war ein offenes Geheimnis. Als langjähriger Stadt...