Montag, 29. Juni 2026

Das andere Stadtratsprotokoll – die ich – hasse – Sommer – Edition: Der (Fast) Liveblog zur Stadtratssitzung vom 29.06.26

 

Das Vorspiel

 

·        Hallo und herzlich willkommen zum heissesten Liveblog der Langenthaler Stadtratssitzung. Es bloggt für Sie ein schweissnasses Lama, das bereits keinen Bock mehr auf Sommer hat – ich hasse den Sommer. Ich bin eine Stark aus Winterfell, ich habe es gern KALT und EISIG (mit kuscheligen Wölfen) und ich verstehe nicht, wie manche Menschen solche Temperaturen ernsthaft als angenehm empfinden können, was seid ihr, Brathähnchen? Und ich habe den Sommer schon gehasst, als er nicht standardmässig 36 Grad war, ich ziehe aus, ich gehe an den Südpol, da ist es bestimmt nett. Bei den Pinguinen? Hat es da Pinguine? Oder Eisbären? Die könnten mich fressen, das wäre mir auch ganz recht, es ist sicher cool in so einem Eisbärmagen, haha.

·        Das Gesicht von Stapi – Kandidat und Gemeinderat Roland Loser ist überproportional präsent im Ratssaal, weil die SP/GL Fraktion allesamt in einem Fanshirt mit dem edlen Konterfei des Königsanwärter aufgetaucht sind. Ausser Georg Cap, der wohl das Memo nicht bekommen hat. Oder einfach keine Gesichter auf der Brust tragen mag.

·        Gerhard Käser (SP) tritt aus der GPK und dem Stadtratsbüro zurück, weil er jetzt Grossrat ist und wichtigeres zu tun hat….nein, Spass, weil er schon genug um die Ohren hat, schliesslich ist der Mann ja auch noch Schulleiter. Für die GPK wird Päivi Lehmann (SP) gewählt, während im Stadtratsbüro neu Dan Weber (SP) Sitz nimmt. Viel Spass, Ruhm und Ehre in euren neuen Ämtern, ich bin sicher, ihr werdet ganz viel Freude daran haben – mindestens ebenso viel, wie ich am Herbst habe (Herbst *schluchz* bitte komm bald, ich halte das nicht aus.

 

Teil 1: Hurra, wir haben Geld! Irgendwie.

 

·        Gute Nachrichten: Wir haben einen Überschuss in der Jahresrechnung von 3.25 Mio. Ein ausgesprochen erfreuliches Ergebnis, wie Gemeinderat und Finanzminister Patrick Freudiger (SVP) frohlockt. Zwar gibt es auch negative Abweichungen zum Budget (sogenannte Mindererträge), manche von denen werden sich aber aufs nächste Jahr korrigieren, wie beispielsweise die Kehrichtgebühr, die sich ja erhöht (hurra). Mehrerträge gab es bei den Steuern (danke an alle, die so fleissig Steuern zahlen, ich zahle natürlich auch, allerdings ist mein Vermögen so bescheiden, dass Langenthal damit wahrscheinlich nicht so weit kommt – wahrscheinlich kann sich Langenthal davon höchstens einen halben Fussgängerstreifen leisten oder so) und dann gab es auch Aufwände, die gesunken sind, wie beispielsweise der Personalaufwand. Das ist aber eigentlich gar nicht so toll, denn das kommt einfach daher, dass manche Stellen noch immer nicht besetzt sind und die Leute die nicht da sind, kann man ja auch nicht bezahlen (bewundert bitte meine kühle Logik im Angesicht dieser sengenden Hitze.

·        2025 gab es auch mehr Steuern von juristischen Personen (also keine menschlichen Personen, sondern Pinguine. Nein, Witz, das sind Steuern von Firmen und Unternehmungen). Wir hatten also ein gutes Steuerjahr. Aber, warnt Patrick Freudiger, das ist ein Einmaleffekt und bedeutet keineswegs, dass die nächsten Steuerjahren ebenso einträglich sind, weshalb der Gemeinderat auch nicht von seiner vorsichtigen Finanzstrategie abweichen wird. Spielverderber. Lass uns doch einmal die Illusion von Reichtum.

·        Das grosse Sorgenkind sind aber die Investitionen. Davon werden zu wenige umgesetzt, wie Freudiger ausführt, die ohnehin tiefe Realisierungsquote ist noch einmal gesunken. Das ist dann wiederum eine negative Folge des eher geringen Personalbestands, denn Leute, die nicht da sind, muss man zwar nicht zahlen, aber Leute, die nicht da sind, können ja auch nicht arbeiten. Schrödingers Personal quasi. Zu den Investitionen, die nicht getätigt werden konnten, gehören beispielsweise auch die Kindergärten, die ja bekanntlich vom Volk abgelehnt und infolgedessen auch nicht gebaut wurden.

·        Also, ich hoffe, ich habe jetzt alles Wesentliche zusammengefasst, weil ehrlich gesagt ist Patrick Freudiger dermassen durch die Jahresrechnung gerast, dass mein halb geschmolzenes Hirn den Inhalt nicht mehr zur Gänze erfassen konnte. Ich würde jetzt mal vorsichtig sagen: Die Rechnung ist positiv, aber vor allem dank Sondereffekten und die hat man nicht jedes Jahr (sonst wären es ja normale Effekte), deshalb können wir das Geld jetzt leider nicht mit vollen Händen ausgeben. Wird also nichts mit dem Pinguinpark, den ich mir gedanklich schon ausgemalt habe *seufz». Ach ja: Und die Mehreinnahmen fliessen direkt in die Spezialfinanzierung NEW, die vom Gemeinderat ins Leben gerufen wurde, um dringend nötige Investitionen zu tätigen.

·        Die Bürgerlichen zeigen sich angenehm überrascht von dem guten Ergebnis (der FDP/Jll/Liste49 wurde gar «ganz warm ums Herz», auch wenn das laut Sprecher Pascal Dietrich (Liste49) bei diesen Temperaturen ja nicht mehr gesund sei. Freude an den Zahlen hat auch die GLP/EVP Fraktion, wobei Sprecher Mike Sigrist betont, dass man eben nicht immer alles voraussehen könne. Kritischer ist die SP/GL Fraktion, der insbesondere der zu tiefe Personalbestand zu denken gibt. «Ohne Personal können die Kindergärten trotz NEW nicht gebaut werden», so Fraktionssprecher Linus Rothacher (SP) und schiebt gleich das bereits bekannte Mantra der SP/GL Fraktion nach, dass man eben nicht nur an diesem tiefen Steuersatz hängen bleiben dürfe – auch wenn die Rechnung jetzt aufgegangen ist. Trotzdem unterstützt auch die linke Ratsseite die Jahresrechnung und diese wird genehmigt.

 

Teil 2: Moderne Modernisierungen

 

·        Der gute alte Jahresbericht soll modernisiert wird – das Ding hat fast den Umfang einer Bibel und den Spannungsbogen eines Telefonbuchs und das alles soll jetzt kürzer und dynamischer werden und leichter zu verstehen, wie Michael Schär, Vize – Stapi erklärt und führt gleich vor, wie das aussehen soll, indem er eine KI – Grafik einblendet. Weniger Text, mehr Bildchen. Mögen wir. Wobei nein, ich mag Text eigentlich lieber (mehr lesen, weniger Tiktok!), aber ich verstehe, dass es visuell ansprechender ist, noch ein paar Bilder einzufügen. Mein Vorschlag wäre ja: Katzenbilder. Wir könnten beispielsweise die Gemeinderät:innen mit Katzenbildern darstellen, ich schwöre, dann würden viel mehr Leute den Bericht lesen. Oder ich schreibe ihn. Ich kann sogar reimen! Mir ist so heiss, dass ist ein Scheiss, aber wenn Stadträt:innen reden, lässt das mein Herz erbeben und auch wenn meine Körperteile zerfliessen, kann ich es hier trotzdem geniessen…

·        Tja und jetzt kommen wir zum – Achtung, schlechter Wortwitz – explosivsten Thema des Abends: Langenthals Weg zur Energiewende – der Gasausstieg (hier dramatische Game of Thrones Musik einblenden). Warum der nötig wird, erzählt Ressortvorsteher und Gemeinderat Michael Schär, gleich am Anfang der Beratung: Der Kanton hat Klimaschutzziele formuliert und diese beinhalten auch den Gasausstieg. Der Gemeinderat und die IB Langenthal AG (nachfolgend IBL genannt) haben sich zusammengesetzt und gemeinsam eine Strategie überlegt, wie dieser Ausstieg bis ins Jahr 2040 gelingen soll. Der Gasabsatz ist bereits in den letzten Jahren gesunken, zum einen wegen der neuen Energierichtlinien des Kantons, aber natürlich auch wegen dem Angriffskrieg den Russland gegen die Ukraine führt.

·        Mit der Unterstützung externer Fachexpert:innen hat die IBL drei Szenarien skizziert: Die vollständige Stilllegung bis 2040, die teilweise Stilllegung ab 2040 und die erneuerbare Gasversorgung, also die Umstellung auf erneuerbares Gas. Letzteres wäre aber eine sehr teure Umstellung und die Frage ist auch, ob es überhaupt genügend erneuerbares Gas gibt, so Michael Schär.  Und so hat man sich schliesslich für die teilweise Stilllegung ab 2040 entschieden (aus irgendeinem Grund tippe ich immer 2024 – offenbar will ich unbewusst eine Zeitreise in die Vergangenheit machen, oder meine Finger sind zu nervös). Das soll vor allem gelingen mit Wärmeverbünden, die teilweise bereits erfolgreich im Betrieb sind, wie beispielsweise im Hard. Eine Standardlösung sind sie aber nicht, wie Michael Schär mahnt, Wärmeverbunde funktionieren vor allem für dicht besiedelte Gebiete.

·        Diesen Entscheid zur Gasnetzzukunft hat der Gemeinderat relativ früh und ohne Einbezug des Stadtrats getroffen – und wir wissen ja, der Stadtrat LIEBT es, wenn er erst am Ende eines Entscheids einbezogen wird, da steht er so richtig drauf - das sei aber, so Michael Schär, nötig gewesen, weil aktuell noch kein Gefäss existiert, um den Stadtrat unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu informieren. Denn die Medien sind überall! Im Glaspalast. Hinter Büschen. Unter Teppichen. Und ich erst, ich habe meine Ohren überall, darum sind sie so lang (ich habe keine Ahnung, was für einen Blödsinn ich gerade erzähle – mir ist einfach heiss, entschuldigt.) Der Prozess dieser teilweisen Stilllegung soll übrigens bis 2045 vollzogen sein, also innerhalb von 5 Jahren.

 

·        Die GPK, in Person von Pascal Dietrich, kritisiert die Kommunikation des Gemeinderats, der den Gasausstieg bereits verkündet hat. Aber der Gesetzgeber dieser Stadt ist schliesslich das Königinnenlama… Okay, nein, das ist natürlich der Stadtrat. Und deshalb hätte der Gemeinderat, laut der GPK, einen Weg finden müssen, den Stadtrat vorher entscheiden zu lassen und das Vorgehen darauf zu bauen. Und nicht andersrum (ich wusste, dass sie das nicht mögen würden. Der Stadtrat ist sehr sensibel, wenn es um seine Kompetenzen geht, man muss da ganz behutsam mit ihnen umgehen).

 

Teil 3: Spass mit Gas

·        Die SVP-Fraktion steht dem Geschäft kritisch gegenüber und möchte den Gasausstieg auf 2045 hinauszögern (also eigentlich auf 2050), die GLP hat bereits nach der Ankündigung des Gemeinderates öffentlich Kritik geübt und ist noch immer der Meinung, dass die Allgemeinheit keine einzelnen Heizungen finanzieren soll, wie Fraktionssprecher Fabian Fankhauser (GLP), der Gasausstieg erfolge zu spät, was er der bürgerlichen Mehrheit im Gemeinderat anlastet (und dem Verwaltungsrat der IBL, dem man, laut Fankhauser, nicht anlasten könne, besonders «linkslastig» zu sein) und schlussendlich habe man jetzt einfach noch ein bisschen länger «Gasspass» herausgeholt.  Die linke Ratsseite findet weniger harsche Worte, sondern zeigt sich durchaus positiv.

·        Pascal Dietrich hatte Kontakt mit Bürger:innen, die den Gasausstieg, gelinde ausgedrückt, nicht gerade feiern (die berühmten besorgten Bürger:innen), verzichtet aber in Anbetracht der Hitze auf den genauen Wortlaut der Zitate, weil er die Atmosphäre nicht noch mehr aufheizen will. Dietrich kritisiert noch einmal den Prozess,  den Zeitpunkt von 2040 findet er falsch, weil die kantonalen Richtlinien schreiben eigentlich erst 2050 vor und auch die Lebensdauer einer Gasheizung schätzt er nach Gesprächen mit entsprechenden Expert:innen höher ein, als die vom Gemeinderat und der IBL propagierten 15 Jahre. Man dürfe diejenigen Eigentümer:innen, die in den letzten Jahren noch eine Gasheizung installiert haben, nicht einfach abhängen – ausser, man entschädige sie dafür.

·        Robert Haas (SVP) redet vom «Grünen Strom» und ich verstehe «Hühnerstrom» und denke ernsthaft darüber nach, ob Hühner mit dem Legen von Eiern Energie produzieren können – ich glaube, es ist ganz gut, dass ich mich auf die Berichterstattung konzentriere und nicht selber Politik mache, ich glaube, ich wäre unfreiwillig sehr komisch, weil ich immer alles falsch verstehen würde. Naja, Haas findet Energiestrategien jedenfalls generell doof, weil es ihn zu sehr an Planwirtschaft erinnert und die habe ja bekanntlich noch nie funktioniert.

·        Sein Parteikollege Daniel Huber erklärt danach, dass er an die Evolution und das Universum glaube, aber irgendwie nicht so ganz an die Energiewende (jedenfalls habe ich das so verstanden, es war ein sehr langer Vortrag und irgendwas sagt mir, dass er Lehrer ist. Ich muss das noch nachschlagen, aber ich glaube, er ist Lehrer), jedenfalls nicht in dem angestrebten Tempo, das zu schnell sei. Ähm ja. Lasse ich jetzt mal so stehen.

·        Angestachelt von Fabian Fankhauser (ihre Worte, nicht meine) hält Corinna Grossenbacher (SVP) ein flammendes Votum, in dem sie sich darüber empört, dass man vor nicht allzu langer Zeit Gas noch als saubere Energie gefeiert hat und es deshalb unfair sei, jetzt die Leute dazu zu zwingen, umzusteigen. Fabian Fankhauser kontert, es wundere ihn, dass Grossenbacher jetzt dafür plädiere, die Stadt müsse die Freiheit der Menschen, Gas als Energiequelle nutzen zu können, schützen, normalerweise sei ihre Partei ja eher für weniger Staat und überhaupt, habe er schon manche Gasheizung selber installiert – mit seinen eigenen Händen - es sei eben tatsächlich so, dass die nach 15 Jahren abgeschrieben wird und nicht, wie jetzt die Bürgerlichen behaupten, einfach 20 Jahre laufen würden.

·        Michael Schär (FDP) nimmt in seiner Stellungnahme die mehrfach angeschossene IBL in Schutz (unter anderem fiel der Begriff Parteigutachten), die Verantwortlichen hätten bewiesen, dass sie keine Politik machen und auch keine Gefälligkeiten erweisen, ausserdem erklärt auch er, dass die Laufzeit von gasbetriebenen Heizungen, 15 Jahre beträgt – die 20 - 25 Jahre, die herumschwirren, beruhten auf älteren Modellen und nicht auf denen, die jetzt im Gebrauch sind (er hat noch einige technische Details erklärt, aber die reden alle so schnell, ich komme da nicht mehr so ganz mit, um ehrlich zu sein, heute bräuchte ich echt eine Rückspultaste.)

·        Nachdem jetzt alle irgendwie ihre generelle Meinung zum Thema Gasausstieg, Planwirtschaft und Wärmeverbünde kundgetan haben, wird jetzt der bereits erwähnte Änderungsantrag der SVP Fraktion gestellt, die den Gasausstieg fünf Jahre nach hinten schieben will. Weil, grundsätzlich, so Fraktionssprecher Jan Herzig, müsse man nicht früher mit Gas aufhören als vom Kanton gefordert, das sei unnötig und überhaupt kennen er und seine Fraktionskolleg:innen genügend Leute, deren Gasheizungen tadellos seit über 20 Jahren funktionieren. Ernsthaft, langsam haben wir es verstanden, ihr seid euch nicht einig mit der Laufzeit, ist doch mal gut jetzt. Pascal Dietrich beantragt inzwischen eine zweite Lesung. Irgendwie. Irgendwie aber auch nicht, weil er davon ausgeht, dass er keine Mehrheit dafür findet, aber er würde sich freuen, wenn er doch noch eine findet. Die Verwirrung ist verwirrt. Oder vielleicht auch nur das Lama.

·        «Ich weiss nicht, ob ihr gerne fossile Brennstoffe verbrennt oder ob ihr einfach irgendwelche Klientel subventioniert, wirtschaftlich lässt sich euer Antrag jedenfalls nicht begründen», so Fabian Fankhausers - wie immer - sehr diplomatische Antwort auf das Ansinnen der SVP, den Gasausstieg nach hinten zu verschieben. Etwas sanfter formuliert es Päivi Lehmann (SP), die der Hinauszögern – Strategie der SVP aber ebenfalls einen Korb gibt.

·        Ich fasse jetzt mal rudimentär zusammen: Die eine Hälfte des Stadtrats will den Gasausstieg später (oder vielleicht am liebsten gar nicht, man weiss es nicht), weil sie befürchten, dass einem Teil der Bevölkerung – also diejenigen, die noch mit Gas heizen – dadurch Nachteile erwachsen, aber auch, weil das Gasnetz noch intakt ist und es deshalb wenig sinnvoll sei, es stillzulegen. Die andere Hälfte findet das Vorgehen des Gemeinderates richtig – oder hätte sich eher noch einen rascheren Ausstieg gewünscht. Das ist der Kern Diskussion – und zwischendurch ging es dann um Wärmeverbünde, Planwirtschaft, falsche Prognosen, Patriotismus und der Aussage, dass schliesslich niemand in die Zukunft sehen könne. Ausser ich. Ich kann das mit meinem Tarotkarten. 

·        Dafür, dass die Diskussion so lange ging, ist die Entscheidung erstaunlich klar: Der Stadtrat folgt mehrheitlich dem Gemeinderat und stimmt damit dem Gasausstieg 2040/2045 zu. Eine Zangengeburt, aber ein leicht händelbares Baby, quasi (ja, ich hatte schon bessere Metaphern. Verklagt mich doch.).

·        Zur Warnung: Mein Akku macht es wahrscheinlich nicht mehr allzu lange und ich gescheites Wesen, gedacht habe, dass ich es ja sicher nicht brauche, weil es eine schnelle Stadtratssitzung ist (haha) – das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, ich habe ein Notizbuch dabei und mache mir dann notfalls einfach handschriftlich Notizen (wie früher). Wenn ich also nicht mehr live bin, bin ich nicht von genervten Stadträt:innen gefesselt und geknebelt ins Klo gesperrt worden und bin auch nicht ganz spontan zum Südpol ausgewandert.

·        Also ehrlich gesagt, bezweifle ich langsam, dass wir überhaupt noch mit dieser Debatte fertig werden, weil jetzt wird noch ein Antrag zu Prozessgas gestellt (ich erfahre hier mehr über Gas, als ich je wissen wollte) und alle Fraktionen müssen den erst noch besprechen, weil sie sonst nicht wissen, was sie abstimmen sollen. Dieses Gas macht alles, aber keinen Spass. Ich glaube, mein Hintern ist abgestorben (aber der war zugegebenermassen eh nicht so besonders beeindruckend). Es stellt sich heraus, dass der Gemeinderat diese Frage schon geklärt hat. Aber schön haben wir darüber geredet. Aber falls der Antrag durchkommt, wird das ganze Geschäft noch einmal zur Überarbeitung zurückgewiesen und wir haben diese ganze Debatte nochmal. Hurra.

·        Aber auch dieser Antrag scheitert an der Union von SP/GL, GLP/EVP, sowie der FDP/JLL (wobei sich Fabian Fankhauser enthielt). Und dann kommen wir endlich, ENDLICH zur Schlussabstimmung (obwohl jemand in der Pause zu mir meinte, er dachte eigentlich, die Diskussion ginge länger und ich frage mich, wie noch länger, wollt ihr noch bis um drei Uhr morgens hier sitzen???) und das Reglement wird verabschiedet.

 

 

 

Teil 4: Tue Gutes und sprich darüber

·        Ein Ende findet die zwei Klassengesellschaft in Bezug auf die Angestellten der Stadt. Einige von ihnen (wie etwa Reinigungskräfte) waren bis anhin noch im Stundenlohn angestellt, eine Motion verlangte, dass diese ebenfalls in einem festen Lohnverhältnis angestellt werden. Der Gemeinderat und die Verwaltung setzte diesen Wunsch um und die Motionär:innnen sind zufrieden mit der Umsetzung. Happy End für alle. Brauchen wir auch hin und wieder.

·        Es folgt die neue Leistungsvereinbarung mit Tokjo – dem Trägerverein für offene Kinder – und Jugendarbeit. Ohne Zustimmung, so die zuständige Ressortvorsteher Stefanie Barben (FDP) werde die überregionale Zusammenarbeit erschwert. Anpassungen sind nötig, weil die Kosten sich verändert haben, aber auch der Aufwand an Betreuungspersonen, da die Herausforderungen gestiegen sind (2 Betreuungspersonen pro Kind). Das greift die SVP in ihrem Votum auf. Sie zeigt sich besorgt darüber, dass es offenbar unter anderem auch wegen gestiegener Gewaltbereitschaft seitens der Jugendlichen, nötig wird, die Betreuung engmaschiger zu gestalten. Tokjo wird in Langenthal schon lange gestützt und die Jugendarbeit geschätzt, von daher überrascht es kaum, dass die Fraktionen dem Kreditgeschäft geschlossen zustimmen. Du weisst, dass du geliebt wirst, wenn der Stadtrat dich geschlossen toll findet (aber gut, es geht um Kinder und Jugendliche – da ist wohl kaum jemand ernsthaft dagegen. Das ist wie mit Kätzchen. Alle mögen Kätzchen. Und wer Kätzchen nicht mag, ist unwürdig dieses Protokoll zu lesen (nein, Spass. Lest nur. Auch wenn ihr keine Kätzchen mögt – Hauptsache ihr mögt Lamas.

·        Der Gemeinderat hat sich auf Wunsch des Stadtrats auch noch ihrer Kommunikation gewidmet – in der Vergangenheit wurde oft beklagt, dass die Stadt ungenügend mit der Bevölkerung kommuniziert (nicht einmal ein Instagram Konto lag drin, weil dessen Betreuung angeblich zu viel Zeit kostet und quasi das Einstellen einer Fachperson fordert). Der Gemeinderat hat nach einer Mitwirkung verschiedene Massnahmen ergriffen (und ja, Social Media gehört dazu – ich will meine Katzenbilder, vergesst das nicht). Gerade vor den Abstimmung soll offener und breiter kommuniziert werden. Diese Aufgaben sollen mit dem bestehenden Personalaufwand gestemmt werden (also keine eigens ausgebildete städtische Influencer:innen). Der Gemeinderat sieht die Motion als erfüllt an und beantragt Abschreibung (böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass das Social Media Konzept der Stadt vielleicht bis jetzt einfach war, die Kommunikation dem äusserst aktiven Stapi Reto Müller zu überlassen).

·        Die SP/GL Fraktion stellt einen Rückweisungsantrag, weil die Fachstellen ursprünglich einen höheren Betrag für diese Aufgabe berechneten, der Gemeinderat diesen jedoch einkürzte. Dan Weber (SP), Sprecher der Fraktion, will die Handlungsfähigkeiten der Fachstellen nicht unnötig einschränken, sondern sie sich frei entfalten lasse, denn egal, wie fähig das Personal sei, sie brauche auch das richtige Werkzeug dafür.

·        Eine andere Diskussion ergibt sich vonseiten der GLP/EVP Fraktion – diese hat nämlich vor Monaten einen Antrag gestellt, dass ihnen die Beschlüsse des Gemeinderates zugestellt werden, der Gemeinderat wollte das aber irgendwie nicht und schlussendlich reichten sie eine Beschwerde ein, die noch hängig ist. Jetzt schlägt der Gemeinderat ironischerweise die Veröffentlichung seiner Beschlüsse als Instrument zur Verbesserung der Kommunikation vor. Ich würde sagen: Da ist die Kommunikation im Vorfeld wohl gründlich schiefgelaufen.
 

·        Vize – Stapi Michael Schär stellt bei dem Rückweisungsantrag ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Gemeinderat fest. «Ich weiss jetzt nicht, was ihr davon habt, wenn wir einen höheren Beitrag im Budget zurückstellen – ob wir den ja denn wirklich ausgeben, steht auf einem anderen Blatt», so Schär und versichert den skeptischen Stadträt:innen, dass schlussendlich ja ohnehin sie entscheiden würden, also immer noch mehr Mittel sprechen könnten. Das überzeugt eine knappe Mehrheit des Rates, 18:17 entscheidet sich der Stadtrat gegen den Antrag der SP, die Motion wird schlussendlich durch Stichentscheid des Ratspräsidenten Diego Clavadetscher abgeschrieben. «Weil ich Vertrauen habe», wie Clavadetscher leicht süffisant hinzufügt.

 

Teil 5: Tschüssi!

Sooo, ihr Lieben, mein Akku geht rasant zur Neige, meine Konzentrationsfähigkeit auch (wobei die heute ehrlich gesagt nie so toll war) und die Geschäfte, die jetzt noch kommen, sind Fristverlängerungen und die Mitteilungen des Gemeinderates (ich bin sicher, das ist wichtig, aber vielleicht nicht…sooo wichtig?) Ich verabschiede mich deshalb schon mal. Danke fürs Mitlesen und bis – hoffentlich – bald.
(Und danke für den schlagfertigen Stadt – und Gemeinderat, der mir wunderbare Sprüche serviert hat).

Best of

 

«Heute müsst ihr mich oft ertragen.» Michael Schär (FDP) warnt schon einmal vor.

«Das war die kürzeste Präsentation des Jahresberichts während meiner gesamten parlamentarischen Karriere – aber das ist ja kein Wettbewerb.» Alles ist ein Wettbewerb, Diego Clavadetscher, gerade du als FDPler solltest doch das wissen.

«Auch die GPK hat den Bericht sogar gelesen.» Corinna Grossenbacher (SVP) erledigt ihre Hausaufgaben tadellos.

«Das wäre eine Falschmeldung – wir haben keinem Transfer zugestimmt, Ruth Jörg ist immer noch Teil unserer Fraktion!» Pascal Dietrich (Liste 49) will seine Fraktionskollegin nicht an die SVP ausleihen, auch wenn sie im Jahresbericht als SVPlerin ausgewiesen wird

«Es zeigt sich wie so oft – wir hatten Recht.» Fabian Fankhauser (GLP) gibt sich bescheiden und demütig.

«Prognosen sind sehr schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen.» Stellt sich die Frage, welche Prognosen denn nicht die Zukunft betreffen. Pascal Dietrich

«Mein Text ist verschwunden – naja, ist vielleicht besser… so» Daniel Huber (SVP) verliert am Rednperult den Faden, den Text und irgendwie auch die Lust.

«Fabian, du hast mich gerade richtig angestachelt.» Corinna Grossenbacher und ihr persönlicher Coach Fabian Fankhauser.

« Manchmal muss man sich eure Anträge auf einfach schön trinken.» Wieder Fabian Fankhauser.

«Es erfüllt mich mit tiefer Freude hier zu sein.» Wenigstens Diego Clavadetscher ist noch gerne hier.  

«Und sonst schickt ihr einfach Geld…äh, ich meine…ach, das waren ein bisschen viele Geschäfte.» Michael Schärs revolutionärer Ansatz für Streitereien bei der Finanzierung: Stadträt:innen können ja einfach selbst bezahlen.

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Das andere Stadtratsprotokoll – die ich – hasse – Sommer – Edition: Der (Fast) Liveblog zur Stadtratssitzung vom 29.06.26

  Das Vorspiel   ·         Hallo und herzlich willkommen zum heissesten Liveblog der Langenthaler Stadtratssitzung. Es bloggt für Sie ei...